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Willkommen bei Lucian,

ein Jahr Lucian! Ein Jahr kann so kurz sein und dieses war definitiv kurz. Nun sind wir also schon ein Jahr alt und wollen dies mit einem neuen Style feiern. Herzlichen Glückwunsch, Lucian!
Hintergrund: ALice Faux / deviantart
Header: phatpuppy / deviantart



Liebe Grüße
die Spielleitung

Gründung: 22. Januar 2011

Eröffnung: 08. Februar 2011

Rollenspielstart: 16. April 2011

Mitgliederübersicht::
Begleiter: 5
Menschen: 4
Begleiter ohne Mensch: 1

Erste Mitglieder: Raven, Merle, Freya
1. Kapitel: Den Tod im Genick

Jahreszeit
Herbst

Wetter
Sonnenschein, es ist Nachmittag. Der Himmel ist stark bewölkt. Es sieht ein wenig nach Regen aus. Es ist windstill. 13-15°C

Tageszeit
Nachmittag (circa 15 Uhr)

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 Den Tod im Genick

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Spielleitung
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BeitragThema: Den Tod im Genick   Sa Apr 16, 2011 6:07 pm




Wenn man bedenkt, dass sie jederzeit ermordet werden konnten, so war das Leben der Politiker gar nicht mal so schön. Man las ja allerhand in den Zeitungen und der Tot eines dieser reichen Schnösel überschattete nur wenige mit wirklicher Trauer. Die Rebellen waren diesen ach so tollen Menschen einfach überlegen. Nicht immer, aber oft genug. Es waren also recht gute Aussichten, wenn man in einem eingestürzten Haus lebte, könnte man denken. Denn die Todesrate dieser Menschen lag sogar noch höher. Man merkte es nur nicht, lebte man in einem etwas nobleren Viertel, da keiner dieser Morde – ob nun durch Krankheit oder durch die Bevölkerung – in der Zeitung erwähnt wurde. Lebte man in einem westlichen Stadtteil und nahm sich vor die Verwandten im Osten zu besuchen, so konnte es schon mal vorkommen, dass man vor einem Haus stand, in dem neue Leute lebten. Diese gaben dann knapp Auskunft darüber, dass die vorherigen Bewohner tot waren. Pech gehabt.

Wenigstens in der Innenstadt konnte man noch etwas Idylle und Frieden finden. Da wirkte alles wie früher. Sauber, sicher, schön. Die Menschen lachten, aßen Eis in Cafés und kauften sich Kleidungsstücke für Preise, bei denen einem die Luft wegblieb. Es dauerte allerdings nicht lange, um der Realität zu begegnen. Eine Mauer schützte zwar vor einigen Menschen, aber die all zu Neugierigen fanden schnell das Armenviertel. Auch da blieb einem die Luft weg. Nicht, wegen überteuerter Kleidung, sondern wegen eingestürzten, total zerstörten Häusern, Dreck in den Ecken und seltsame menschliche Schatten, welche dich beobachteten. Man durfte sich hier nicht wundern, wenn man plötzlich ohne Handtasche auf der Straße stand. Das ging schnell. Überhaupt sollte man Accessoires lieber vermeiden. So war das eben. So würde es auch vorerst bleiben, doch warum war es so?

Vor circa zehn Jahren hatte eine Gruppe von Menschen beschlossen sich die Macht zu ergreifen. Die Bevölkerung ahnte nichts davon und wählte diese Partei. Einige Reporter stellten fest, dass die Politiker irgendwie keinen Schatten hatten und manch einer behauptete, ihre Handlinien würden fehlen. Es waren Begleiter. Einst Schatten wurden sie zum Menschen. Warum bleibt der Außenwelt verborgen. Doch die Partei fand schnell so viele Anhänger, dass es egal war, ob sie nun ein schwarzes Ding verfolgte und mimte oder nicht. Man nahm an, die Presse hätte die Bilder der schattenlosen Anzugsmenschen bearbeitet, was natürlich nicht der Fall war, aber irgendwie wollte man nicht glauben, was man da sah. Die Partei der Begleiter, dessen eigentlicher Name nicht überliefert wurde war riesig. Die ganze Stadt war begeistert... und ahnungslos. Die Begleiter hatten feststellen müssen, dass es immer mehr von ihrer Sorte gab. Die ehemaligen Schatten kann man nicht töten, zumindest hatte niemand es je geschafft. Gab es also immer mehr Begleiter, so kamen die Probleme auf, dass dieses Geheimnis ans Licht kam und das durfte unter keinen Umständen geschehen. Die Begleiter mussten weg. Entweder man brachte die Menschen, welche ihren Schatten verloren hatten dazu sich ihren Begleiter weg zu wünschen oder man brachte einfach alle Menschen um und lebte glücklich und zufrieden mit den übrig gebliebenen Begleiter. Gedacht, getan. Die Menschen, welche die Wahrheit über ihren verlorenen Schatten bereits wussten hatten sich mit ihren Begleiter angefreundet und waren nicht gerade begeistert von der Idee der Politiker. Also schickten diese kleine Truppen los, welche mordeten. Die Polizei und die Bevölkerung war geschockt und so fing alles an... die Situation eskalierte, immer mehr Menschen starben, es kam zu Krieg zwischen Politik und Bevölkerung. Letztendlich siegte der Staat, welcher nun vollends aus Begleiter bestand. Wie man das hingekriegt hatte? Da musste man schon in geheime Akten schauen und die bekam keiner in die Finger.

Dendres, einige der vielen Städte, welche unter den Fesseln der Politik leiden musste sollte schnell wieder aufblühen. Also steckte man das Geld in die Innenstadt und ihre umliegenden Häuser. Man errichtete eine Mauer, damit Touristen unter keinen Umständen sahen, wie heruntergekommen die eigentliche Stadt war und fertige überaus schöne Parkanlagen. War man im Kern von Dendres, so konnte man dort wirklich in die Vergangenheit reisen, wenn auch nur für kurze Zeit, denn um zurück zu kehren sollte man früh genug gehen, ansonsten könnte jemand noch heraus finden, dass du nicht zur reichen Schicht gehörst und das könnte vielleicht nicht gut ausgehen...


Lage

Den Politiker und Reichen geht es so, wie heutzutage den gewöhnlichen Deutschen, mit einem mittelmäßigem bis gutem Einkommen. Der restlichen Bevölkerung geht es recht schlecht. Eingestürzte Häuser, Dreck auf den Straßen, kein fließendes Wasser oder Strom und wenn man das hatte, so war man zum Tode verurteilt, weil es nicht lange dauert, bis jemand anderes vorbei kommt und dir die Kehle durchschneidet, um selber einen Tag lang im Luxus zu leben, damit das ganze Spiel wieder von vorne anfangen konnte, er würde auch sterben. Man hat aber immer noch die Möglichkeit zu stehlen und dann in der Innenstadt für eine kurze Dusche ins Schwimmbad zu gehen oder sich neue Kleidung zu besorgen.


Jahreszeit

Herbst


Wetter

Sonnenschein, es ist Morgen. Ein kühler Wind weht, ansonsten ist es recht warm. Der Himmel ist etwas bewölkt. 15-18 °C


Tageszeit

Morgen (circa elf Uhr)


Es steht auch frei zu posten. Die Reihenfolge wird erst später erstellt. Bitte Regeln beachten. Die Begleiter MÜSSEN keine Ahnung davon haben, was sie sind, können das aber. Man kann sich Gruppen anschließen. Es ist fast alles vertreten. Wer die Anführer der einzelnen Gruppen sind erfahrt ihr bald (es wird dazu noch einen Thread geben)

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Heath

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BeitragThema: Re: Den Tod im Genick   Sa Apr 16, 2011 9:32 pm

“Man, dass hätte fast in die Hose gehen können.“

Eine leise Stimme durchbrach die Stille. Sie kam aus einem mehr oder weniger eingefallenen Haus. Die eine Seite von dem Gebäude schien noch recht gut in Takt zu sein, während die andere total zerstört war und jeder Stein den Boden küsste. Das Haus hatte zwei Stockwerke. Das Erdgeschoss war voller Gerümpel, dass zweite enthielt nur ein Zimmer, in dem man leben konnte und genau in diesem Zimmer fand man ein altes Bett plus Matratze und einige Decken, sowie einen quietschenden Holzstuhl und Fass mit Wasser. Auf dem Stuhl saß ein junger Mann. Ihm gehörte die Stimme. Seinen Strohhut hatte er vom Kopf genommen und neben sich auf dem Boden gelegt. In der einen Hand hielt er einen Dolch, welcher in der Morgensonne, die das Zimmer erhellte glitzerte. In der anderen Hand befand sich ein oranger Ball. Erst bei näherem Hinsehen definierte man ihn als Orange. Langsam ließ der junge Mann den Dolch an die Orange heran und verpasste dieser eine Wunder. Er begann mit einer Sanftheit, wie man sie nur selten sah der Frucht die Haut abzuschälen. Stück für Stück entfernte er die orange Schale, welche nicht besonders genießbar war. Als er die Orange vollends von ihrer Schutzschicht befreit hatte riss er ein Stück ab. Fruchtsaft spritze durch die Luft und benetze das Gesicht des Mannes mit durchsichtigen Tropfen. Die Flüssigkeit rann seine Finger hinab und brannte in einer Wunde an seinem Daumen. Er ignorierte das brennen. Stattdessen führte er das demolierte Stück zu seinem Mund und verschlang es. Der Mann hielt inne, die Augen geschlossen. Er genoss den süß-sauren Geschmack der Frucht, die leichte Bitterkeit einer übrig gebliebenen Schale und das Gefühl auf der Zunge, wenn er mit dieser über die dünne Haut des Orangenstückes strich. Gleich darauf riss er noch etwas von der Frucht ab und das Spiel begann von Neuen. Er konzentrierte sich voll und ganz auf seine Mahlzeit. Selten hatte er so etwas köstliches zu sich nehmen könne.

Der junge Mann hatte die Südfrucht von einem der Reichen gestohlen. Er war in den Supermarkt gegangen, um sein nächstes Opfer zu ermitteln. Dort hatte er eine alte Frau gesehen. Er hatte immer ein schlechtes Gewissen, wenn er älter Menschen ausraubt, doch in diesen schweren Zeiten blieb ihm nichts anderes übrig. Also schlenderte er durch die Gänge, immer die Frau im Blick, aber so, dass sie es nicht bemerkte. Sie tat allerlei süßes Zeug in ihren Einkaufskorb. Der Dieb hatte kein Interesse daran, überlegte schon sich ein neues Opfer zu suchen, als die Frau sich drei Orangen holte und diese in den Korb packte. Wann hatte er das letzte mal von dieser Frucht kosten dürfen? Es musste eine Ewigkeit her sein! Die Frau bezahlte und der Mann folgte ihr. Als sie die Innenstadt verließ, um in ein Nobelvierteil einzubiegen nutze der Dieb seine Chance und versteckte sich in einem Gebüsch. Alte Frauen waren ja so blind! Eine Hand blitzschnell aus dem Grün heraus gestreckt und schon war die Dame eine ihrer Früchte los. Allerdings hatte diese den Raub doch bemerkte und wandte sich voller Zorn an den Busch, aus dem die Hand kam. Sie holte Pfefferspray heraus und zielte auf das Grün. Wütend drückte sie auf den Knopf und das ganze Zeug flog in die Richtung des Mannes, welcher zum Glück zurück huschen konnte. Er hatte Glück. Es hätte ihn erwischen können und dann wäre alles aus gewesen. Aber nun hatte er seine Mahlzeit. Voller Vorfreude rannte der Dieb zu seinem Appartement und verschlang dort die Orange mit Hilfe seines Dolches. Gott, der Geschmack dieser Frucht war der Himmel auf Erden!


[in seinem Appartement | isst Orange]

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Merle

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BeitragThema: Re: Den Tod im Genick   So Apr 17, 2011 11:01 pm

Warum? Warum schauten die alle? Was war da und vollbrachte das Glück, das sich alle Köpfe danach drehten? Warum nur stierten sie oder zeigten mit dem Finger darauf? Hatten sie so etwas noch nie gesehen? Es war unwirklich, aber auch verwirrend. Sie verstand die Situation nicht und fand sich bald damit ab. Gewöhnte sich an die Blicke und die Tuschelaien. Doch eine Frage blieb. Das warum!

„Klotz nicht so blöd! Hab ich etwa Schokolade im Gesicht.“


Wurde ein junger Mann an geblafft, der schnell so tat, als würde er seine Zeitung weiter lesen. Merle hasste das. Doch versuchte damit klar zukommen. Versuchte die Kontrolle über sich zu bewahren. Doch irgendwann war auch da mal schluss. Ihre Augen fixierten den Gaffer und seine Zeitung. Er hatte doch keine Ahnung wie man sich dabei fühlte. Hatte keine Ahnung wie es war, wenn man nicht wusste warum. Wenn man sich tag täglich dieselbe Frage stellte und doch keine Antwort drauf fand. Die junge Dame wusste es doch auch nicht. Wusste nicht wo ihre Handlinien waren oder wo sich ihr Schatten versteckt hatte. Wusste nicht warum die Menschen so ganz anders waren, als sie selbst. Oder warum sie anders war. Sie wollte es doch wissen. Es verstehen. Doch vorher? Wer konnte es ihr erklären? Ihr sagen warum sie so war.
Keiner! Keiner von diesen Leuten konnten das. Sie konnten bloß beleidigen und runter machen. Sie als Politiker beschimpfen, obwohl sie nicht zu diesen Monstern dazu gehörte. Vielleicht war das der Grund warum Merle so verschlossen und zickig auf Fremde, oder überhaupt auf Menschen reagierte. Sie waren doch selber schuld. Wer Hass ausstreute musste ihn auch ernten und fressen können. Ob es dabei einen faden Beigeschmack geben würde, war dann nicht mehr ihre Sache. Es war ihr schlichtweg egal.

Langsam flogen ihre abgetretenen Schuhe über den harten Beton der Stadt. Sie versuchte nicht weiter darüber nach zu denken und versuchte diese Blicke aus ihrem Hirn und ihrem Sichtfeld zu verbannen. Versuchte zu ignorieren. Doch es hielt nicht lang. Schon in der nächsten Straße war ein Kind mit seiner Mutter zu sehen. Genüsslich schleckten sie an ihrem Eis und schaufelten das zeug wie Wasser herunter. Kein Wunder, dass das Kind so fett war. Da war ein Schwein hingegen ja noch schlank, wenn es kurz vor der Schlachtung stand. Aber egal. Viel schlimmer waren wieder diese Blicke. Dieses – angestarrt zu werden – machte sie rasend vor Wut. Und als wäre dies nicht noch genug, lachte das fette Kind auch noch über sie. Zeigte mit dem Finger auf ihre fast komplett zerfetzten Sachen und schleckte weiter sein Eis. Seine Speckwangen hüpften nur so hoch und runter, das es Merle einfach anwiderte. Die Mutter hingegen schien schlau genug zu sein, weg zuschauen, als sie den verhassten Blick Merles erkannte. Doch nicht ihr dummes Kind. Es reagierte erst gar nicht auf seine Mutter und machte munter weiter. Selbst schuld war er, als er das Eis quer durch seine Speckfresse bekam. Denn so schnell konnte er gar nicht gucken, wie rasch merle zu ihm flitzte, sein eis ihm aus der Hand riss und es überall verteilte. Das Geheul danach war groß und Merle hatte ihren Spaß. Sie lachte. Laut und böse kamen die schrillen Töne aus ihrem Mund. Fast irre schien sie, doch blieb sogleich wieder ernst.

„Ich hoffe du lernst daraus Specki. Vielleicht sieht man sich ja wieder und da werde ich dir nicht nur das Eis in deiner fette Fresse schmieren.“

Es war ein Versprechen. Keine Warnung. Die Frau blieb ruhig. Sammelte ihre Sachen zusammen und schnappte sich ihr verheultes Kind und ging. Gut für Merle. Denn diese Idioten hatten ihr Eis stehen gelassen. Auch noch Schwarzwälderkirsch Becher hatten sie sich bestellt. Prima. Rasch setzte sie sich. Schaute sich noch einmal um und fragte den umliegenden Gaffern, ob sie ein Problem hatten. Nein natürlich winkten alle ab und Merle ließ sich das Eis schmecken.


[in der stadt, denkt, spricht, ist sauer, reibt eis in das gesicht eines kindes, isst eis]

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Nun ist sie Tante geworden. What a Face
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BeitragThema: Re: Den Tod im Genick   Mo Apr 18, 2011 5:04 pm

Livia Collister. Mit ihrer krakeligen Kindergartenschreibschrift trug das junge Mädchen ihren Namen in die dafür vorgesehene Spalte auf dem Zettel ein. Sie betrachtete die zittrigen Buchstaben und ein zucken erschien um ihre Mundwinkel, das aber nicht so recht zu einem Lächeln werden wollte. Wie schnell sich eine schöne Schrift in so ein Geschmiere verwandeln konnte, wenn man lange keinen Stift mehr in der Hand gehabt hatte.
Liv betrachtete das Blatt eine Weile. Andere Angaben wurden gefordert. Alter. Wohnort. Herkunft. Eltern.
Ein fremder Mann hatte diese Zettel auf der Straße verteilt, jedem der heruntergekommenen Penner hatte er diesen Wisch angedreht – das Mädchen war eine von denen. Der Fremde meinte, sie solle das Formular bei einem der Außenposten der Regierungspartei abzugeben, damit sie wussten, wie viele genau in den Slums lebten. Aber was kam es schon auf einen mehr oder weniger an.
Liv dünne Finger, die den Zettel bis eben noch vorsichtig berührt hatten, krümmten sich wie in Zeitlupe zusammen und knickten das Blatt ein. Immer mehr Falten bildeten sich auf der glatten Oberfläche, während die Achtzehnjährige das Blatt zu einem Ball zusammenknüllte. Ihre Nägel gruben sich in die Fasern des Papieres und ein riss entstand. Einige Herzschläge lang starrte Liv noch auf den Zettel, durchbohrte ihn mit Blicken, als würde sie erwarten, dass sie ihn dadurch verbrennen könnte. Schließlich gab sie sich geschlagen und warf den Knäul durch die Luft.
Es brachte auch nichts, einen Zettel an Stelle der Regierung zu zerfetzen. Oder für wen auch immer das Papier gestanden hatte. Es war absolut sinnlos, denn immerhin war das Teil ja keine Voodoopuppe. Wenn man ein Stück abriss, dann viel keinem Menschen ein Arm ab, sondern man hatte einfach nur ein zerfetztes Zettelchen.
Warum also die Wut an einem Formular auslassen?
Im Nachhinein fand Liv wieder in ihre rationale Art zurück. Die Art die all die Klischees in Frage stellte, die man befolgte, wenn man irgendein Gefühl verspürte. So war es absoluter Blödsinn in der Wut Dinge kaputt zu machen. Eine vollkommen sinnfreie Angelegenheit, die dazu führt, dass Dinge kaputt gehen – zu nichts anderem.
Denselben Effekt hatte es, das Bild des Mannes anzuschmachten, in den man verliebt ist. Denn immerhin ist das Foto nur ein Stück Karton auf den etwas aufgedruckt ist. Also himmelt man dann streng genommen einen leblosen Gegenstand an.
Aber leider ging ihre rationale Weltansicht verloren, wenn sie wütend war. Wie das war, wenn sie sich verliebte, wusste sie nicht, allerdings war sie wirklich oft genug in Rage.
Seufzend erhob das Mädchen sich vom dreckigen Boden. Mit einem lockern Bewegung glättete sie die Falten ihres Mantels, nur um die Hand gleich darauf in die Taschen gleiten zu lassen.
Das Mädchen machte ein paar Schritte hin und wieder zurück, wie ein Tiger, der in einem Käfig eingesperrt war. Tatsächlich hielt sie sich in den letzten Räumlichkeiten auf, die von dem großen Haus das hier mal gestanden hatte übrig waren. Den Kellerzimmern. Sie musste zwar durch eine ziemlich kleine Nische, die einmal ein nach unten führendes Fenster gewesen war, an ihren Schlafplatz, da die Trümmer des Hauses die Treppen versperrten, aber dort unten konnte sie keiner finden, geschweige denn überfallen.
Wie spät es wohl war?
Liv kletterte über die lockeren Steine aus der Nische. Ihre langen Nägel gruben sich in die Zwischenräume in der Wand und sie zog sich Stück für Stück weiter. Sie ignorierte, dass Teile ihrer Absätze weggespeckt wurden und drückte sich von dem letzten Backstein ab. Sie hievte sich ins Licht der Morgensonne und blinzelte einen Moment, damit sie wieder ordentlich sehen konnte.
Ihre Absätze klackten kein bisschen, was aber auch keine Leistung war, da sie ja keine 100 Kilo wog.

Nachdem Liv in die Nähe des Supermarktes gekommen war, kam ihr aber jemand entgegen gestapft, deren Stöckel so hart auf den Asphalt trommelten, dass man meinte es käme ein Hochhaus auf Schuhen angelaufen. Noch dazu brüllte die Frau lautstark etwas von „haltet den Dieb“.
Die Fremde schien eine der Reicheren zu sein, denn ansonsten würde sich niemand so verhalten. Liv zuckte die Schultern, trotzdem ließ sie ihren Blick umherschweifen um den bösen, bösen Verbrecher zu finden.
Als die schreiende Frau bei Liv angekommen war verlangsamte sie ihren Erdbeben Lauf und starrte sie entgeistert an.
Liv hatte irgendwie das Bedürfnis der Fremden die Zunge rauszustrecken, stattdessen zeigte sie ihr ihren hübsch rot lackierten, mittleren Finger und setzte ihren Weg fort.



„Alte Frauen ausrauben kann in die Hose gehen? Wusste ich gar nicht.“

Stellte Liv süffisant fest und lehnte sich in den Türrahmen zu dem einzigen halbwegs bewohnbaren Zimmer des Hauses. Natürlich hatte sie den Dieb gefunden und war ihm einfach gefolgt. Sie hatte sowieso nichts zu tun und da konnte man doch jemand neuen kennenlernen.


[denkt || geht zum Supermarkt und bekommt dort den Raub mit || bei Heath]
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BeitragThema: Re: Den Tod im Genick   Mo Apr 18, 2011 7:51 pm


Der junge Mann blickte kaltherzig seine Umgebung an. Er war in der Innenstadt, die Reichtum ausstrahlte. Reichtum und Macht. Ein göttlicher Segen. Die Sonne kitzelte matt mit ihren ersten Strahlen des Tages in seinem Gesicht, dass sich die ernste Mine weiter verzog. Er kniff eng die Augen zusammen und verlor seinen Blick über die Straßen. Über die Menschen, jene die glücklich lachten und sich stärkten an Speisen, die anderen fern blieben. Sie kauften sich Kleidung und liefen gackernd durch die Straßen. Es war kein Groll und kein Mitleid in seinem Blick. Er empfand kein Mitgefühl für jene, die hinter diesen Mauern leben musste. In den verfallenden Häusern, in dem Schutt und ohne die Fähigkeit ihre Wünsche zu befriedigen. Doch es lag auch kein Zorn gegen jene, die es verstanden ihr Geld zu verprassen. Hirnlos, konnte man sagen, ohne den Gedanken an jene, die es nicht konnten. Ihm schien es so gleich zu sein. Ja, es war ihm egal. Jeder Mensch war egal, nur ihm musste es gut gehen, das war sein Wunsch und dies strahlten die kalten Augen aus, die in der Farbe der Hoffnung ihre Welt erblickten. Hoffnung. Dies war es was die meisten Menschen am leben erhielten. So wider war der Gedanke. Worauf hofften sie? Auf einen Gott, der ihnen Rettung schenkt oder auf einen neues Leben? Manche hofften auch nur auf das Ende und holten sich dieses. Ja, das sollten sie. Sie sollten verschwinden und nicht die Welt mit ihrer Anwesendheit verpesten. Cian hielt es für besser sein Leben selbst in die Hand zu nehmen, so weit wie es ihm möglich war.
Langsam setzte er seine Schritte voran. Sein Gang war leicht und federnd. Der schlanke Mann fiel nicht auf, er war unauffällig. Seine Kleidung war schlicht und dunkel. Gerade dieser einfache Anblick ließ die meisten Menschen nicht erahnen, welche Gedanken er in seinem Kopf schüren konnte. Sie strömten nur an ihm vorbei, ihre Schritte wichen seinen aus und ließen ihn in seiner Welt allein. Sie bemerkten nicht, dass er nicht mehr zu ihnen gehörte. Nicht mehr wie früher. Damals war er genauso wie sie, er war reich. Dieser Gedanke erfüllte ihn mit Zorn. Nun wandelte er zwischen den Ebenen. Weder war er reich, noch war er arm. Denn er kannte den Weg zur seiner Welt, zu den Reichen in denen er einst gelebt hatte. Dafür war er zur Bestie geworden und er bedauerte keine seiner Entscheidung. Nie hatte er Selbstzweifel und dies erkannte man ihm an. Jede seiner Bewegungen und Worte strotzen vor Selbstsicherheit und Arroganz. Cian wurde von einer Aura umhüllt, die merklich war. Die Einen konnten ihn nicht ab und verloren nie ein Wort darüber, vor Furcht und die Anderen verabscheuten ihn bis aufs Mark und ließen ihn es spüren. Doch es gab keinen, der ihn bewegen konnte oder gar rühren könnte. Diese Nähe gestand er niemanden und so würde es wohl weiter bleiben.
Sein Blick glitt an den Menschen entlang, an den Parkanlagen. Der Herbst begann und die letzten Menschen genossen die Fröhlichkeiten der warmen Tage. Zwischen all diesem Schein von Glück, gab es etwas, außer der allgemeinen Situation der Gesellschaft, welches dieses Bild täuschte. Es war ein junges Mädchen, jenes hatte sich pöbelnder Weise an einen der Tische nieder gelassen und sich ein Eis genehmigt. Der stille Beobachte begrinste das Schauspiel, obgleich eine hochgezogene Augenbraue für erkennbare Skepsis sorgte. ‚Specki’ und seine Mutter waren gerade an ihm vorbei geschlichen, mit dem üblichen aufgeregten Getuschel und Geheul. Nun so war diese Welt geworden und dies war es, was Cian an ihr schätze. Dieser ganze widerwärtige Egoismus mit seiner unstillbaren Gier. Das war das Zeichen dieser Zeit und es zog sich durch die Gezeiten der Menschheit. Dafür war der Mensch bestimmt, seid je her. Es begann einst in der Bibel, mit Kain und Abel. Mit dem Bruder der sein eigen Fleisch und Blut niederstreckt wegen seiner Habgier und seinem Neid. So würde es zu diesen Stunden nicht enden.
Mit dem leichten Schmunzeln, welches sein Gesicht verräterisch freundlich gestaltete, begann er sich zielgerichtet auf dieses Mädchen zu bewegen.

„Höre höre, sie hat gesprochen!“

Cian schwenkte den Blick durch die herumsitzenden Menschen. Wie des Menschenbestimmung senkten sie gehorsam den Kopf und versuchten somit jeden weiteren Worten zu weichen. Ohne auf eine Reaktion zu warten, gesellte er sich auf den freien Stuhl. Cian stützte sich mit den Ellbogen auf dem Tisch ab, der zwischen den Beiden stand und legte seinen Kopf sanft in seine Hände. Der schelmische grüne Blick richtete sich abwartend auf sie. In seinem Kopf gab es dutzende Varianten ihres Verhaltens, doch die Lösung war ihm wahrscheinlich nicht nahe. So wartete er still schweigend und beobachte jede ihrer Regungen. Das erste Spiel des Tages hatte begonnen.

[wandert durch die Stadt, gesellt sich zu Merle]

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Heath

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BeitragThema: Re: Den Tod im Genick   Di Apr 19, 2011 12:49 pm

Sie war kaum zu überhören gewesen. Schließlich kannte Heath sein Appartement, in welchem er nun die Orange verschlang. Die Treppe rauf zu dem einen Raum, in dem er lebte war nur leicht beschädigt. Einige kleine Steine lagen noch darauf herum. Heath hätte sie weg räumen können, dachte aber nicht im Traum daran. Denn sie hatten den Vorteil, dass jeder Besucher sofort zu hören war. Manche waren auch wirklich Idioten. Eigentlich versteckte sich Heath dann nahe der Tür, den Dolch gezückt und wartend. Wenn die Fremden dann eintraten sprang er vor sie und sie flogen ihm hohen Bogen von der Treppe hinunter. Bisher war noch nichts schlimmes passiert. Heath hatte den Anstand gehabt das Gerümpel, welches, als er „eingezogen“ war am Ende der Treppe gestanden hatte weg zu räumen. Fiel jemand runter, so könnte er Höchstens – und da war die Wahrscheinlichkeit sehr gering – sich den Kopf an der Wand stoßen, welche allerdings um die zwei Meter von der Treppe entfernt war.

Nun, diesmal hatte Heath sich nicht auf den Besucher vorbereitet. Er hatte nur sein letztes Stück der Orange verschlungen, den Dolch an seiner Hose abgewischt und versucht, die klebrige Flüssigkeit seiner Mahlzeit aus dem Gesicht los zu werden, was mit seiner Hand nicht funktionierte, da diese voll war von dem klebrigen Zeug. Die Fremde stand bereits in der Tür, als Heath noch versuchte sich die Hände an der Hose abzuwischen. Als sie sprach blickte der junge Mann auf und staunte nicht schlecht. Da stand tatsächlich ein Gruftie oder Emo oder wie dich sich nannten vor ihm. Er musste lächeln. Hach, hatten die jungen Rebellen jetzt eine Art Uniform? Es war halt alles nicht mehr wie früher...

“Bist wohl noch nicht lange auf der Straße, was? Hast dich wohl aus den Zwängen deines Lebens bei deinen Eltern befreit und rennst jetzt als... schwarzes Etwas durch die Stadt?!“

Heath erwartete nicht, dass man ihm antwortete. Er spekulierte nur laut... und provozierte vielleicht ein bisschen. Das würde sich zeigen. Er hatte keine Lust ihr zu drohen. Sie war noch jung, hatte verrückte Klamotten an und schien noch nicht so recht zu wissen, wo hier der Hammer hängt. Wer zum Teufel lief in einer fremde Wohnung und fängt einfach so ein Gespräch an? Heath lächelte immer noch, als er zu dem Fass in seiner Wohnung ging. Er öffnete es und legte seine Hände so ineinander, dass sie eine Art Gefäß bildeten. So schöpfte er Wasser aus dem Fass und spritzte sich dieses ins Gesicht. Dabei wurde sein weißes Hemd – welches nicht mehr ganz so weiß war, wie vor einiger Zeit – und seine blonden Locken etwas nass. Das war aber egal. Heath wusch sich kurz die Hände und griff zu seinem Handtuch, welches an einem Hacken in der Wand gehangen hatte, um sich mit diesem das Gesicht und die Hände abzutrocknen. Dabei drehte er sich wieder zu der Fremden um. Nachdem er trocken war griff er zu seinem Dolch, welcher noch immer in der Scheide an seinem Gürtel steckte und wusch auch diesen. Man sollte niemals eine Klinge mit Säure bespritzten, ohne sie danach abzuwaschen. Sie könnte rosten und das wäre wirklich zu schade. Besonders, wo sie doch das Überleben sicherte. Heath strich sorgfältig über die Klinge, nachdem er auch diese von dem Wasser über das Handtuch befreit hatte. Er mochte seinen Dolch. Er war wie ein guter Freund, der jederzeit zur Stelle war, wenn man ihn brauchte. Heath ließ seinen metallenen Freund zurück in die für ihn vorgesehene Scheide gleiten, bückte sich und griff zu seinem Strohhut, um diesen wieder auf seinen Kopf zu platzieren. Während des ganzen Prozesses schwieg er und tat so, als gäbe es seine fremde Besucherin gar nicht. Wenn er fertig war konnte er sich noch genug mit ihr beschäftigen. Es galt nur noch den Deckel zurück aufs Fass zu hieven und dann hatte er alles erledigt.


[bei Liv | will Orangenflüssigkeit los werden | redet | wäscht sich und Dolch | setzt Strohhut auf]

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BeitragThema: Re: Den Tod im Genick   Di Apr 19, 2011 11:28 pm

Mit hochgezogener Augenbraue beobachtet sie den Fremden bei seinem kalt – Waschgang. Beinahe hätte sie wie ein trotziges Kind aufgestampft, sie unterdrückte den Drang jedoch und schnaubte nur unzufrieden.
Wieder so ein dummes Klischee, dass man seinen Unmut zum Ausdruck bringen musste, aber diesmal hatte Liv auch allen Grund dazu. Für wie alt hielt der Typ sie? Fünf? Sie hatte den Dolch registriert, wusste, dass er sie mit Leichtigkeit überwältigen konnte und ihr war genauso klar, dass sie immer noch am Treppenabsatz stand.
Aber sie ließ ihm erst mal seine Einfältigkeit und wandte den Blick ab, so als wäre sie absolut achtlos. Sie strich mit den Fingern über das morsche Holz und folgte den Maserungen mit den Augen.
Sie verzog die Lippen zu einem eigenartigen Grinsen, dass durch ein unterdrücktes, hartes auflachen ausgelöst wurde.
„Zwänge der Eltern“? Naja, er konnte ja nicht in die Vergangenheit sehen, um zu wissen, wie witzig seine Worte für Liv waren.

„Ich bin lange genug auf der Straße…“

Murmelte das Mädchen scheinbar geistesabwesend.
Zu gerne würde sie in den Kopf des Fremden blicken. Wäre sicher interessant zu erfahren, für was er sie hielt. Ihr kamen Bezeichnungen wie „Emo“ oder „Gothic“ in den Sinn und erneut zuckte es um ihre Lippen. Sie bezeichnete es anders und das sprach sie jetzt einfach aus.

„Schwarzes Etwas?“

Eine ihrer Augenbrauen schoss in die Höhe, bevor sie beide düster zusammenzog. Ihr Blick huschte wieder zu ihm, klärte sich und wechselte vom leeren, glasigen Ausdruck zu einer spöttischen Mimik. Sie ließ sich Zeit mit dem weitersprechen, beobachtet ihn wie er den Dolch abwusch, der im Morgenlicht Reflexionen an die Wand warf, die unstet zuckten, wenn der blonde Mann die Klinge bewegte.

„Ich würde eher sagen, ich passe mich den schwarzen Zeiten an“

Stellte Liv trocken fest. Ihre Stimme gab keine Gewissheit darüber, ob das jetzt ihr Ernst wahr, oder einfach nur ein müder Witz.

Während sie so dastand, bei einem Fremden, in einem Haus, das mehr Ruine war als Wohnstätte, begann sie sich langsam zu fragen, warum sie eigentlich hergekommen war. Eigentlich hatte sie ja vorgehabt, sich in irgendeiner öffentlichen Einrichtung eine Dusche zu gönnen.
Die Antwort war vermutlich, wie bei so vielen ihrer Gespräche einfach, dass sie langsam wahnsinnig wurde, weil sie die Einsamkeit nicht mehr aushielt. Liv konnte sich beinahe über sich selbst lustig machen. Mein Gott, die meisten Leute nervten sowieso bis zum geht nicht mehr. Warum also scherte sie sich darum, was sie taten und was sie über sie dachten?
Egal. Es war jetzt nicht die Zeit, darüber nachzudenken. Das tat sie so schon oft genug.
Noch einmal betrachtete sie das nach vorne geneigte Profil des Fremden, der sich dem Deckel des Fasses zugewandt hatte.
Konnte man eigentlich keinen Mittelweg zwischen den beiden Reaktionen, die es auf sie gab finden. Einerseits waren die Leute von ihr verängstigt und andererseits nahm man sie nicht für voll und belächelte sie. Das war doch nicht zum aushalten!
Konnte es nicht Leute geben, die vorurteilslos mit ihr sprachen. Nur weil sie es sich angewöhnt hatte, sich so zu kleiden hieß das nicht, dass sie jeden gleich in den Hals biss und ihm das Blut aussaugte.
Liv musste wohl damit leben, denn sie würde sich sicher nicht ändern, nur um den Leuten zu gefallen. Denn wenn die reichen schon so blöd waren und Angst vor einem Straßenmädchen hatten, anstatt vor der mordenden Regierung, dann lief bei denen im Hirn auch irgendwas schief, also konnte Liv auch getrost auf sie verzichten.
Allerdings die Sorte Menschen, die sie nicht ernst nahmen… denen würde sie vielleicht doch das ein oder andere mal (oder immer) ein Messer in die Brust rammen, einfach um zu beweisen, dass sie besser aufpassen sollten, wen sie verspotteten.
Aber bei dem Fremden schien das anders.

Livs Blick verlor sich wieder im Leeren. Sie war wirklich wahnsinnig. Denn es kam ihr so vor, als wolle sie einfach mit dem Fremden sprechen, ohne ihn anzugiften oder ihm ein Messer in die Brust zu rammen. Seltsam. Aber es war vermutlich nur eine eigenartige Laune, die auch verfliegen würde. Bis dahin behielt sie einfach einen kühlen Umgangston bei.


[bei Heath || spricht || beobachtet ihn || wundert sich über sich selbst]
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BeitragThema: Re: Den Tod im Genick   Fr Apr 22, 2011 6:33 pm

Wundervolles Eis vom Italiener. Man konnte sagen was man wollte, aber Specki und seine Mutter hatten Geschmack. Der Schwarzwälder Kirsch Eisbecher schmeckte fabelhaft und es kühlte die Zunge. Eine sanfte Brise in dem hungernden Magen. Ja das war es und würde hoffentlich nicht das letzte für diesen Tag sein. Was würde es wohl als nächstes geben? Pizza? Oder doch nur ein Sandwich aus dem Mülleimer? Nun, das konnte Merle nie wissen, drum verschmähte sie auch nie etwas. Jedoch verspeiste sie es nicht ohne Manieren. Sei es auch noch so ekelig, Merle würde nie etwas essbares sinnlos hinunter schlingen, wie ein räudiger Köter, der seit einer Woche nichts mehr bekommen hatte. Im Großen und Ganzen war es mehr Schein als Sein. Man gab vor, immer so etwas zwischen die Kiefer zu bekommen und so wäre es bloß schlecht für das Ansehen, wenn man es hinunter schlingte und somit zeigte, das man nicht oft etwas bekam. Oder sich leisten konnte. Doch nun Schluss mit diesen ernsten Dingen. Der Spaß fing für Merle erst an, als sich ein Mann, sagen wir Anfang Zwanzig, so sah er zumindestens aus, sich an „Ihren“ Tisch gesellte und ihr beim verzehr ihres erbeuteten Mahles zuschaute. Er war attraktiv. Das war keine Frage. Doch seine Optik und die Tatsache, wie er sich gab, ließen Merle stutzig werden. Mit einem Auge beobachtete sie ihn. Fixierte ihn und fing an seine Klamotten zu musterten. Diese jedoch gaben keine Auskunft über seinen Stammbaum, also musste oder konnte er bloß ein Mittelständiger sein. Aber was noch viel wichtiger als überhaupt war, und was Merle schlagartig bewusst wurde, was fiel diesem Kerl überhaupt ein, sich einfach so, ohne Bitten oder Vorankündigung, sich zu ihr zu gesellen. Wirklich mehr als ungehobelt und nicht gerade Vertrauenserweckend, falls er dieses jemals vorgehabt hätte. Schmierig aber doch anreizend schaute er sie an. Was hatte er vor? Wollte er ihr Eis? Das würde er nicht bekommen. Dafür würde die junge Frau alles für tun und auch wenn dies hieß, das sie wie ein Hund knurren musste. Er würde es NICHT bekommen. Meins, alles meins, war da die Devise. Egoistisch, ja das wusste sie, doch stand auch dazu und machte daraus kein Geheimnis.

„Falls du vor hast mir mein Eis zu klauen, kommst du zu spät. Erstens war ich zu erst da und zweitens ist es e gleich alle!“


Genüsslich und mit einer provokanten Armbewegung führte sie den letzten Löffel voller Schwarzwälder-Kirsch in ihrem Mund und betonte das darauf folgende „Mmmmh“ viel zu offensichtlich und laut. Da kam wohl wieder die Zicke dabei raus, aber egal. Es galt diesen Störenfried zu vertreiben oder wenigstens heraus zu finden, was er in schilde führte. Langsam aber sicher wurde im sein Lächeln zu aufdringlich und nervte sie. Doch Kleinbei wollte sie auch nicht geben. Immerhin war sie zuerst hier gewesen und er hatte sich einfach so zu ihr gesellt. Da war es nut fair, wenn ER auch zu erst ging.


[cian, wird stutzig, isst eis auf redet]

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Heath

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BeitragThema: Re: Den Tod im Genick   So Apr 24, 2011 12:31 am

Heath bückte sich, hob den Deckel des Fasses mit beiden Händen hoch und platzierte ihn auf seiner alten Stelle. Die Fremde hatte währenddessen unbeirrt weiter geredet. Darüber musste Heath schmunzeln. Hach, es war schon fies zu sein. Wenn auch nur ein wenig. Er drehte sich um, rückte kurz seinen Hut zurecht und lehnte sich dann lässig, mit verschränkten Armen vor der Brust an die Wand, von der bereits der Putz gänzlich abgebröckelt war. Nein, es war keine schöne Bleibe, die Heath da sein „zu Hause“ nannte, aber man konnte darin leben, es verirrten sich eher selten Leute hierher und außerdem gab es im Erdgeschoss einen Kühlschrank, der zwar nicht funktionierte, aber die Hoffnung stirbt zuletzt! Heath lachte leise. Die Fremde war keine schlechte Gesellschaft, das musste man ihr lassen.

“Ja, vielleicht sollten sich mehr der Zeit anpassen. Ich glaube, dann wäre es nur noch düster hier. Gar nicht mal so schlecht, nicht?“

Heath lächelte und spielte dabei mit dem Griff seines Dolches rum, welcher immer noch sicher an seinem Gürtel verwahrt wahr. Wann hatte er das letzte mal mit jemanden geredet, ohne böse Absichten? Na, zumindest war er noch nicht so vereinsamt, dass er seinen metallenen Freund einer Person aus Fleisch und Blut vorzog. Außerdem war Heath doch für sein tristes Dasein selbst verantwortlich. Er war ein Schauspieler. Seine Leidenschaft galt dieser Kunst, doch in letzter Zeit widmete er sich dieser viel zu selten. Wo waren seine freundlichen, netten Rollen geblieben? Scheinbar passte auch er sich der düsteren Zeit an. Heath überlegte nur kurz, um zu dem Schluss zu kommen: Er spielte die ganze Zeit. Er hüllte sich in die Dunkelheit, als wäre sie eine Decke. Doch diese Decke hatte Löcher. Löcher, die nur von der Natur entdeckt wurden. Im Wald, nur in diesem Umfeld war Heath der schweigsame, zurückhaltende Typ. Da war er auch freundlich und nett. Da war er er selbst. In der Stadt konnte man sich auch einfach nur verändern.

Heath stieß sich mit einem Fuß von der Wand ab und ging auf die Fremde zu. Er hatte den Dolch aus der Scheide gezogen und warf diesen von einer zur anderen Hand. Die Kling blitze im Zwielicht, welches sich im Raum ausgebreitet hatte. Noch ein Grund, warum er diese Wohnung mochte: Sie war niemals lichtdurchflutet. Hier konnte man sich noch in die Nacht hüllen. Das war gut. Da fiel man nicht auf. Außerdem machte es die Bruchbude um so unansehnlicher für Eindringlinge. Bisher hatte Heath noch keine Probleme mit diesem Abschaum gehabt. Der junge Mann hielt inne. Der Dolch lag locker in seiner rechten Hand. Heath betrachtete die Klinge, dachte daran, wie viel sein metallener Freund schon für ihn getan hat. Blut hatte er bereits gekostet, aber töten durfte er bisher noch nicht. Heath stellte fest, dass er zu oft mit seinem Dolch herum hantierte und nahm sich vor sich diese Angewohnheit abzugewöhnen.

“Nun, wo du schon in meiner Wohnung bist und mich zu eine Gespräch aufforderst: Was möchtest du denn gerne wissen? Ich habe nichts vor. Ich habe gegessen, bei mir ist es... na ja, sagen wir, ich bin sauber... von meiner Bleibe kann man das ja nicht sagen und... tja...“

Heath wusste nicht, was er noch sagen sollte, doch er wirkte nicht so, als wäre ihm das peinlich. Er lächelte sein schiefes Lächeln und tippte sich nachdenklich mit der Klingespitze seines Dolches auf die Unterlippe. Irgendwie verspürte er die Lust zu reden. Wo die Kleine doch schon mal da war... diese Chance könnte man nutzen. Wie hatte man früher immer gesagt? „Unter die Leute kommen“. Ob die Eltern der heutigen Zeit das immer noch sagten? Die Reichen vielleicht? Deren Kinder den ganzen Tag nichts besseres zu tun hatten als vor ihren doofen Flimmerkisten zu sitzen? Vermutlich... Die Kinder der Armen bangten um ihr Leben, währen die der oberen Schicht sich einen Spaß daraus machten sich gegenseitig mit Essen zu bewerfen. „Früher war alles besser“, den Satz hörte man ab und auf der Straße, doch das war nicht war. Früher, da gab es Krieg. Der hatte aufgehört und seien wir mal ehrlich: Die Innenstadt war der Hammer, dass konnte man nun wirklich nicht leugnen! Heath überlegte, dass er früher ein Rebell war. Die gab es ja immer noch. Das Mädchen da vor ihm könnte zu ihnen gehören. Sie taten ja wirklich alles, um zu gewinnen und Heath verspürte den Drang mit ihnen zu ziehen, doch das durfte er nicht. Er befürchtete gefoltert zu werden. Keine schönen Aussichten. „Früher war alles besser“. Doch, dieser Satz war teilweise wahr. Früher, vor vielen, vielen Jahren, als es Heath und dieses Mädchen da und die alten Greise noch nicht gab. Als alle zu der Schicht der heutigen Reichen gehörten. Ja, da konnte es mal besser gewesen sein.


[bei Liv in seiner Wohnung | redet und lacht | spielt mit Dolch und geht auf Liv zu | redet und denkt]

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BeitragThema: Re: Den Tod im Genick   So Apr 24, 2011 4:30 am

.oO(Steh schon auf, Schlafmütze!)Oo.

So langsam entwickelte er erste Anzeichen für eine ausgeprägte Schizophrenie. Kjetil hatte fast Lust, seinem eigenen Gedanken zu antworten, verwarf die Idee dann aber wieder. Sonst spielte er am Ende noch irgendwie gegen sich selbst und das wäre selbst ihm zu verwirrend. Mit einem Gähnen streckte sich Kjetil und krabbelte aus der umgefallenen, leeren Mülltonne. Er schob die plattgedrückten Wände eines zerlegten Kartons, die ihm als Kopfkissen gedient hatten, mit dem Fuß zur Seite und fuhr sich durch die Haare. Dann legte er den Kopf in den Nacken und versuchte abzuschätzen, wie spät es war.

Der Himmel war von dünnen Wolken verhangen, doch blinzelte die Sonne auf die verwahrloste, graue Stadt hinab und strich mit warmen Strahlen über Kjetils Gesicht. Er unterdrückte ein erneutes Gähnen und kam zu dem Schluss, dass es bald einmal Mittag sein musste - dem Knurren seines Magens nach zu urteilen. Der noch etwas verschlafene Blick huschte umher. Niemand war zu sehen, sah man von einer streunenden Katze ab, die in einer Mülltonne zwei Meter von ihm entfernt wühlte und ab und zu einen kurzen Blick aus glühenden Augen zu ihm warf, als hätte sie Angst, er könne ihr die Abfälle streitig machen. Mit einem vergnügten Grinsen zwinkerte Kjetil ihr zu.

„Keine Angst, Schwester Samtpfote, ich werde doch nicht diejenige beklauen, die mir gezeigt hat, wie gemütlich Mülltonnen sind! Ganz davon abgesehen, dass ich mir nicht wirklich etwas aus Fischresten mache.“

Nicht schizophren, aber sogar für ihn leicht seltsam - mit einer Katze zu reden. Na ja. Was sollte man von jemandem erwarten, der es sich von Katzen abgeschaut hatte, in Abfalltonnen zu schlafen - und es auch noch als angenehm empfand? Ein leichter Windstoß zauste Kjetils dunkle Haare und vertrieb die letzte Müdigkeit aus seinem Blick. Er war kein Langschläfer in dem Sinn, dass er viel schlief. Er stand nur spät auf, weil er sich noch später hinlegte. Trotzdem, wahrscheinlich kam er zu mehr Ruhe als die meisten anderen auf der Straße. Die Angst lässt einen nicht gut schlafen. Dieses Problem hatte Kjetil seltsamerweise nicht. Er hatte es eben nicht in der Hand, wann sein Spiel vorbei sein würde. Das konnte in ein paar Jahren sein oder schon nächste Nacht, weil irgendein Penner es als witzig empfand, ihm im Schlaf die Kehle durchzuschneiden. Damit hatte er sich längst abgefunden. Solange er konnte, lebte er sein Leben und spielte sein Spiel. Und genoss es.

Kjetil schlenderte an der Mülltonne mit der Katze vorbei und strich ihr im Vorbeigehen beiläufig durchs Fell. Ein empörtes Fauchen und vier blutige Kratzer, die sich über seinen Finger zogen, waren die Antwort, die er erhielt. Ein Grinsen huschte über Kjetils Gesicht, während er den Kopf schüttelte. Seltsam, wie die Katze das ganze Wesen dieser Stadt - zumindest dieses Stadtteils - widerspiegelte: Misstrauisch und ängstlich, hinter jeden nett gemeinten Geste das Schlimmste vermutend. Kjetil steckte sich die blutenden Finger in den Mund, während er weiter an der Wand eines halb verfallenen Hauses entlang schlurfte. Jetzt brauchte er erst einmal was in den Magen - etwas anderes als sein eigenes Blut.



[wacht auf | „Konversation“ mit Katze - kassiert Kratzer auf der Hand | auf der Suche nach was zu Futtern]
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BeitragThema: Re: Den Tod im Genick   So Apr 24, 2011 3:23 pm

Warum zur Hölle mussten alle Kerle, die auf der Straße lebten mit Dolchen herumspielen? Das war doch sowas von unnütz und wiedermal ein dummes Klischee. Vor allem bei Liv brachte der Fremde den Macho nicht raushängen zu lassen, es schüchterte sie weder ein, noch beeindruckte es sie, noch würde sie es dazu bewegen zu verschwinden.
Mein Gott, langsam kam sie sich wirklich vor wie in einem dieser alten schwarz weiß Filme. Die Frage war nur, wer war hier der böse?
Nun Liv war nicht die mit dem Dolch, aber trotzdem war sie es, die die Standardausführung eines gelangweilten Gangsterblickes draufhatte, der von reiner Kälte durchzogen war. Nachdenklich blickte sie an sich hinunter, und musterte dann den Fremden. Mit Strohhut und Grinsen, im schmutzigen weißen Hemd und ausgewaschener Jeans wirkte er nicht wie jemand der ohne mit der Wimper zu zucken Kehlen aufschlitzte. Aber war das nicht die Absicht eines jeden Mörders, Psychopathen, Auftragskillers oder Sadisten?
Geistesabwesend verzog sie die Lippen zur Seite und zog die Nase leicht kraus. Liv rief sich ein Bild ihrer Selbst ins Gedächtnis, dass sie neulich in der Spiegelung eines halb zerschmetterten Fensters betrachtet hatte.
Jemand wie sie wirkte wie der Böse in irgendeiner Geschichte, irgendeinem Film. Nämlich in einem Horrorfilm oder einem Buch von Stefan King. Aber sie wusste es selbst besser. Sie hatte noch nie jemanden wirklich verletzt, mit Taten zumindest nicht, und das würde sie auch nie tun. Trotzdem war sie sicher nicht die Gute.
Livs Mundwinkel zuckte kurz nach oben, als sie daran dachte, dass sie beide – sie und der Fremde – vielleicht auf derselben Seite stehen könnten.
Langsam klärte sich ihr trüber blick wieder auf und ihre Gedanken kehrten ins hier und jetzt zurück. Sie richtete die Augen auf den blonden Mann und dachte einen Moment über seine Worte nach.

Was wollte sie denn wissen? Was konnte der Fremde ihr sagen, dass sie noch nicht wusste?
Liv beobachtete wie der behutete Mann sich mit dem Dolch an die Lippe tippte.
Sie wusste ja nicht einmal, wieso sie überhaupt hierhergekommen war und da sollte sie eine Auskunft darüber geben, was sie wissen wollte? Sie war ja eigentlich nicht besonders gesprächig.
Scheinbar gedankenverloren ließ sie den Fuß hin und her schwingen, sodass er immer wieder mit einem dumpfen Pochen gegen das Holz des Türstockes schlug.

Heath hatte gesagt, er hatte bereits gegessen, war schön für ihn, aber das musste er nicht erwähnen, denn jetzt wurde Liv bewusst, dass ihr Magen leerer war als leer. Leerer als ihr verlorener Blick. Vermutlich würde er sowieso bald beginnen sich selbst zu verdauen, so wie er jetzt in diesem Moment zu grummeln begann. Liv biss sich auf die Lippe und versuchte sich schnell von dem Gedanken an eine Mahlzeit loszueisen indem sie zu sprechen begann.

„Nun wisse so gesagt will ich gar nichts. Ich bin nicht mit der Absicht hergekommen, dich auszuhorchen, oder ähnliches. Eigentlich weiß ich nicht genau, mit welcher Absicht ich hergekommen bin“

Sie zuckte mit den Schultern, um die Gleichgültigkeit zu unterstreichen die in ihrer Stimme an manchen Stellen Lücken hatte, hinter denen leichte Mutlosigkeit durchklang.
Sie hatte eben doch das Herz eines Kindes.
Liv fiel etwas ein, das sie zum Schmunzeln brachte. Stefan King hatte auch einmal in einem Interview auf die Frage, warum er so etwas grässliches Schreibe damit geantwortet, dass er das Herz eines kleinen Jungen hätte.
Er hatte innegehalten und dann gelacht. „Es steht in einem Einmachglas auf meinem Schreibtisch“ hatte er angefügt.

„Aber wenn ich schon irgendwas fragen darf, dann wäre vielleicht als erstes eine Erkundigung nach deinem Namen angebracht“

Ein leichtes Zucken, dass diesmal weder spöttisch, noch herablassend noch in irgendeiner anderen Weise negativ war, erschien um Livs Mundwinkel. Mit diesem nett gemeinten Lächeln, dass bei ihr beinahe verstörend war, tippte sie sich auf die Brust und stellte sich knapp vor:

„Mich ruft man Liv“

Mit einem Ruck stieß sie sich nun endlich aus dem Türstock und trat in den verwitterten Raum, ihr Blick huschte umher, ohne die Augen länger als ein paar Herzschläge von dem gelockten Mann zu lassen.
Es musste irgendwie verloren wirken, dass sie so klein mitten im Raum stand, also ließ sie sich einfach auf die mottenzerfressene Matratzen sinken. Es war lange her, seit sie auf der Schaumstoffeinlage eines Bettes gesessen hatte. Selbst wenn das Ding zerlöchert war, kaputt und schäbig, sie war verdammt bequem, wie eine weiche Wolke.
Liv schien sich ein wenig zu entspannen.


[denkt || redet || stellt sich vor || setzt sich]
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BeitragThema: Re: Den Tod im Genick   Mi Apr 27, 2011 12:01 pm

Interessiert beobachtete Heath die Fremde. Ihr Blick hatte etwas nachdenkliches in sich. Sie betrachtete erst sich und dann den jungen Mann. Was sie wohl hatte? Sie war definitiv NICHT eine dieser komischen blonden Großstadtmädchen, mit ihrem gekünstelten Lachen und den vielen Markenklamotten, die andauernd ihre Umwelt prüfen mussten, ob sie denn noch immer das angesagteste Modepüppchen waren oder nicht. Die Fremde schien an etwas anderes interessiert zu sein. Heath zwang sich dazu seinen Dolch zurück zu stecken. Er kam sich immer recht doof vor, wenn er nichts in der Hand hielt, weil er einfach nicht wusste, wohin seine Hände sollten. Schließlich war er die Marionette. Der Regisseur sagt, was man tun soll und man tut es. Heath steckte seine Hände in die Hosentaschen und verspürte den Drang sich wieder gegen die Wand zu lehnen. Er stand nicht gerne mitten im Raum. Sein Appartement hatte zwar nur ein winziges Fenster, doch wer wusste schon, welche ausgemergelten Seelen sich hier herum trieben. Die Fremde könnte eine Spionin sein oder ablenken wollen und schwupp, schon hatte Heath ein Messer im Rücken. Die Schmerzen wären grauenhaft und das Schlimmste war ja immer noch, dass er nicht sterben würde.

Die Fremde begann damit mit dem Fuß gegen den Türrahmen zu schlagen. Der hielt so etwas locker aus. Heath begann seine kleine Geschichte weiter zu spinnen. Vielleicht war das Klopfen ein Zeichen? Wenn jetzt jemand kam, Heath würde sich nicht wundern. Er wollte über seinen eigenen Gedanken lächeln, doch die Angst packte ihn. Unsicher blickte er sich zu seinem kleinen Fenster um. Bisher kam niemand. Heath hatte immer angenommen, er käme mit seiner Situation klar. Schließlich lebte er schon um die zwanzig Jahre. Allerdings war er von dieser Zeitspanne gerade mal dreizehn Jahre lang ein Rebell, ein Wissender gewesen. Somit musste er dreizehn Jahre lang damit klar kommen, dass man ihn jederzeit ermorden konnte. Gut, ermorden war nicht das richtige Wort. Schließlich konnte Heath nach seines Wissens nach nicht sterben, aber einer Folter unterzogen zu werden machte die Aussichten nicht besser.

Endlich besann sich die Fremde und begann zu sprechen. Das erleichterte so einiges. Zum Beispiel wurden so die fiesen Gedanken aus Heath’ Kopf verband und er konnte sich ein anderes Mal um seine schlechten Aussichten kümmern. Er hatte ja schließlich lange genug Zeit gehabt. Die Fremde erklärte knapp, sie wäre nicht gekommen, um Neues zu lernen oder jemanden auszuhorchen. Heath rieb sich das Kinn. War es für Spione normal, dass sie sich nicht als solche ausgaben? Das Mädchen fragte nach seinem Namen und ein Lächeln erschien auf ihren Lippen, dass irgendwie komisch wirkte. Es passte nicht zu ihrer äußeren Erscheinung. Dann doch lieber das kalte Blick. Sie tippte sich auf die Brust, was kindisch in Heath’ Augen wirkte und stellte sich als Liv vor. Heath beobachtete, wie seine kleine Besucherin in den Raum trat, sich etwas umsah, dabei jedoch nie lange den Blick von ihm abließ und sich schließlich auf die Matratze seines Bettest zu setzten, welches eher an irgendein komisch Holzgestellt erinnerte. In diesen schlechten Zeiten musste man sich mit allem zufrieden geben! Außerdem war die Wohnung des jungen Mannes schöner, als so mach andere Bleibe. Heath drehte sich – wieder beide Hände in den Taschen – zu Liv um. Irgendwie war sie ganz niedlich. So klein, rebellisch und doch so unschuldig. Ein naives kleines Ding eben. Ob sie wohl wusste, dass man nicht ungeladen auf fremden Matratzen herum lungerte? Heath machte das nichts aus. Ein wenig Gesellschaft tat gut. Er ging zu seinem Klappergestellt von Stuhl, packte ihn an der Lehne und drehte ihn um, sodass er mit dem Rücken zu Liv zeigte. Dann setzte sich Heath auf den Stuhl, wobei die Lehne nicht seinen Rücken stützte, sondern an seiner Brust lag.

Der Blond lehnte sich soweit vor, wie möglich, ohne dabei die Holzbeine vom Boden abheben zu lassen. Er lächelte nicht mehr. Man möge meinen, er wäre ein netter Kerl, mit seinem schiefen Grinsen und wie er immer mit seinem Dolch herum hantierte, aber das war nicht wirklich wahr. Er strich sich eine Strähne aus dem Gesicht und sagte mit seiner netten Stimme, in der jedoch ein warnender Unterton mitschwang:

“Mich nennt man Heath. Du scheinst keine bösen Absichten zu haben. Es führte dich nichts hier her... ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung was ich mit dir machen soll.“

Heath verschränkte die Arme vor der Brust und legte diese auf die Lehne seiner Sitzgelegenheit. Er wollte unbedingt fragen, ob sie zu den Rebellen gehörte. Er wollte die Wahrheit wissen, traute sich aber einfach nicht. Vermutlich hatte sich keine Ahnung von den Gruppen. Man konnte ja nie genau wissen, wer hier sorglos durch die Gegen lief und wer um sein Leben fürchten musste. Wenn Liv keine Ahnung hatte, dann sollte das so bleiben. Heath hatte nicht vor naive, unschuldige und rebellische Kindchen in den Tod zu schicken. Das schafften sie schon selber ganz prima.


[bei Liv | hört zu, denkt und guckt | holt sich Stuhl | setzt sich verkehrt herum darauf | redet | will etwas fragen]

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BeitragThema: Re: Den Tod im Genick   Mi Apr 27, 2011 10:32 pm

Beinahe hätte Liv sich zurücklehnen und einfach die Augen schließen können. Wäre da nicht so ein gewisser blond gelockter Kerl mit Strohhut gewesen, der so gerne mit einem Dolch herumhantierte. Sie wusste ja immer noch nicht, ob der Fremde auch mit Klingen in der Nähe von schlanken, blassen Hälsen spielte, um hübsche rote Springbrunnen zu sehen. War ja sicher auch ein netter Anblick, so viel tiefe Farbe in diesem tristen Grau. Und wer wusste schon, ob sie es nicht mit einem Psychopathen zu tun hatte? Sie auf jeden Fall nicht und mehr Leute als sie und er waren nun mal nicht hier. Also musste sie wohl warten, bis er sich irgendwie outete, denn sie konnte ja schlecht fragen „Hast du irgendeine cholerische Störung, oder eine kaputte Psyche? Denn es würde mich interessieren, ob du vorhast mir bei nächster Gelegenheit die Kehle durchzuschneiden.“
Auf jeden Fall schien er misstrauisch, ja auch ein wenig nervös. Und vor allem merkte man ihm dann, dass er sie für klein und unerfahren hielt. Grr. Hoffentlich hatte er nicht vor sie in näherer Zukunft mit irgendwelchen nett gemeinten Kosenamen zu betiteln, denn ansonsten würde sie wohl ihre erste Vorstrafe im Punkto Mord bekommen.

Auch der Fremde ließ sich mit seiner Antwort Zeit. Er nahm sich einen Stuhl setzte sich lässig darauf, lehnte sich zu ihr vor. Und wieder schien das ganze Szenario zu einer Szene aus einem alten schwarz weiß Film zu verschwimmen. Ein Verhör. Also war Liv die Böse. Nun gut man konnte sich jetzt eine so verschlungene Geschichte von Entführungen, Folter und Vernehmungen ausdenken, dass es doch wieder umgekehrt war, oder wieder damit endete, dass sie eigentlich auf derselben Seite standen. Aber sie hatte jetzt keine Lust sich Lagerfeuer - Gruselgeschichten auszudenken. Also konzentrierte sie sich jetzt lieber auf die gegenwärtige Situation, denn es wurde etwas gesagt, dass ihr gar nicht passte.
Gut sein Name war ihr im Grunde gleichgültig – Heath also. Das er wusste, dass sie keine bösen Absichten hatte war schön und gut und auch, dass er gecheckt hatte, dass sie im Grunde nichts hierher führte. Aber dieses „ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung was ich mit dir machen soll“ hätte Liv beinahe dazu gebracht ihn anzufunkeln.
Doch sie ließ sich nicht von den menschlichen Dummheiten hinreißen, die man tat, wenn man Ärger verspürte. Einfach cool bleiben, vielleicht fragend die Augenbraue heben.
Oder nein besser, beide zusammenziehen.
So bildeten Livs dunkle Augenbrauen ein unheilvolles V zwischen ihren Augen, als würden zwei Blitze einschlagen.
Was er mit ihr machen würde, ja? Sie war kein Gebrauchsgegenstand mit dem man irgendetwas [k]machen[/k] konnte. Sie war ein Mensch – auch wenn manchmal ein wenig seltsam, war sie dennoch nicht anders zu behandeln als alle anderen.
Nun, für jeden gewöhnlichen Menschen wäre es kein so großes Drama gewesen. Dieser Satz. Aber Liv war schon als Gegenstand gebraucht worden. Als Ding, das den Abwasch machte, Abstaubte, die Betten neu bezog und den Garten sauber hielt.
Liv biss die Zähne aufeinander und eine grimmige Beschimpfung, kam über ihre Lippen, bevor die Worte wie der Springbrunnen aus Blut, den sie sich vorher vorgestellt hatte, aus ihr sprudelten. Beides kam aus ihrer Kehle. Der Unterschied war, dass Blut machte eine riesen Schweinerei die Worte zerschnitten lediglich mit einer harten Schärfe die Stille. Markanter war aber eindeutig letzteres.

Du solltest deine Worte vielleicht besser abwägen. Denn „machen“ würdest du mit mir sowieso nichts, ich bin nämlich kein lebloses Ding, mit dem du rumhantieren kannst. Du sprichst nicht mit deinem Freund dem Dolch.

Livs Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen, während die letzte Spur des trüben Schleiers verschwand, sodass sie den intensiven Blick in seinen bohren konnte.
Sollte er ruhig cool seine Arme verschränken, wenn er so weiter machte, war eindeutig sie die böse.

Einige Augenblicke lang starrte Liv noch, dann schlich sich die Leere wieder in das Rehbraun ihrer Iris und sie schien nur noch durch ihn hindurch zu starren, wie durch einen transparenten Vorhang. Sie wirkte manchmal tatsächlich erschreckend tot, wie eine dieser gruseligen Wachspuppen, die im Madame Tussauts herumstanden. Ob es diese Attraktionen überhaupt noch gab, oder ob sie in Schutt und Asche lagen? Nun, egal. Liv musste sich jetzt auf den Fremden konzentrieren, denn sie hatte ihn gerade angefahren und er hatte einen Dolch.


[denkt || beobachtet Heath || Ärgert sich || zischt Heath an]

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BeitragThema: Re: Den Tod im Genick   Do Apr 28, 2011 5:49 pm

Noch immer leicht übergebeugt musterte Heath Liv. Niedliches Ding. Er fragte sich ständig, wo sie wohl wohnte, was sie auf die Straße verschlagen hatte und warum zum Teufel sie diese schwarzen, provozierenden Klamotten trug. Er konnte sich einfach nicht vorstellen, dass sie sich der Zeit anpassen wollte. Das war eine nette Antwort, aber nicht die Wahrheit. Wollte sie Erfahrungen in punkto Erwachsenen erhalten? Wollte sie sehen, wie man auf sie reagierte? Wollte sie Aufmerksamkeit oder doch lieber in den Schatten verschwinden. Gesprächig schien sie nicht gerade zu sein, was die Situation nur verschlechterte, bedenkt man, dass auch Heath nicht gerade der Typ war, der für Worte sorgen wollte. Abgesehen davon hatte er schon lange kein intensives Gespräch mehr geführt. Heath kam der Gedanke, ob Liv von ihren Eltern „Rotzgöre“ genannt wurde. Er konnte sich das irgendwie vorstellen. Solche Schnösel-Eltern, die keine Ahnung vom Fluchen und von Beschimpfungen hatten und deren Tochter plötzlich auf die „Dunkle Seite der Macht“ gezogen wurde. Wie in Starwars. Ok, gut, Anakin Skywalker hatte keinen Vater - soweit Heath sich erinnern konnte - der noch lebte, aber eine ihn liebende Mutter. Letztere hätte wohl nie gedacht, dass ihr Sohn je der Anführer der Dunklen wurde. Schließlich mochten ihn alle. War es bei Liv auch so? Mochten sie auch alle, bis plötzlich etwas geschah, dass ihre kleine Welt erschütterte und sie von ihrem Pfad ablenkte? Waren vielleicht die Rebellen im Spiel? Hatte man sie verführt? Hatte sie eine Praline gegessen, die man nicht essen sollte? Wie Adam und Eva plus Schlange? Heath merkte, dass er soeben auch von einem Pfad abkam. Gedanklich. Deswegen setzte er sich gerade auf und ließ seinen Blick von Liv - welche er soeben wohl ziemlich dämlich angestarrt hatte – zu der Lehne des Stuhls gleiten. Da seine Besucherin noch nicht die Anstalten machte etwas zu sagen kratzte Heath ein Stück Holz von der Lehne ab und zerdrückte es zwischen seinen Finger.

Plötzlich durchbrach eine Stimme die Stille und die Luft füllte sich mit ihr. Heath sah auf. Wie schnell sich Menschen doch verändern konnten. Aus der geheimnisumwobenen, eher zurückhaltenden Liv wurde ein fieses Mädchen. Heath war überrascht, fühlte sich leicht angegriffen, hätte aber am liebsten laut aufgelacht. Sie hatte ihn also enttarnt: Der Dolch war sein Freund und das hatte sie begriffen. Schlaues Mädchen. Aber warum denn gleich so austicken? Etwas interessantes fiel Heath auf. Ihre Augen schienen anders zu sein. Ein schönes rehbraun, während es vorher irgendwie matt wirkte. Hatte sie Drogen genommen? Heath blieb still, als Liv sich wieder eingekriegt hatte. Ein unsichtbarer Schleier schien sich erneut über ihre Augen zu legen. Wie sie wohl die Welt sah? Matt, trostlos und ohne Farben? Heath blickte auf den Boden. Sollte er den Schauspieler raushängen lassen? Er schwieg weiterhin. Die Luft schien sich aufzuladen. Wenn er ihr jetzt einen knappen Blick zu warf, dann war alles vorbei. Sollte sie sich schön in Mitleid suhlen oder war sie nicht so ein Typ? Langsam hob Heath den Kopf. Er hatte die Kunst der Schauspielerei lange ausgeübt und im Laufe der Jahre immer noch nicht perfektioniert. Seine Augen waren glasig, als würde er gleich weinen, sein Blick traurig, seine Züge wirkten verzweifelt.

“Nein, da hast du recht.“

sagte eine tiefe, monotone und kalte Stimme. Heath hielt diese vielleicht leicht verwirrende Fassade aufrecht, bevor sich ein Lächeln auf seine Lippen stahl und seine Augen sich wieder aufklärten. Ein Kichern entfuhr ihm. Hach, es war herrlich. Bevor er anfing sie auszulachen griff er mit der Hand nach seinem Hut und legte diesen an seine Brust, wie es einst trauernde Taten oder vermutlich immer noch tun, hatten sie denn einen Hut.

“Nun, My lady, ich habe Sie nie als ein Objekt angesehen, welches man “benutzen” kann. Es tut mir leid, wenn ich Sie mit meiner Äußerung gekrängt habe. Das war nie meine Absicht, doch auch Ihnen scheint klar zu sein, dass dieses Gespräch im Grunde nirgendwo hinführt. Ich möchte nur diese etwas... nun, sagen wir heikle Situation etwas auffrischen, doch scheint es mir nicht angebracht Ihnen Fragen zu stellen, wo ich Sie doch nicht eingeladen habe. Außerdem möchte ich Ihnen nicht zu nahe kommen. Deswegen diese Äußerung. Wenn Sie mich nun entschuldigen würden, ich möchte gerne einen kleinen Spaziergang tätigen. Es ist Herbst. Ich muss noch nach den Apfelbäumen im Park sehen, ob diese denn bereits Früchte tragen oder ihre Schätze mir noch immer ungenießbar machen. Wissen Sie, ich muss mir einen Vorrat für den Winter anschaffen. Wie Sie bereits festgestellt haben bin ich ein Dieb, der von den Reichen stehlt, wie einst Robin Hood, wenn auch nur zu Gunsten meiner Wenigkeit. Trotzdem muss auch ich ab und an etwas anständiges tun und im Winter ist mir das nicht vergönnt. Auch stehle ich dort nur ungern, bedenkt man, dass man leicht ausrutschen kann. Es gäbe nur die Möglichkeit Leichen zu obduzieren und so etwas zu klauen, doch das ist nun wirklich nicht meine Art. Wenn Sie wünschen, so können Sie weiterhin in meiner Wohnung Schutz suchen. Ich werde Sie nun verlassen. Einen schönen Tag wünsche ich.“

Heath war während seiner Rede aufgestanden, hatte den Stuhl an seinen alten Platz gestellt und den Hut wieder aufgesetzt. Zuletzt fand er sich im Türrahmen wieder, lächelte noch nett und nickte Liv als Abschied zu. Dann drehte er sich um und ging. So viel hatte er in den letzten zehn Jahren wohl nicht gesprochen und schon gar nicht zu einem Mädchen, dass nicht mal annähernd in seinem Alter war.


[bei Liv | beobachtet sie und denkt | senkt Kopf und tut auf traurig | blickt auf | redet | lächelt/kichert | redet | geht]

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BeitragThema: Re: Den Tod im Genick   Do Apr 28, 2011 9:48 pm

Er starrte sie an. Liv fühlte sich unbehaglich und begann auf der Matratze hin und her zu rutschten. Die eingerosteten Federn begannen leise zu quietschen und erst da bemerkte Liv, dass sie sich bewegt hatte. Es war ein reiner Reflex auf den seltsamen Blick, der auf ihr ruhte. Einer jener Reflexe über die Liv im Nachhinein immer spottete, aber dafür hatte sie jetzt keinen Gedanken. Er zupfte an dem Holz herum, das von der Lehne des Stuhles abblätterte. Er zerdrückte es einfach so zwischen den Fingern, als wäre es… keine Ahnung, was zerdrückte man denn einfach so zwischen den Fingern? Auf jeden Fall KEIN Holz.
Das Unbehagen breitete sich weiter in Liv aus. Sie hätte sich wirklich nicht mit ihm anlegen sollen, denn die Reaktion die nach ihren Worten über seine Züge tanzte, bestand aus gemischten Gefühlen, die aber alle nicht wirklich gut waren. Außerdem war immer noch er der mit dem Dolch und er hatte ein verdammtes Holzstück zwischen zwei Fingern eingestampft. Äußerlich ließ das Mädchen sich nichts anmerken, das tat sie selten und der leichte Nervositätsausbruch war genug gewesen. Also einfach ruhig bleiben und hören, was Heath zu sagen hat.

Liv legte den Kopf leicht schief. Heaths Reaktion war ja wirklich rührend nur leider völlig überzogen. Gute Lügen waren auf Bescheidenheit aufgebaut, und nicht auf großen Dramen. Sie hatte das Ende der Trauerszene schon erahnen können, bevor er die tiefen, monoton klingenden Worte über die Lippen gebracht hatte. Noch einen Moment blieben seine Augen von Tränen erfüllt, seine Lippen nach unten verzogen, als würden sie gleich unter Schluchzern zu beben beginnen. Niedlich. Niedlich.
Liv hätte beinahe den Kopf geschüttelt und ihrerseits zu lachen begonnen, aber der gelockte Mann kam ihr zu vor. Zuerst zog er die Lippen nach oben und das Lächeln wurde immer breiter. Schließlich kicherte er. Sie war bei Gott noch keinem Kerl begegnet der KICHERTE! Das Lachen wäre beinahe ansteckend gewesen, hätte irgendwo dumpf in Livs Kopf nicht etwas gesagt, dass er sie auslachte. Sie biss die Zähne zusammen.
Zuerst war er noch ganz sympathisch gewesen, aber jetzt schien er immer unausstehlicher zu werden. Je länger Mann mit einem Menschen sprach, desto mehr schlechte Seiten lernte man kennen, aber die guten blieben leider meist aus, denn die zeigt man ja beim kennenlernen. Wenn man zum Beispiel höflich fragt, wie es jemandem geht. Obwohl das im Grunde niemanden interessiert. Wenn man fragt „Wie geht es dir?“ will man als Antwort hören „Gut danke und selbst?“ und wehe irgendjemand bricht dieses ungeschriebene Gesetzt, wehe jemand sagt, wie es ihm wirklich geht.

Livs Gedanken schweiften wieder ins Hier und Jetzt und sie sah wie Heath sich den Hut vom Kopf zog. Er drückte ihn sich an die Brust, als würde er eine Grabrede am Gedenkstein eines wichtigen Politikers halten. Jetzt lachte Liv wirklich leise. Konnte er noch mehr übertreiben?

Die Antwort darauf lautete eindeutig „Ja“, musste Liv während Heaths theatralischen Vortrags feststellen.
Liv ließ die Rede auf sich wirken. Hätte irgendein berühmter Präsident gehalten oder Martin Luther King, dann wäre sie wohl sehr bekannt geworden. Sie passte auch perfekt auf die ganzen Nationalhelden, schwülstig und wenig aussagekräftig. Die erste Reaktion die diese Rede hervorrief war Hunger, schon wieder. Ihr Magen gab ein klagendes Geräusch von sich und allmählich bekam sie starke Bauschmerzen.
Sie legte sich die Hand auf den Unterleib und strich leicht darüber, um das Knurren zu beruhigen. Sie konnte den kleinen, roten Fake-Diamenten, der in Form eines Piercings in ihrem Naben steckte spüren. Sie wusste nicht mehr, in welcher Anwandlung sie es sich stechen hatte lassen. Sie konnte sich nicht daran erinnern, sich jemals dazu entschieden haben, jemanden mit einer Nadeln an ihre nackte Haut zu lassen. Normalerweise würde man jetzt denken, dass sie vermutlich betrunken gewesen war, aber in solchen Punkten war ihre Weste lupenrein. Keine Drogen. Kein Alkohol. Kein Rauchen. Keine Wasserpfeife, oder sonstiges Zeug.

Nachdem sich der Hunger wieder halbwegs eindämmen ließ, konzentrierte sie sich auf alles, was er sonst noch gesprochen hatte, abgesehen davon, dass er in den Park gehen und nach irgendwelchen Früchten sehen wollte und irgendwas von wegen Vorrat für den Winter.
Er wollte gehen. Irgendwie fand Liv das… schade. Irgendwie bereute Liv jetzt, was sie gesagt hatte und das war ein halbes Wunder. Sie bereute selten. Das Leben war zu kurz um Dinge zu bedauern, die bereits gesagt oder getan waren.
Aber irgendwie hatte sie das Gefühl, dass sie ihn jetzt verscheucht hatte. Und wie gesagt, sie bereute es und sie fand es schade. Heath war einer jener Menschen, bei denen Liv gerne Spuren hinterlassen hätte, auf die sie für einen Moment gerne Schatten geworfen hätte, der aber irgendwo hängen blieb. Ob der gelockte Mann wohl morgen noch einmal an sie dachte? Ob er sich wohl in einem Jahr, oder zwei noch an sie erinnerte?
Sie bezweifelte es, das tat doch niemand.
Liv blickte Heath hinterher, der das Haus verließ. Er hörte seine knirschenden Schritte auf der Treppe. Sie schloss die Augen und hielt das Bild von dem Abschiedslächeln fest. Ein nettes Lächeln. Sie suchte nach einer Ecke in ihrem Bewusstsein, wo sie diese Momentaufnahme verankern konnte. Nein, sie würde niemals jemanden vergessen, der ihr mal ein Lächeln geschenkt hatte, das sogar halbwegs nett gemeint war. Das war auch nicht schwer, denn viele waren es nicht. Vielleicht zwei, Heath mit eingeschlossen.
Liv erwiderte das Lächeln viel zu spät, er konnte es sicher nicht mehr sehen. Aber sie hatte es erwidert. Auch das würde sie sich merken, denn das tat sie noch seltener. Also jetzt das erste Mal.

Einige Augenblicke saß sie noch da, starrte auf ihre ineinander verschränkten Hände, bis Heaths Schritte im Treppenhaus verklungen waren. Sie wusste nicht, ob er schon auf die Straße getreten war, oder noch im Gebäude war. Aber irgendwie kam es ihr vor, als müsste sie ihm ebenso einen schönen Tag wünschen, also hatte sie schon vor die Stimme zu erheben, aber dann…

Sie überlegte es sich anders und sprang auf die Beine. Sie ignorierte, dass sie nicht mit den Stöckelschuhen lief, wie man es eigentlich sollte. Sie machte bei weitem noch lange keinen großen Lärm, das war bei ihrem Fliegengewicht einfach nicht möglich. Aber sie war lauter als sonst.
Knapp hinter Heath verlangsamte sie ihr Tempo und nahm ihn am Arm.
Kleines Kind. Dummes, kleines Kind. Genau das war sie, da änderte ihre Volljährigkeit auch nichts daran. Aber sie ließ sich jetzt einfach mal von dem kleinen, naiven Etwas hinreißen, auch wenn sie sich dabei blöd vorkam.

„Kann ich vielleicht mitkommen? Tut mir leid, dass ich so rum gezickt habe, das hat ein paar… Wunden wieder aufgerissen“

Sie begann unruhig an ihrer Unterlippe herum zu kauen. Ihre Zähne schabten in die Kerben, die sie sowieso schon hineingebissen hatte. Das war eine schlechte angewohnheit, die sie sich nicht abgewöhnen konnte. Früher hatte sie Kaugummi gekaut, jetzt konnte sie sich das nicht mehr leisten, also musste ihre Lippe herhalten.

„Ich will dir jetzt nicht meine Vergangenheit vorheulen, oder so. Dazu bin ich nicht der Typ, aber ich will, dass du das nicht so eng siehst ja?“

Sie versuchte, während sie sprach, zu blicken wie sie es tat, wenn nicht der trübe Schleier ihre Iris in einen tiefen Tümpel aus matschig braun-grauer Leere bestand. Es kam ihr beinahe vor, als würde alles heller werden, während das runde, mädchenhafte ihre Augen wieder tiefbraun machte.
Einen Moment blickte sie ihn noch an, dann musste sie blinzeln, aber sie konnte einen Teil dieser etwas offeneren Liv festhalten.

„Und außerdem habe ich Hunger und du hast von Obst geredet."



[hört Heath zu || blickt ihm nach || bedauert ihre Worte || folgt ihm || versucht offener zu sein]
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BeitragThema: Re: Den Tod im Genick   So Mai 01, 2011 9:06 pm

Das Gute am barfuss laufen war, dass man den Boden spürte und leichter Halt fand. Das Schlechte, dass es extrem kalt sein konnte und jeder einen schief ansah. Heath hatte sich an die Blicke gewöhnt und auch an die Kälte, doch in tiefen Wintern verstand er immer noch nicht so recht, warum er sich das eigentlich antat. Zweifel plagten ihn dann am meisten, wenn er sich in der Innenstadt befand. Sah man an ihm runter, so wirkte er zunächst wie ein ganz normaler, freundlicher Kerl, bis man an zu seinen bloßen Füßen kam. Nett war er ja auch nicht gerade. Heath hatte immer noch nicht so wirklich kapiert, warum die Regierung nicht auf ihn aufmerksam wurde. Was konnte auffälliger sein, als ein barfuss laufender Mann, der einen Strohhut tief ins Gesicht zog, sodass ihn niemand erkannte? Er hätte schreiend durch die Gassen rennen können und alle hätten nur komisch hinterher geguckt, ohne jemanden etwas zu melden. Es waren die Spione. Die waren gefährlich. Und sie wollten Fakten, Beweise. Sollte es darauf ankommen, so musste jemanden verdeutlichen können, warum man eine Person einsperrte. Die Rebellen könnten an Informationen heran geraten. Sie könnten öffentlich machen, was die Politiker da eigentlich taten und dann musste man Beweise haben. Da reichten keine blanken Füße oder Strohhüte.

Heath war leichtfüßig die Treppe herunter gestiegen. Er hatte sich einen Weg aus dem Schutt gebahnt und stand nun im Türrahmen, der nicht vorhandenen Haustür. Er zog seinen Hut noch tiefer ins Gesicht und steckte die Hände in die Taschen. Er wartete. Nach einer gewissen Zeit regte Liv sich und kam zu ihn herunter. Das war zu erwarten gewesen. Sie nahm Heath am Arm. Er hatte den Blick auf seine Zehen gesenkt, und ein Lächeln huschte kurz über seine Lippen. Egal, wie dunkel sie sich anzog. Egal, wie fies sie auch sein konnte, sie war einfach so süß wie Zucker. Äußerlich wirkte sie unheimlich erwachsen und rebellisch, aber innerlich befand sich noch immer das nach Wärme und Liebe suchende Kind. Heath hörte zu, was sie sagte. Sie suche nach Schutz, ohne es vielleicht selbst zu wissen. Sie brauchte eine Person, die sie leitete und Heath war bereit diese für sie abzugeben.

“War ich zu theatralisch? Bin vermutlich aus der Übung...“

lachte er und schaute erst jetzt auf. Er legte die Hand auf den Hut, um diesen wieder richtig auf den Kopf zu setzten, damit sie ihn in die Augen sehen konnte. Irgendwie kam sich Heath vor, als wäre er in einem Western. Es fehlte noch ein Holstäbchen, auf dem er rumkauen konnte. Er hatte nicht übel Lust jetzt einen Colt zu ziehen. Heath wollte Liv nicht im Dunkeln herum tappen lassen, sie sollte wissen, womit er mal seine Brötchen verdient hatte.

“Du musst mir nicht deine Vergangenheit vorheulen und es macht mir nichts aus mal ein bisschen angeschrieben zu werden. Man gewöhnt sich an so was. Aber um dich nicht zu verwirren: Ich war mal Schauspieler. Eigentlich gut, ich liebe diese Kunst, doch in letzter Zeit spiele ich nur die Rolle des Bösen. Was soll man auch anderes in der Stadt tun? Emotionale Charaktere sollte ich mal üben...“

Heath hatte erst zu Liv gesehen, bevor er seinen Blick über die Stadt schweifen ließ. Es wirkte, als befände er sich in einer anderen Welt. Er sah diesen hässlichen Ort, wie er früher mal war. Hell, mit roten und beigen Häusern. Mit Blumen und Bäumen. Damals, da gab es noch Michelle – seinen Menschen. Damals war alles besser. Heath sah wieder zu Liv, er tat vorsichtig einen Schritt und zog sie so ein Stück mit.

“Lass uns Obstbauer spielen und Äpfel pflücken gehen.“

Heath Stimme klang fröhlicher, als sonst. Er nickte Liv lächelnd zu, um ihr zu zeigen, dass sie gehen konnten. Eigentlich war es egal, ob das Obst reif war. Es hätte auch noch grün und widerlich sein können. Für den jungen Mann war es nur wichtig den Duft des Baumes riechen zu dürfen und einen Moment, nur eine Sekunde lang in einer anderen Welt zu schweben, wo er niemals ein solches Leben geführt hätte.


[steht in Türrahmen | wartet auf Liv | redet | will los gehen]

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BeitragThema: Re: Den Tod im Genick   Mi Mai 04, 2011 4:12 pm


Noch immer waren seine Lippen von diesem schelmischen Lächeln bedeckt und gerade als sie sie ersten Worte erhob, schien er ein Lachen kaum noch verhindern zu können. So entfloh es ihm, obgleich es ehrlich war, schien es anders. Anders, als wenn jemand aus Fröhlichkeit lachte oder aus Glück. In ihm schien nichts zu sein, was etwas Glück ausstrahlte. Es war Kälte die um ihn herum wabberte und spürbar schien. Die Betonung zu ihrer Aussage, die mit dem letzten Löffel, genussvoll aus ihr hervor kam, war provokant und doch rührte es in ihm kein Ärgernis. Denn ihr Eis hatte er nie gewollt, wie billig, dieser Gedanke allein.
Seine gefalteten Hände lösten sich, während er sich auf dem weißen Stuhl zurücklehnte und auf sie herab schaute.

„Oh, ich hoffe es hat dir geschmeckt. Ich hatte nie vor dir deine billige Beute streitig zu machen. Ich habe es nicht nötig, dass Essen anderer zu verspeisen. Dann kauf ich mir doch lieber selber einen Leckerbissen, der nur für mich bestimmt ist. Aber jedem das seine…Ich will es dir nicht verübeln.“

Aus seinen Worten gedieh Arroganz und Hohn. Bitter und Wahrhaftig. Ohne jegliches Erbarmen, warf er ihr die Wahrheit an den Kopf, die für die meisten Menschen das Schlimmste und Schwerste war. Sie konnten alle nicht akzeptieren wer sie waren und wie sie lebten. Cian spielte dabei keine Ausnahme, aber er war dabei es zu ändern. Er tat alles dafür. Es gab nichts wovor er Skrupel hatte. Wenn es doch nur möglich wäre, so würde er die todgeweihten Seelen seiner Eltern und die eigene verkaufen.
Seine Gesichtsmimik hatte sich wieder zur Normalität entspannt, es bestand kein Anlass mehr, dieses freundliche Lächeln zu versuchen und doch gestand er dem Mädchen etwas ein.

„Aber ich muss dich loben, du hast die Beiden wirklich gut von hier vertrieben. Fetti und seine Mutter…Eine Glanzleistung. Du machst so was anscheint öfter. Ich jedoch nicht. Ich rede selten mit Menschen, es liegt mir nicht so sehr. Ist ja wohl offensichtlich…Aber du bist ja auch kein Mensch, nehme ich doch richtig an?!“

Ohne Vorwarnung griff seine Hand nach ihrer, entriss ihr die Sicherheit und legte ihre Handflächen offen, in denen keine Falten vorhanden waren. Nichts. Wie ein glatter und weicher Babypopo. Sie war wohl eine jener, auch wenn er nicht genau wusste was sie waren.

„Du solltest Werbung für Handcreme machen. Faltenfrei, würd’ ich sagen!“

Wieder entkam ihm eines dieser kalten Gelächter und wieder war dieser Ton keinesfalls angenehm oder glückselig. Die anderen Menschen schauten kurz auf, aber keiner würde erkennen wer er war und was er bereits getan hatte. Ein unbekanntes Gesicht in der Masse. Untergegangen, zwischen dem ganzen Einheitsbrei. Es gab nur noch die Reichen oder die armseligen Ratten und er gehörte zu beiden davon. Seine Kleidung verriet nicht, ob er im Wohlstand lebte, aber sprach auch nicht von herunter gekommenen Bauwerken.

[Stadt, Merle]
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BeitragThema: Re: Den Tod im Genick   Mi Mai 04, 2011 7:28 pm


Amber stand auf der Straße, wo genau sie war wusste sie selbst nicht, aber war das wichtig? Irgendwo hier in der Nähe musste ihre Wohnung sein, wenn sie wirklich richtig war. Die letzte Nacht war verwirrend gewesen, beängstigend. Ihre Vergangenheit hatte sie aufgeholt, vergangenes war zurückgekommen, hatte Amber mit Worten zu sich gerufen. Worte die nur allzu bekannt waren, Worte die sie nicht vergessen konnte. Erinnerungen an eine Hand waren aufgetaucht. Schwerer Atem lag in der Luft, Atem, der nach Bier und Zigaretten stank. Sie erinnerte sich noch genau an ihre empörten Worte, an das Grinsen des jungen Mannes, seine Hand die sie am Arm festhielt, ihre Kraft als sie versuchte sich loszumachen, einen trotzigen Gesichtsausdruck tragend. Ihre Stimme die gezittert hatte, nur leicht nur, doch sie hatte es getan.. Das Blut dass durch ihre Adern rauschte, laut. Die Hand des Mannes dort wo sie nicht sein sollte…

„NEIN..!“

Schrie Amber. Sie zitterte am ganzen Körper, ihr Atem ging stoßweise. Warum mussten die Erinnerungen kommen? Warum immer dann wenn sie alleine war? Es war still in ihrem Kopf, wenn man von dem dumpfen Dröhnen absah dass sich breit machte wenn sie zu viel an jene Nacht dachte. Mit unsicheren Bewegungen steckte sie eine Haarsträhne hinter ihr Ohr. Ihre Kette glitzerte im sanften Morgenlicht, ihre dunklen Augen strahlten matt.
In einiger Entfernung hörte sie einen jungen Mann, wie es schien, und eine Katze. Das Tier machte ein Geräusch, fauchte. Einige Sekunden lang erstarrte Amber. Die Geräusche verhinderten die Erinnerungen, riefen sie ins Diesseits zurück, ließen nicht zu dass das Vergangene die zerstörte. Zögernd ging die Brünette in die Richtung aus der die Geräusche gekommen waren, schaute vorsichtig um eine Ecke. Was sie erblicke war wenig Angst einflößend, eher beruhigend, beinahe zum Lachen. Die Katze, die sie gehört hatte, saß in einer Mülltonne, der junge Mann hatte seine Finger im Mund, war offenbar von der Katze attackiert worden. Ein Lächeln huschte über die sanft geschwungenen Lippen der jungen Frau, verzog ihre Mundwinkel. Nach kurzem Zögern trat sie hinter der Ecke hervor, blickte den Fremden vorsichtig, aber freundlich an.

„Hey.. alles okay?“

Sie lächelte immer noch sanft, schaute den jungen Mann interessiert an. Was genau ihm geschehen war wusste sie nicht, aber fragen konnte ja nicht schaden. Ein freundliches Flackern verwandelte ihre Augen in dunkles Feuer. Ein Feuer so dunkel wie die Nacht, und dennoch so leuchtend wie die Sonne. Ob es wohl viele Menschen gab die so dunkle Augen hatten, dass sie beinahe schwarz wirkten? Ob es viele Menschen gab die immer und immer wieder von ihrer Vergangenheit gequält wurden? Einige Augenblicke lang hielten die Gedanken sie gefangen, ließen sie nicht los, doch dann blickte sie auf, brachte abermals ein Lächeln zustande, wartete auf die Antwort des Fremden.
Es war nicht wichtig wer er war, und wie er war, es war bloß wichtig dass sie nicht alleine blieb. Sie durfte die Erinnerungen nicht zulassen, durfte sich nicht gefangen nehmen lassen. Sie musste aufpassen. Der Fremde würde ihr helfen, würde mit seinen Worten hoffentlich die Stille in ihrem Kopf verjagen.


[bei Kjetil , erinnert sich , trifft Kje ]
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BeitragThema: Re: Den Tod im Genick   Do Mai 05, 2011 7:16 pm

Geistesabwesend ließ Kjetil die Finger an der dreckigen Wand entlang wandern, die er abschritt. Die Finger der rechten Hand, wohlgemerkt, an den Fingern der linken lutschte er immer noch herum, während ihm der leicht metallene Geschmack nichts ausmachte. Dafür hatte er schon zu oft sein Blut auf der Zunge gehabt. Gut, er war eigentlich nicht der Schlägertyp, aber trotzdem. Es ließ sich nicht vermeiden, dass man sich ab und zu verletzte, so etwas nannte man Berufsrisiko.
Berufsrisiko. Echt genial. Wenn das Berufsrisiko eines Drogendealers darin bestand, sich ab und zu ein paar Kratzer, Schnitte oder eine blutige Nase einzufangen - wahrscheinlich würde die halbe Welt diesem Job nachgehen. Und die andere Hälfte würde sich nur mehr zudröhnen. Na ja, wenn man diesen Stadtteil als Welt betrachtete - seine Welt -, stimmte das genau genommen sogar. Nur, dass die Dealer meistens auch ziemliche Junkies waren. Er war nur die berühmte Ausnahme, die die Regel bestätigte.
Obwohl Kjetil längst an der Ecke des Hauses vorbeigekommen war, hielt er die Hand immer noch in der Luft, wie an eine unsichtbare Wand gelehnt. Er schüttelte den Kopf, um sich aus den Gedanken zu reißen und blickte sich aus reiner Gewohnheit und unterschwelliger Wachsamkeit um, ohne zu erwarten, wirklich jemanden zu entdecken. Untertags verkroch sich alles Ungeziefer, das war schon immer so gewesen. Umso überraschter war Kjetil, als er eine Gestalt nicht weit von ihm erblickte.
Okay. Es war auch kein Ungeziefer, sondern eine junge Frau. Und auch noch hübsch.

    .oO(Aber hallo!)Oo.

Kjetil ließ die Hand sinken und legte den Kopf leicht schief. Er war kein Macho, der sich jedes süße Mädchen krallte, das ihm über den Weg lief, aber er war auch kein Heiliger. Und in diesem Viertel traf man selten genug auf junge, schöne Frauen. Diese Models, die man ihn Gangsterfilmen sah und immer an der Seite des schmierigsten Typen dort - meistens dem Drogendealer oder Schmuggler - zu finden waren, blieben in ihren Filmen, so schade das auch war.
Bevor Kjetil die Hand aus dem Mund nehmen und etwas sagen konnte, hatte ihn die Braunhaarige schon angesprochen. Alles okay? Ach so.

    „Ja, klar.“

Nuschelte Kjetil, nahm dann endlich die Finger ganz aus dem Mund und betrachtete kurz die Blutspuren. In diesem Stadtteil waren selbst die Katzen kratzbürstiger und schienen längere Krallen zu haben. Kjs Blick glitt zu seinem Gegenüber und ein schiefes Lächeln zeigte sich auf sein Gesicht, ganz von alleine. Er hielt es weder für angebracht, so etwas vorzutäuschen, noch zu unterdrücken.

    „Ist nicht lebensgefährlich - denke ich.“

Er schlenderte ein paar Schritte näher und musterte die junge Frau noch einmal von oben bis unten. Sie war etwa so alt wie er und ein bisschen größer.

    .oO(Mist!)Oo.

Das war schon mal nicht gut. Dummes Klischee - der Kerl größer als das Girl. Pah. Was machte er sich eigentlich darüber Gedanken? War doch nur irgendein Mädchen.
Kjetil betrachtete die Fremde noch einmal genauer. Selbst wenn er nicht so ganz der total feinfühlige Typ war, erkannte selbst er, dass die Kleine - „klein“, wie man’s nahm, sie war immerhin ein paar klitzekleine Zentimeterchen größer als er selbst - ziemlich aufgewühlt war. Vielleicht lebte sie gar nicht auf der Straße hatte sich nur hierher verirrt? Oh lálá, genau das Richtige für ihn. Höchste Zeit, sich vorzustellen. Er zog den nicht vorhandenen Hut und vollführte eine knappte Verbeugung.

    „Wie unhöflich, dass ich mich noch gar nicht vorgestellt habe: Kjetil Norris, zu Ihren Diensten, Ma’am. Für Euch gerne Kjetil oder Kj. Und mit wem habe ich das Vergnügen?“

Wie leicht ihm der Name über die Lippen kam. Als hätte er schon immer so geheißen. Einen Wimpernschlag lang verweilte er bei dem Gedanken und überlegte, wie viele Decknamen er schon gehabt hatte. Da er keine Lust dazu hatte, nachzuzählen, setzte er sich seinen unsichtbaren Hut wieder auf und ließ den Blick erneut zu dem fremden Mädchen schweifen. Erst jetzt fielen ihm die seltsamen Augen auf. Waren sie schwarz? Nein, nicht ganz.
Wahrscheinlich wirkten sie nur in diesem Lichtfall so auffällig dunkel.
Immer noch huschte dieses Lächeln über Kejetils Gesicht, charmant und trotzdem nicht aufdringlich. Eben so, wie es seine Art war - wenn er gut aufgelegt war. Und er einem netten Mädchen begegnete.



[bei Amber | stellt sich vor/fragt sie nach ihrem Namen]
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BeitragThema: Re: Den Tod im Genick   Fr Mai 06, 2011 8:11 pm

Amber beobachtete den Fremden, unsicher was sie tun sollte. Sie sah wie er die eine Hand an der Mauer entlanggleiten ließ, sah dass er die andere immer noch halb im Mund hatte. Er war hübsch, ziemlich hübsch sogar. Ein wenig frech musterte sie den Fremden, betrachtete seine Figur, seinen Körper, die Haare, das Gesicht, die Arme, versuchte sogar seine Augen gut zu erkennen. Der Fremde schien nett zu sein, außerdem etwas kleiner als sie, aber so etwas fiel doch kaum auf, nicht wenn es bloß einige Zentimeter waren.
Das Lächeln auf ihren Lippen verschwand, als der junge Mann sich vollständig zu ihr drehte und sie überrascht ansah. Anscheinend hatte er nicht damit gerechnet jetzt und hier jemanden zu treffen, was sie wenn sie ehrlich war kaum wunderte.
Auf ihre Frage hin sagte der junge Fremde nicht gerade viel, nuschelte weil er immer noch die Hand im Mund hatte. Sie verstand ihn, er sprach auch mit Hand im Mund ganz gut, dennoch fand sie es angenehmer, als er endlich den Mund frei hatte und seine Hand stattdessen betrachtete. Es gefiel ihr wie er den Kopf leicht schief gelegt hatte, er schien wirklich ein netter Typ zu sein…

"Das ist gut, denn ich hätte kaum gewusst was ich hätte tun sollen wenn Sie jetzt einfach gestorben wären.."

Seine Worte waren freundlich, taten gut. Sie zauberten ihr ein Lächeln auf die Lippen, welches nach einigen Sekunden allerdings wieder verschwand. Es war schön nicht mehr alleine zu sein, es tat gut etwas anderes zu hören außer die Stimme die ihr dauerhaft von der Nacht erzählte…
Das der junge Mann näher kam bemerkte Amber fast nicht, und selbst wenn es ihr großartig aufgefallen wäre, gestört hätte es sicher nicht. Sie lächelte wieder, ihre Augen strahlten matt. Abermals sprach er und seine Stimme gefiel ihr. Sie war sanft und freundlich, beinahe offen. Ihr Lächeln vertiefte sich.

„Ich bin Amber Tiger… Nennt mich wie Ihr wollt… Und selbstverständlich auch zu Ihren Diensten, Monsieur."

Sie lachte, knickste brav. Ihr Lachen klang zart, hell. Sein Lächeln berührte sie und unwillkürlich senkte sie den Kopf ein wenig, schaute dennoch zu Kjetil. Ein seltsamer Name, doch er passte, außerdem war er sehr schön. Sie dachte an ihre Wohnung. Durfte sie das tun? Fremde mit nach Hause nehmen? Ob sie es durfte oder nicht, hatte niemand zu entscheiden außer sie selbst, und ihre Naivität riet ihr nicht gerade davon ab… Sie blickte weg. Wenn er nicht fragen würde, dann würde sie halt gehen. Wohin, das würde sie schon finden, denn mittlerweile meinte sie zu wissen wo sie war. Ihre kleine Wohnung konnte nicht weit weg von hier sein, müsste irgendwo Richtung geradeaus stehen, doch ganz sicher war sich Amber nicht, von dieser Seite aus kam sie sonst nie, da hier nur ‚bösen Leuten‘ waren. Zumindest drückten manche es so aus. Junge Damen sollten sich von hier fernhalten, aber was störte es Amber, wenn sie auf einen so netten jungen Mann traf?

„Gibt es irgendetwas.. was ich für Sie tun kann, bevor ich weiter gehe?““

Zumindest so etwas wie ein Pflaster würd sie ihm andrehen, immerhin hatte sie eins bei sich, wer wusste schon wann man mal eines gebrauchen konnte?!



[beobachtet Kj und redet mit ihm]
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BeitragThema: Re: Den Tod im Genick   Sa Mai 07, 2011 3:32 pm

Die Unruhe im Gesicht des Mädchens vor ihm fiel Kjetil immer mehr auf. Und es war nicht einmal nur kühle Berechnung, mit dem er das beinahe nervöse Lächeln beobachtete, das immer wieder auf ihren Lippen erschien und dann wieder verschwand. Die kühle Berechnung, die seinem Gesicht niemand ablesen konnte, die aber trotzdem da war - die Berechnung eines Spielers: Analysieren, reflektieren, reagieren. Eigentlich war der Begriff „spielen“ verdammt irreführend. Nun ja, man sagte doch, Kinder - oder wer auch immer - würde beim Spielen etwas für’s Leben lernen.
Kjetil musste innerlich über die Zweideutigkeit grinsen, dann schüttelte leicht den Kopf und fand zum Ausgangspunkt seiner kurzen Überlegung zurück: Dem Umstand, dass diesmal diese distanzierte Berechnung eigentlich völlig zur Seite geschoben war und der Blick, mit dem er die junge Frau ansah, schien offen und ehrlich. Oh, er war ehrlich? Würde man noch sehen.

Er hatte gut Acht gegeben, dass keiner dieser Gedanken das leichte Lächeln in seinem Gesicht trübte. Ab und zu war es eben doch notwenig, etwas vorzutäuschen. In diesem Punkt fochten die zwei Seiten in ihm einen nie endenden Kampf aus: Lüge und Wahrheit, Ehrlichkeit und Täuschung. Er selbst verfolgte diesen Streit in seinem Herzen scheinbar gelassen und nahm manchmal den einen und manchmal den anderen Weg. Ob wohl irgendjemand das verstehen würde, wenn er es ihm mit genau diesen Worten erklären würde? Nein. Wahrscheinlich nicht.
Dieser verwirrende, zerrissene Teil in ihm… war bisher noch jedem verborgen geblieben. Er hatte nicht versuchen, es selbst genau zu verstehen, oder es gar jemandem auszulegen. War auch besser so. Man sah eben lieber einfach den sympathischen Typen und nichts sprach dagegen, diese Seite an ihm geradezu zu übertreiben.
Diese verstörenden, scheinbar widersinnigen Gedanken huschten innerhalb ein paar Sekundenbruchteilen durch Kejtils Kopf, er verweilte nicht lange bei ihnen, sondern hörte lieber aufmerksam zu, als die junge Frau antwortete.
Sie ging auf sein Spiel ein, das gefiel ihm. Ob sie wusste, dass sie dabei nur verlieren konnte? Immerhin war es sein Spiel.

    .oO(Moment mal- Verlieren?)

Hm, eigentlich gab es bei jedem Spiel Gewinner und Verlierer - er selbst war mal das eine und mal das andere, ohne, dass es ihn störte. Es geschah selten, dass ihm das doch irgendwie gegen den Strich ging, wie in diesem Fall. Warum konnte es nicht zwei Gewinner geben?

    .oO(Mal sehen.)

Das war sein Standart-Schlussstrich, wenn ihm eine Überlegung zu wirr wurde. Jetzt galt es erst einmal, möglichst harmlosen Smalltalk zu führen. Sein Blick ruhte auf dem unsteten Lächeln und er merkte, dass er sich wünschte, es würde ein bisschen länger bleiben. Gerade in diesem Moment schien es fester zu werden und sie stellte sich vor.
Amber. Kein Name, wie man ihn auf der Straße fand, soweit sich die heruntergekommenen Gestalten hier irgendwie nannten. Meistens waren es namenlose, gesichtlose Schatten, von der Welt verachtet und vergessen. Kjetil war in diesen Gassen zwar auch etwas auffällig, aber das war ihm egal. In Dealerkreisen verwendete er verschiedene Decknamen, das konnte ziemlich nützlich sein.

    .oO(Zu meinen Diensten, hm?)

Wäre interessant, zu wissen, was genau sie damit meinte. Jeder seiner „Kumpels“ hätte sie jetzt gepackt und hätte das Angebot wortwörtlich ausgenutzt. Aber so einer war Kjetil nicht und da hatte das Mädchen verdammtes Glück.
Das leise Lachen und der Knicks ließen sein Lächeln ein wenig breiter werden. So wunderbar naiv… Was machte das Mädchen bloß hier? Hier, wo man sich so etwas wie Naivität ganz einfach nicht leisten konnte? Leicht geistesabwesend fuhr sich Kjetil durch die Haare und betrachtete Amber dann nachdenklich. Was dachte sie, das er war? Wirkte er wirklich so vertrauenswürdig, mit den dreckigen Klamotten und in diesem heruntergekommenen Stadtteil? Oder versuchte sie nur, ihre leichte Angst nicht zu zeigen, wie bei einem Hund, vor dem man besser nicht wegläuft, weil er einen dann jagen würde?
Nein, da war keine Furcht, kein Misstrauen. Es sei denn, sie war sehr gut darin, so etwas zu überspielen, doch das glaubte er nicht. Es war eher Verlegenheit, die sich in Ambers Blick widerspiegelte.

    .oO(Kj, du hast’s noch drauf.)

Er nickte zufrieden und vielleicht auch ein klein wenig selbstgefällig. Es war länger her, dass er sich daran versucht hatte, ein Mädchen anzusprechen - ohne dass es dabei um Drogen oder Ähnliches ging -, was vor allem daran lag, dass es hier einfach nicht sehr viele hübsche Mädchen gab. Redete er sich zumindest ein.
Jetzt sah Amber sogar zur Seite, schien über etwas nachzudenken und fragte dann, ob sie noch etwas für ihn tun konnte. Gott. Wer ließ dieses Mädchen unbewacht auf die Straße?! Gut, sie schien erwachsen zu sein, auch wenn ihm das nicht so vorkam. Schon wieder diese Zweideutigkeit. Langsam kam es ihm fast so vor, als lege sie es darauf an.

    „Na ja, du könntest mir den Gefallen tun und auf dich aufpassen. Hier laufen ein paar ziemlich üble… Subjekte rum. Schmierige Typen, tollwütige Katzen…“

Dabei hielt er seine „verletzte“ Hand ein wenig hoch und machte eine Leidensmiene. Als wäre es ihm nicht aufgefallen, war er unauffällig ins „Du“ gerutscht, wobei die förmliche Anrede vorhin einen leicht sarkastischen Tonfall gehabt hatte. Hier auf der Straße war keiner mehr wert als der andere, nämlich gar nicht. Auch wenn Amber offensichtlich aus etwas anderen Verhältnissen kam.

    „Ich könnte dich ja begleiten. Als Eskorte, sozusagen.“

So scheinheilig das Angebot auch gestellt war, ihre Antwort war von Bedeutung und Kjetil konnte das leise, schelmische Blitzen in den Augen nicht verbergen.

    „Das heißt, wenn du mir vertraust…“


[bei Amber | seltsame Gedanken | redet]


Zuletzt von Kjetil am Sa Jun 11, 2011 4:39 pm bearbeitet; insgesamt 2-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Den Tod im Genick   Sa Mai 07, 2011 9:13 pm

Amber spielte gerne dieses Spiel mit dem Fremden. Man musste bloß freundlich bleiben und ihn siezen und schon konnte es lustig sein. Sie konnte über die alberne Art zu sprechen lachen, lachen dass es so dumm war sich zu siezen. Es war wirklich verrückt, oder etwa nicht? Normalerweise siezte man fremde Menschen doch?! Aber andererseits.. war diese Situation normal? Ihre Stirn runzelte sich beinahe von alleine. Ja, war diese Situation normal der eher nicht?
Keinen Gedanken verschwendete die Braunhaarige daran, dass er dumme Gedanken haben könnte, dass er böse sein könnte. Kein Gedanken war negativ oder verängstigt, höchstens ein wenig unsicher wenn sie nicht wusste wie sie reagieren konnte, sollte und durfte. Kein Gedanken glitt in die Richtung hinüber die normalerweise Stopp schrie wenn man etwas dummes tat. Aber hatte Amber je auf diese Stimme gehört? Selbst wenn jemand in ihrem Kopf Nein oder Stopp geschrien hätte, selbst dann hätte sie diesem Typen vertraut. Sie dachte nicht daran dass er sie ausnutzen könnte, vielleicht so beginnen konnte wie der Mann in jener Nacht…
Nein, niemand würde so etwas tun, niemand der am Anfang so nett wirkte. Die Falten auf ihrer Stirn verschwanden, stattdessen kam ihr Lächeln zurück. Es tat gut zu lächeln, es tat gut Stimmen zu hören die nicht nur in ihrem Kopf waren… Es tat gut abgelenkt zu werden. Dass auch Kjetil nachdachte sah Amber, daher schwieg sie bis er wieder etwas sagte. An was er dachte wusste sie natürlich nicht, doch das Thema schien nicht unbedingt sein Liebstes zu sein.
Es gab so viel an ihr, was andere falsch verstanden hätten. Allein ihre Worte eben hätten auf jeden Typen so gewirkt, dass er sich an ihr vergreifen konnte, doch dieser Kjetil schien nicht einmal daran zu denken, warum sollte sie ihm nicht vertrauen…?
Sein selbstgefälliges Nicken entging ihr nicht. Keine seiner Bewegungen entging ihr. Ambers Blick lag auf ihm, beobachtete ihn, suchte ihn seinen Augen nach Lügen, nach dummen Gedanken, nach Gewalt, doch sie erkannte nichts als den dunklen Glanz der Iris, der Farbe der Augen. Sie meinte zu sehen dass er ein wenig verwirrt darüber war dass sie ihm vertraute, so ganz ohne Misstrauen war, doch ob das stimme wusste sie nicht. Sie wusste ja so verdammt viel nicht.
Seine Worte rissen sie aus ihren Gedanken, seine Augen fesselten ihren Blick weiterhin. Sie konnte also etwas für ihn tun!! Hatte sie es doch gewusst.
Aber.. was sagte er da? Sie sollte auf sich aufpassen? Ein bitteres Lächeln erschien auf ihren Lippen. Hatte sie eines der schlimmsten Dinge nicht schon erlebt? Diese Nacht..
Wie ein Blitz tauchten Bilder in ihrem Kopf auf, Bilder die kamen und verschwanden wie Schatten. Schnell wechselten sie. Ihr Gesicht, die Angst in ihren Augen. Der Mann mit dem fiesen Lächeln, sein Tattoo auf dem Arm. Sein Bier Atem, seine Gewalt. Ihr Schrei, seine schwielige Hand auf ihrem Mund. Ihr erstickter Schrei. Die Angst. Diese schreckliche Angst…
Leichter Spott lag in ihrer Stimme als sie antwortete, die Gesichtszüge beherrscht, die Lippen zu einem beinahe spöttischen und ironischem Lächeln verzogen.

„Ich soll auf mich aufpassen? Ich schätze das.. eines der Schlimmsten Dinge die einem Menschen passieren können habe ich erlebt. Nie werde ich die Nacht vergessen, nie werde ich die Angst verlieren, doch etwas Schlimmeres kann ich mir nicht vorstellen. Etwas Schlimmeres als das… Warum sollte ich also so stark aufpassen..?“

Jetzt brauchte er eine Antwort, und zwar eine gute. Dieser Idiot. Wovor sollte sie Angst haben, wenn ihr einer der Albträume längst begegnet war? Wovor sollte man sich fürchten wenn man die größte Angst längst ausgestanden hatte? Dass der junge Mann seine Hand hob bemerkte sie ebenso wie alles andere.

„Und tollwütige Katzen machen mir nun wirklich keine Angst..!!“

Das bittere Lächeln verschwand, auch der seltsame, ungewohnte Unterton verflüchtigte sich. Mit der linken Hand griff sie in ihre Jackentasche und zog ein Pflaster hervor. Mit wenigen Schritten überbrückte sie den Abstand zwischen sich und dem Fremden, griff nach seiner Hand und klebte das Pflaster darauf. Pah, das hatte er jetzt davon dass er noch einmal betonen musste dass er gekratzt worden war…
Seine nächsten Worte verwirrten ihn, doch als sie aufsah sah sie bloß ein leichtes Blitzen in seinen Augen. Keine Hintergedanken. Sie sah nichts Schlechtes in ihnen, und was genau das Blitzen bedeutete war nicht wichtig. Vielleicht freute er sich sie begleiten zu können…
Für einige Sekunden sah Amber ihm in die Augen, für einige Sekunden sah sie ihm in die Augen und stand dabei nah bei ihm. Er hatte sehr schöne Augen. Verlegen sah Amber wieder weg, ihre Wangen röteten sich leicht, dann trat sie wieder einen Schritt zurück. Sie sollte nicht so nah bei ihm stehen, auch wenn es ihr Herz schneller schlagen ließ. Dieser seltsame Fremde gab ihr Sicherheit, bei ihm fühlte sie sich gut.
Er erhob seine Stimme, schon wieder! Wenn sie ihm vertraute… Vertrauen. Natürlich vertraute sie ihm, was war das denn bitte für eine dumme Frage? Und worauf waren die Worte bezogen? Auf den vorherigen Satz, oder auf etwas Unausgesprochenes? Er könnte gemeint haben: ‚ich kann dich begleiten wenn du mir vertraust‘ er könne aber auch meinen ‚also falls du mir vertraust können wir..‘ Können wir alles Mögliche machen.
Einige Sekunden noch dachte sie nach, dann blickte sie ihn an, in ihren Augen die unausgesprochene Frage. Er würde sie verstehen, wenn er einigermaßen klug war, und das war er wie es schien, trotzdem sprach sie ihre Gedanken laut aus.

„Was meinst du mit dem, wenn ich dir vertraue? Wenn ich dir vertraue dann bringst du mich nach Hause, oder wenn ich dir vertraute dann… kannst du alles tun..?“

In ihren Augen lag ein frecher Glanz, etwas was einige Typen sehr sexy fanden.

„Egal.. du darfst mich gerne nach Hause bringen und… so..“

Und so. Wie klang das denn jetzt? Also ob sie dann mit ihm.. ins Bett wollte oder so. Aber.. Naya, das war doch jetzt nicht wichtig, oder? Kjetil war ja in Ordnung, er würde schon nichts dummes denken.



[bei Kje // denkt viiiel && geht zu Kj wegen Pflaster && redet && vertraut ihm relativ bedingungslos &&.. gab es da schon Pflaster..? In welcher Zeit spielen wir? :'D ]
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BeitragThema: Re: Den Tod im Genick   So Mai 08, 2011 12:04 pm

Länger konnte sie den trüben Schleier nicht mehr fernhalten und er legte sich wie ein Bühnenvorhang wieder vor ihre Sicht sodass das Grau wieder Einzug halten konnte. Bühnenvorhang, was für ein passender Vergleich wenn man bedachte, was Heath ihr gerade erzählte. Ein Schauspieler also. Das konnte ja interessant werden.
Sie hatte selten fern gesehen, als konnte sie nicht sagen, ob er bekannt gewesen war. Vielleicht sprach sie jz sogar mit einer alten Hollywood Legende ohne es zu merken. Gegen diese Theorie sprach jedoch, dass er in diesem Fall einen Haufen Kohle haben und im Reichenviertel wohnen müsste. Liv schob die Theorie beiseite und lauschte auf das Ende seines Vortrages.
Konnte man Emotionen vorspielen? Er musste wohl ziemlich gut sein. Liv hatte es oft versucht, doch wenn man sich erst einmal an die dumpfe Leere gewöhnt hatte, fand man nie wieder in wirklich aufbrausende Gefühle zurück. Einerseits war eine Last von Liv genommen, immerhin konnte sie so in brenzligen Situationen einen kühlen Kopf bewahren, ohne von Panik überkommen zu werden. Andererseits aber… Liv gab es nicht gerne zu, aber sie würde sich wirklich gerne verlieben. Sie hatte sich so früh in ihr Schneckenhaus zurückgezogen, dass sie das andere Geschlecht nie anders betrachtet hatte, als einfach als Mitmenschen, die an ihr vorbeieilten.

Sie sah Heath dabei zu, wie er den Hut zurechtrückte, und legte den Kopf ein wenig schief. Sie versuchte, den gelockten Mann zu betrachten, wie ein „normales“ Mädchen – wobei die Frage aufkam, was eigentlich normal war, aber diesen Gedanken verschob sie auf später (Man, sie dachte wirklich zu viel nach!). Er war schlank. Recht groß. Liv ging ihm gerade mal bis zur Schulter. Genervt biss sie die Zähne zusammen. Nicht mal mit den Absätzen konnte sie ihm direkt in die Augen sehen.
Okay, weiter. Sie ließ ihren Blick über seine Arme schweifen, an denen sie am besten erkennen konnte, dass er durchtrainiert war. Sie blieb mit den Augen an seinem Gesicht hängen und betrachtete kurz die beinahe makellosen Gesichtszüge, die hellbraunen Augen und die blonden Locken, bevor ihr Blick sich wieder im Nichts verlor.
Sie konnte nicht unauffällig jemanden „abchecken“. Wie den auch, sie hatte keine Übung.

Nachdem sie mit der Inspizierung ihres Gegenübers fertig war konzentrierte sie sich wieder auf das mehr oder weniger Gespräch. Er sagte nicht sonderlich viel, sie sagte nicht sonderlich viel und irgendwann dazwischen kamen Erklärungen auf die nichts zu erwidern war.

„Ein Schauspieler und eine notorische Lügnerin, na das kann ja lustig werden“

Murmelte sie, nicht in dem Bewusstsein, dass sie die Worte tatsächlich laut ausgesprochen hatte. Auch wenn der Satz nicht laut genug gewesen war, um jedes Wort zu verstehen, konnte man sich gewiss einen Reim darauf machen, was sie gesagt hatte.
Erst während Liv dem Nachhallen ihrer Stimme lauschte wurde ihr klar, dass es IHRE Stimme war. Sie biss wieder in die Kerbe an ihrer Lippe. Blöde schlechte Angewohnheit.
Sie hoffte jetzt einfach mal, dass Heath das übergehen würde, oder es erst gar nicht gehört hatte.

Liv löste die Hand von Heaths Arm, als er sie ein Stück mitzog um ihr zu zeigen, dass sie gehen konnten – konnte er das nicht einfach sagen?!
Hui, sie würden Obstbauer spielen gehen. Wobei das einer der gefährlichsten Berufe war, denn jeder dahergelaufene Penner klaute in den Feldern und wenn man ihnen zu nahe kam zückten sie schnell mal ein Messer oder einen Dolch. Livs Blick huschte kurz zu Heath. Gut, er war kein dahergelaufener Penner. Für die Verhältnisse hier war er ganz gut angezogen, ihm fehlten nur die Schuhe.
Das Mädchen verbarg die Hände in den Taschen, während sie neben Heath her schlenderte und ihr Blick huschte unbeständig von einem Punkt zum anderen, ohne, dass sie wirklich irgendwohin schaute.

Sie ließ die Begegnung, das Gespräch und alle Gesten die sie oder Heath gemacht hatten revue passieren. Mein Gott. Liv hätte sich am liebsten mit der Hand vor die Stirn geschlagen. Da hätte sie auch gleich einen Schnuller im Mund haben können, sie hätte die gleiche Wirkung erzielt.
Der junge Mann hielt sie sicher für ein kleines, Schutz und Liebe suchendes Kind. Kein Wunder, dass er nicht zurückgeschnauzt hatte und kein Wunder, dass er auf sie gewartet hatte. Er dachte, sie würde ihn brauchen als Aufpasser oder sowas. Weil sie unfähig war, hier draußen zu überleben, weil sie sich nicht mal was zu essen besorgen konnte und und und…
Beinahe wäre sie abrupt stehen geblieben und hätte auf stur geschalten – wie ein kleines Kind eben, das nicht bekam was es wollte. Sie besann sich eines besseren und ging einfach weiter, während sie sich die richtigen Worte zurechtlegte.
Warum zur Hölle musste sie so rüberkommen. Da traf sie mal jemanden, den sie nicht gleich auf Anhieb nicht ausstehen konnte und er nahm sie nicht für voll.
Livs Zähne knirschten leicht, als sie sie aneinander vorbeischaben ließ, bevor sie den Mund öffnete um ihrem Ärger Luft zu machen – auf halbwegs „erwachsene“ Art und Weise.

„Hör mal genau zu, Cowboy. Du scheinst mir genug in deinem Köpfchen zu haben, dass du dir das merken kannst. Ich bin keine fünf Jahre alt. Oder Vierzehen – um deine vermutliche Schätzung aufzugreifen.“

Sie pustete sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht und wartete einige Momente um in der Stille mitschwingen zu lassen, dass das nicht der Wahrheit entsprach. Sie erinnerte sich an ihre Zeit im Gymnasium, als ihre Lehrerin mit ihnen über Konversation gesprochen hatte und meinte, dass man nie nicht mit einem Menschen kommuniziert. Selbst Stille kann etwas ausdrücken. Peinliches Schweigen. Oder wenn man die Wut des anderen in der Luft knistern spürt. Oder die Elektrizität in der Stille, die aufkommt, bevor sich Liebende Küssen.
Nun, Liv schwieg einfach. Ein dumpfes, gedehntes Schweigen, wie um Spannung aufzubauen.

„Ich bin achtzehn. Und wenn du jemals vorhaben solltest mir durch die Haare zu wuscheln, oder sonstigen solchen Scheiß, dann sei dir sicher, dass du meine Sympathie verlierst. Denn stell dir vor, ich bin bis jetzt ganz gut alleine klar gekommen und noch etwas, das dich vielleicht schocken könnte…“

Liv machte erneut eine kurze Pause in der sie ihre Finger scheinbar gedankenverloren betrachtete. Ihr Tonfall war nicht bissig gewesen, es war tatsächlich eine einfache Erklärung in der eben ein wenig Sarkasmus eingemischt war. Sie hatte gar nicht gewusst, dass sie so reden konnte. Sie wurde sonst immer gleich kratzbürstig.

„…ich weiß, was ein BH ist und ich trage sogar einen.“

Das war schon eher die Liv, die sie selbst kannte, auch wenn die Worte eher neckend klangen, als spöttisch. Es war irgendetwas dazwischen. Natürlich wusste sie, dass man sowas auch schon mit vierzehn unter dem Oberteil trug, aber es war einfach eine Übertreibung und sie hoffte einfach mal, dass Heath nicht auf die Idee kam, sie darauf hinzuweisen. Er war ja ein Schauspieler, da musste er ja etwas von Theatralik verstehen. Immerhin hatte er sich erkundigt, ob sein Vortrag nicht zu theatralisch rübergekommen war (Was man übrigens mit „Ja“ beantworten konnte).


[mustert Heath || murmelt etwas || geht neben ihm her || klärt ihn über ihr Alter auf]
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Kjetil

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Gruppe : Unwissend
Alter Charakter : 19
Größe : 1,70 cm
Gewicht : 60 kg
Besonderheiten : Narbe am Kinn

BeitragThema: Re: Den Tod im Genick   So Mai 08, 2011 10:59 pm

Jetzt war er mal gespannt. Vor allem darauf, ob sie ihn zurechtweisen würde, was das Siezen anging. „Du könntest mir den Gefallen tun“, dieses Du war schwer zu überhören. Sollte sie protestieren, dann konnte er es gleich vergessen - er würde ganz sicher nicht mit einem Mädchen mit dackeln, dass er mit Sie ansprechen musste. Oder? Hm. Schwere Entscheidung. Er würde es zumindest bedauern. Mit geschürzten Lippen betrachtete er sein Gegenüber, vielleicht etwas eingehender, als nötig. Mal sehen.
Kjetil konnte die leise Stimme in sich nicht ganz ausblenden, die ihn tadelte, er solle die Naivität des Mädchens nicht ausnutzen. Tat er doch nicht. Sie war erwachsen. Außerdem würde er nichts tun, was sie nicht wollte - das verstieß gegen seine Moralvorstellungen. Ja, die hatte er durchaus. Auch wenn sie vielleicht ein klein wenig anders aussahen, als bei einem normalen Menschen… Normal. Wieder so ein Begriff, über den man bei Gelegenheit mal länger nachdenken sollte. Aber nicht jetzt.
Ein kurzes Zucken um die Mundwinkel, ein leichtes Kopfschütteln, dann war Kjetil wieder der Kjetil, der nicht groß über etwas nachdachte, sondern einfach nur, den Kopf schief gelegt, auf eine Antwort wartete. Amber schien doch ein wenig verunsichert, er konnte es nahezu in den dunklen Augen lesen. Er dagegen, ganz die Ruhe selbst, steckte die unverletzte Hand in die Taschen seiner abgewetzten Hose.

Jetzt wechselte der Ausdruck auf ihrem Gesicht, das Lächeln wurde - bitter? Fasziniert und leicht fragend zog Kjetil die Augenbrauen hoch. Hatte er was Falsches gesagt? In Gedanken ging er noch einmal seine Worte durch. Nicht, dass er wüsste. Oder Amber musste durch irgendetwas in seinen Sprüchen an etwas anderes denken. Wäre ganz interessant zu erfahren… Kjetil klappte bereits den Mund auf, um nachzufragen - ganz unverfroren, wie es seine Art war - doch Amber kam in mit der Antwort auf die ungestellte Frage zuvor.
Für einen Moment völlig verblüfft blinzelte Kjetil, während er zuhörte. Wow, er schien einen echt vertrauenswürdigen Eindruck zu machen. Die Kleine erzählte ihm jetzt also das Schlimmste, was ihr jemals widerfahren war. Einfach so. Einem Menschen, den sie gerade eben getroffen und der vorhin erst aus einer Mülltonne gekrochen war. Gut, das mit der Mülltonne wusste sie nicht. Trotzdem.
Sah er wirklich so unschuldig und verständnisvoll aus, dass sie sich ihm so ohne Hemmungen anvertraute? Wenn das der Fall war, sollte er vielleicht irgendetwas an seinem Aussehen verändern. Dreck ins Gesicht schmieren - okay, ganz sauber war nichts an seinem Körper. Schien sie nicht abzuschrecken. Wie wär’s dann mit noch zerrissener Kleidung? Narben im Gesicht? Konnte er sich ja aufmalen oder so.
Halt mal. Warum wollte er, dass sie ihn abstoßend fand? Wahrscheinlich einfach nur, weil er das so gewohnt war. Auch wenn er sich von den meisten anderen, die hier auf der Straße - und überhaupt in diesem Teil der Stadt - lebten, durch die einigermaßen annehmbare Kleidung und vor allem durch sein gar nicht mal so schlechtes Verhalten abhob… nun ja, war er eben nichts als Abschaum, in vielen Augen. Aber anscheinend nicht in diesen schönen, fast schwarzen.
Nicht, dass es ihm jemals etwas ausgemacht hätte, als das abgestempelt zu werden, das er wahr: Ein kleiner Drogendealer, der in heruntergekommenen Gassen schlief und mit Katzen sprach, weil er sonst keine Beschäftigung hatte. Er war nicht unzufrieden mit seinem Leben und es war ihm egal, was irgendjemand von ihm dachte. Verwirrt schüttelte er den Kopf. Dieses Mädchen verwirrte ihn. Das brachten nicht viele fertig.
Möglicherweise würde sie auch jedem einfach blind vertrauen. Vielleicht war das ihre Art und sie würde jedem dahergelaufenen Junkie ihre Geschichte erzählen. Doch das glaubte Kjetil nicht.
Zurück zu dem, was sie eigentlich gesagt hatte. Warum war sie so unvorsichtig, wenn sie wusste, was passieren konnte? „Eines der Schlimmsten Dinge die einem Menschen passieren können“. Ja. Das war es. Und er konnte verstehen, warum sie verärgert war, ohne sich dabei schuldig zu fühlen. Er hatte es nicht gewusst - und jetzt wusste er es. Einen Moment musste er überlegen, bis er sich sicher war, dass er so etwas wie Mitgefühl verspürte.
Es gab so viele Mädchen, die ausgenutzt wurden und wenn man die alle bemitleiden müsste, würde man nicht mehr fertig werden. Aber bei Amber war es etwas anderes, es fühlte sich anders an, weil er sie bereits ein klein wenig kannte. Zumindest kam es ihm so vor. Trotzdem, im Trösten oder Gut-Zusprechen war er eine absolute Niete und das wusste er. Stattdessen beobachtete er einfach, wie sich Ambers Gesichtsausdruck, ihre ganze Ausstrahlung, erneut veränderte.

Als sie mit einem Pflaster zu ihm trat, hätte er beinahe gelacht, seine Miene hellte sich auf und das schiefe Lächeln huschte wieder über sein Gesicht. Er hatte es ja herausgefordert, mit seiner überdeutlichen Anspielung auf seine ach so schwere Verletzung. Und vielleicht hatte er dabei auch den Hintergedanken gehabt, dass sie ein bisschen näher kam. Nur ein kleines Stück.
Während Amber sprach, sah er ihr in die Augen. Auch wenn sie wieder einen Schritt zurück gewichen war, nachdem das Pflaster über den Kratzern klebte, war sie näher als vorher. Wenn du mir vertraust… Oh ja, ihm war die Zweideutigkeit bewusst. Ob der Satz nun auf den vorherigen anspielt oder nicht, da wollte er sich eigentlich nicht so genau festlegen. Eigentlich. Aber wenn sie schon unbedingt nachfragen musste…
Er suchte nach den richtigen Worten und blickte ihr dabei immer noch in die nahezu schwarzen Augen. Schlechte Idee.

    „Also… Wenn du willst, dann - ähm…“

Verdammt! Wann war es ihm zuletzt passiert, dass er mitten im Satz den Faden verlor? Erst denken, dann reden! Und am besten er sah erst einmal woanders hin, um sich nicht in diesem Blick zu verfangen. Doch das ging nicht. Erst als sie zustimmte, dass er sie nach Hause bringen konnte, schaffte es Kjetil, den Blick von ihren Augen zu lösen. Er räusperte sich kurz und riss sich wieder zusammen. Peinlich.

    .oO(Und so.)

Das musste sie doch selbst merken! Aber vielleicht tat sie es ja. Ganz bewusst. Verwirrend… ja, sie war verwirrend. In Kjetils Augen blitze es auf, während er es zuließ, dass er ihre Worte einfach so auffasste, wie er wollte. Das konnte ihm niemand übel nehmen, auch nicht die mahnende Stimme in seinem Kopf, die immer leiser wurde.
Jetzt war er wieder ganz der Alte, er dachte gar nicht mehr an das Zögern vorhin.

    „Das kannst du dir aussuchen. Wenn du mir vertraust - auch nur ansatzweise - dann darfst du im Gegenzug alles andere bestimmen. Auch, wie das mit dem Vertrauen gemeint war.“

Das war wieder nicht besonders aufschlussreich und das gefiel ihm gerade. Wenn Amber damit zurecht kam, dann hatte sie damit offiziell bestätigt, dass es mit ihr… interessant werden konnte. Interessant. Das Wort gefiel ihm. Sie war interessant und er allemal. Also warum nicht? War doch nichts dabei. Nur ein junger Mann, der ein Mädchen nach Hause begleitete.
Kjetil warf einen kurzen Blick über die Schulter und blickte Amber dann wieder an.

    „Wo wohnst du denn? Ich folge dir einfach, okay? Ganz unauffällig.“


Wieder dieses charmante Lächeln, der leicht schief gelegte Kopf, das Blitzen in den Augen. Dieser Tag könnte wirklich noch richtig… interessant werden.



[bei Amber | redet (wieder mal :’D)]
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BeitragThema: Re: Den Tod im Genick   Mo Mai 09, 2011 8:10 pm

Amber spürte den eingehenden Blick des jungen Mannes auf sich. Was er wohl dachte wenn er sie ansah? Was er dachte wenn er in ihre Augen blickte, ihre Stimme hörte..? Dumm Gedanken, dumme Fragen und dennoch waren sie so interessant…
Amber war sich nicht sicher ob sie wollte dass er sie toll fand oder ob es ihr lieber war wenn er sie doof fand, aber die erste Idee schien doch deutlich besser zu sein. Es gefiel ihr wie der Fremde sie musterte, wie sein Blick auf ihr ruhte. Es tat gut so angesehen zu werden ohne die Begierde in den Augen des Mannes zu sehen. Sie sah wie seine Mundwinkel zuckten, wie er den Kopf schüttelte, wie um einen lästigen Gedanken zu verscheuchen. Wie er die unverletzte Hand in die Hosentasche schob…
Verdammt, warum bekam sie das alles mit? Normalerweise bemerkte sie nicht jede Bewegung eines Menschen. Achtete nicht auf alles was er tat. Normalerweise… war er normal? Eher nicht, also durfte sie das, jawohl!
Bei ihrer heftigen Reaktion bemerkte sie immer noch das er fasziniert wirkte, dass er die Augenbraune hochzog. Verdammt, sie sollte ihn nicht so beobachten.. sie sollte es einfach nicht tun.. er war fremd, er war ein Typ und eigentlich.. vollkommen ungefährlich. Er wirkte so nett und freundlich…
Ja, sie vertraute ihm, was auch immer er sagte, sie glaubte irgendwie nicht dass er gemein oder böse war..!

Sie sah das ‚beinahe Lachen‘ in seinem Gesicht als sie mit dem Pflaster zu ihm trat, wusste dass es eigentlich dumm war, dumm und verrückt, aber so war sie nun mal… Daran würde auch ein seltsamer Typ nichts ändern.
Sein Blick jagte ihr einen Schauer über den Rücken. Diese Augen, wie er in ihre blickte als könne er nicht glauben was er da sah, als würde er nicht loskommen… Einige Augenblicke schaute sie zurück, versuchte etwas zu sehen in seinen Augen, doch dann riss sie sich los, wollte nicht wie eine Süchtige wirken, die nicht mehr von seinen Augen loskam.
Kurz lachte sie als er etwas sagte und dabei ziemlich ins Stottern kam. Es war echt interessant zu sehen wie ein so cooler und lässiger Typ ins Stottern kam, den Blick nicht abwenden konnte. Fieberhaft überlegte Amber ob ihr nicht irgendwas Gemeines einfiel was sie hätte sagen können, einfach irgendwas, doch es wollte nichts in ihren Kopf.
Als Kjetil den Blick abwandte schien es als würde etwas fehlen. Amber fühlte sich plötzlich klein und unbedeutend. Hatte sie nicht eben noch gedacht wie schön es war wenn er sie betrachtete? Ja verdammt, denn so fehlte offensichtlich etwas. Sie hätte es ihm gerne gesagt, wäre auf ihn zugegangen um in seinen Armen zu liegen. Verdammt, erst jetzt wurde ihr bewusst wie einsam sie all die letzten Wochen gewesen war. Vielleicht würde er länger bleiben, vielleicht würde er irgendwie.. ein wenig länger bei ihr bleiben. Wer wusste das schon?
Plötzlich klang seine Stimme anders als zuvor. Wertvoller. Sie blickte ihn an, musterte seine Gesichtszüge. Hoffentlich würde er ein wenig bleiben…
Seine Worte waren… seltsam. Sie sollte sich also aussuchen wie das gemeint war..? Ein Lächeln umspielte ihre Lippen.

„Okay.. vorerst denke ich.. wenn ich dir vertraue begleitest du mich nach Hause.. was ich später denke.. weiß ich jetzt noch nicht..“

Sie lachte. Es klang sanft, hell und irgendwie.. anders als sonst. Vielleicht freier, weil er da war. Vielleicht schöner. Sie wusste es nicht, aber es war ganz definitiv ihr Lächeln!
Sie sah ihm zu als er einen Blick über die Schulter warf, dann zu ihr schaute, wie seine Lippen sich bewegten als er sprach. Abermals lachte sie kurz auf, dann erlosch das laute Lachen und sie lächelte nur noch.

„Meinst du nicht es ist weniger auffällig wenn du einfach neben mir gehst? Normalerweise denken die Leute eher etwas wenn ein Typ einer jungen Dame hinterher läuft.. oder siehst du das anders?“

Ein freches Lächeln verzog ihre Lippen. Tja, jetzt brauchte er eine gute Antwort. Aber stimmte es nicht wirklich was sie sagte? Dachten Leute nicht eher über einen jungen Mann nach der ein Mädchen verfolgte als über ein Paar was durch die Straßen lief?
Wieder setzte er sein Lächeln auf, legte den Kopf schief. Wieder war da dieses reizende Blitzen in den Augen. Verdammt, anscheinend wusste der Typ was wirkte… sicher schon Amber sich eine Haarsträhne zurück, blickte kurz zu Boden und dann in seine Augen. Ja, er reizte sie durchaus. Ob das jeder getan hätte der in diesem Moment hier war wusste sie nicht, aber dieser.. Kjetil hatte etwas Besonderes an sich, etwas das sie verzauberte.

„Komm einfach mit.. es ist nicht so weit… und wir müssen in diese Richtung..“

Amber streckte die Hand auf, deutete wage hinter Kjetil. Ja, irgendwo da mussten sie hin, wenn sie sich nicht täuschte. Sie ging auf ihn zu, stand vor ihm, streifte kurz seine Hand, lächelte sanft, blickte ihn allerdings nicht an. Mutig und frei, irgendwie war sie das, auch wenn die Worte dumm klangen. Tja.. irgendwie war es seine Schuld, er wollte ja mit kommen.
Einige Sekunden stand sie so, bloß ganz kurz, dann ging sie los, ging in die Richtung in der ihre Wohnung sein müsste. Ihre kleine Wohnung.. sie war unauffällig, aber ziemlich heile.. dafür dass sie dort alleine lebte war echt alles okay und sie lebte ja auch noch…
Ja, ihr kleines Heim war unauffällig und gut.. getarnt wenn man es so nennen konnte… Die Leute die dort wohnten bewachten alles, eigentlich hatte sich bis jetzt noch niemand getraut dort einzusteigen, vor allem weil die Leute die unten wohnten nicht so wenige waren.. es schien immer so als würde mindestens einer wach sein um zu kontrollieren wer ins Haus kam. Es gefiel Amber zwar nicht immer beobachtet zu werden, doch es war besser als abgemurkst zu werden. Sie blickte sich kurz um, ging dann auf eine Straße zu, folgte ihr bis zu einem halbwegs heilen Häuschen. Die Straße wurde immer schöner, wenn man das schön nennen konnte, zumindest wurde sie ordentlicher und sauberer.
Natürlich waren die Leute denen das Haus gehörte da, doch das war Amber egal, sie wohnte ja oben. Ein Lächeln erschien auf ihrem Gesicht. Die Gegend in der sie wohnte war echt okay, halbwegs sauber, halbwegs sicher.

„Kjetil..“

Sagte sie, blickte zu dem Fremden. Dieser Name.. er klang so schön, so fremd.


[bei Kje // redet und deeenkt // geht zu hrem Häuschen // (ich bin ein Freak und denke mir viel zu viel aus.. Very Happy ) ]
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