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Willkommen bei Lucian,

ein Jahr Lucian! Ein Jahr kann so kurz sein und dieses war definitiv kurz. Nun sind wir also schon ein Jahr alt und wollen dies mit einem neuen Style feiern. Herzlichen Glückwunsch, Lucian!
Hintergrund: ALice Faux / deviantart
Header: phatpuppy / deviantart



Liebe Grüße
die Spielleitung

Gründung: 22. Januar 2011

Eröffnung: 08. Februar 2011

Rollenspielstart: 16. April 2011

Mitgliederübersicht::
Begleiter: 5
Menschen: 4
Begleiter ohne Mensch: 1

Erste Mitglieder: Raven, Merle, Freya
1. Kapitel: Den Tod im Genick

Jahreszeit
Herbst

Wetter
Sonnenschein, es ist Nachmittag. Der Himmel ist stark bewölkt. Es sieht ein wenig nach Regen aus. Es ist windstill. 13-15°C

Tageszeit
Nachmittag (circa 15 Uhr)

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 Den Tod im Genick

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AutorNachricht
Heath

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Gruppe : Wissender
Alter Charakter : 26
Größe : 1,85 m
Gewicht : 82 kg
Besonderheiten : Strohhut,Dolch (am Gürtel), Barfuss

BeitragThema: Re: Den Tod im Genick   Mo Mai 09, 2011 11:08 pm

Langsam wurde er ungeduldig. Dabei hatte er diese Idee doch noch gar nicht so lange und Liv hielt ihn auch nicht wirklich auf! Aber er wollte zurück in diese andere Welt. Er wollte fliehen, wo der Realität, obwohl das gar nicht möglich war. Er wollte sich einfach nur auf seine Sinne konzentrieren und über seine Fantasie wie eine Wolke hinweg schweben über alles, was er hasste. Nein, was er wirklich wollte war, wieder so zu sein wie früher. So richtig fröhlich. Klar, er lachte. Klar, er lächelte. Klar, ihm ging es gut, aber früher, da war die Freude in seine Herzen, da applaudierte sie noch. Jetzt nicht mehr. Jetzt waren die dunklen Tage angebrochen, doch schon so lange. So unendlich lange. Konnte es nicht einfach aufhören? Träumte er vielleicht? Oh, bitte, möge er doch träumen! Möge er doch im nächsten Moment aufwachen und feststellen, dass er ein ganz normaler Mensch wäre, mit einer wunderschönen Freundin. Kein Krieg vor Augen, keinen Tod, der sich an dir festklammert. Und die Schauspielerei. Ja, die sollte es noch geben. Es war im Grunde der einzige Halt, den er noch hatte. Der einzige Strang, der zu seinem alten Leben führte. Und er hatte es verlernt. Er hatte es einfach verlernt. Er hatte nicht mehr diesen starken Bezug und die Kraft und das Können. Sein altes Leben entglitt ihn Tag für Tag, doch bisher war ihm das noch nicht aufgefallen. Und da kam ein junges, zynisches, leicht fieses Mädchen angetanzt und schaffte es innerhalb von wenigen Minuten ihm die Wahrheit über sein Leben zu offenbaren. Was war er doch für ein Idiot!

Perplex musste Heath feststellen, dass Liv ihn betrachtete. Er musste sich ein Lächeln verkneifen. Manchmal war sie für ihn das kleine Mädchen, manchmal die erwachsene Frau. Ein wandelbares weibliches Wesen! Wie ein Chamäleon. Und er kannte sich gerade mal ein paar Minuten! Doch waren sie nicht alle Schauspieler? Alle Menschen? Betrog und log man nicht immer wieder seine Zeitgenossen an, ohne es zu merken? Mit Mimik, mit Gestik? Ja, so war es. Die Schauspielerei lag im Blut eines Jeden, doch viele schienen davon nichts zu wissen. Denn der Schauspieler selber, der diese Kunst im vollen Bewusstsein vollführte, der konnte sich verstellen, ohne, dass es dafür einer bestimmen Situation bedurfte. Kurz gesagt: Ein jeder war Schauspieler, doch die Menschen, die diesen Beruf ausübten schafften es, dies bewusst zu tun, während die Anderen es nicht realisierten.
Heath wollte sich nicht länger mit seinem ehemaligen Beruf beschäftigen. Er wollte Rache an Liv nehmen und sie nun auch mal richtig unter die Lupe nehmen. Sie war kleiner als er, reichte ihm gerade mal bis zur Schulter. Sie wirkte zierlich, wie eine Elfe, wie ein Engel. Ein dunkler, schwarzer Engel. Ja, sie war dunkel. Ihre Mimik, die immer düster wirkte und doch so weich. Ihre Augen, matt, glanzlos, abwesend. Eine unbeschreibliche Leere lag in ihnen. Die Augen. Man nannte sie Seelenspiegel. Man sollte aus ihnen lesen können, doch bei Liv schien es, als schwimme man in einem dreckigen Tümpel. Ob es so wohl in ihr aussah? Dreckig, verwirrend? Doch wenn sie zuließ, dass dieser seltsame Schleier sich von ihren Augen löste, so waren sie rehbraun. Ein wirklich schönes braun, aber es passte nicht so recht in das gesamte Erscheinungsbild von Liv. Ihr Kleidungsstil war nun wirklich nicht Heaths Geschmack. Ebenso dunkel, wie die Stadt. Ebenso düster, wie ihre Mimik. Alles an Liv schien sich zu widersprechen, wenn man es einzeln betrachtete, doch zusammen bildeten diese Puzzleteile eine junge, selbstbewusste, zynische Frau, die doch liebenswert war. Denn wenn man es einmal schaffte, aus ihre die freundliche Seite zu locken, so war das wohl das größte Geschenk.

Livs Stimme erklang. Ein murmeln. Sie dachte wohl laut. Neugierig hob Heath eine Augenbraue. Eine „notorische Lügnerin“. Na, das erklärte so einiges. Heath wusste nicht recht, was er darauf antworten sollte. Bisher hatte man ihm gesagt, was er sagen musste oder aber, er machte gar keinen Gebrauch von seiner Stimme. Es war so lang her, dass er mal wirklich seine Worte überdachte. So lange her...
Vielleicht wurde es mal wieder Zeit. Liv gab ihm die Chance ein anderes Leben zu beginnen. Er könnte auch in fremde Häuser einsteigen und fremde Leute begrüßen und mit diesen Fremden reden. Oder aber er würde von ihnen bedroht werden. Tja, er hatte seinen Dolch. Er hatte Erfahrung. War ja schließlich nicht mehr der Jüngste.
Heath bemerkte, wie Liv auf ihrer Unterlippe kaute. Hatte sie das nicht schon öfters getan? Für ihn war das ein Zeichen von Nervosität und das bedeutet wiederum, dass er nichts sagen würde. Er wollte sie nicht noch mehr verwirren oder nervöser machen. Das konnte man auch noch irgendwann anders machen.

Liv entzog Heath ihren Arm. Zurück blieb ihre Wärme. Zurück blieb die Tatsache, dass sie irgendwie Vertrauen in ihn hatte. Es war nur eine kleine Geste gewesen, aber sie beweiste, dass in Liv noch immer ein Mensch schlummerte, der Sicherheit und Zuneigung wollte. Sie schlenderte neben Heath her, welche ebenfalls die Hände in die Taschen gesteckt hatte. Er führte sie, ohne sie zu berühren. Ob sie wohl wusste, wo es lang ging? Beide schwiegen. Es war kein peinliches Schweigen. Es war einfach nur die Stille. Heath interpretierte daraus, dass sie genug gesagt hatten. Er hatte keine Lust irgendwie ein Gesprächsthema anzufangen, von welchem er womöglich nicht einmal das Ende wusste und wenn Liv ihm etwas von ihrem Leben hätte erzählen wollen, so wäre das wohl längst gestehen. Deswegen schwieg Heath. Er spürte die Kälte an seinen Füßen, die ihm nichts ausmachte, spürte den kühlen Wind, welche zischend an den Ecken der Häuser zerrte. Irgendwie machte dieses Wetter eine melancholische Stimmung.

Liv hatte doch noch etwas gefunden, dass es zu Klären galt. Heath wollte stehen bleiben, um nicht unhöflich zu wirkten, doch die junge Frau ging weiter und so setze auch der Blonde seinen Weg fort. Er hörte zu. Er sagte nichts. Er zeigte auch keine Regungen auf seinem Gesicht. Er wirkte, als würde immer noch das Schweigen zwischen den Beiden herrschen. Liv legte immer wieder Pausen ein, als wartete sie darauf, dass Heath etwas sagte, doch er tat es nicht und bis zum Schluss erwiderte er auch nichts, doch letztendlich konnte er nicht anders: Er lachte. So voller Freude, wie früher einst.
Automatisch blieb er stehen. Die Hände waren immer noch in den Taschen, die Augen zusammen gekniffen. Es war ein befreiendes Lachen.

“Keine Sorge, Liv, ich halte dich nicht für mein Adoptivkind.“

sagte Heath, nachdem er sich wieder eingekriegt hatte.

“Cowboy und... äh... schwarzes Etwas gehen jetzt Äpfel pflücken... mhm... gut, dass hört sich so an, als wärst du ein kleines Mädchen und ich dein Opa... nein, damit will ich mich nicht abfinden.“

Ein Lächeln stahl sich auf seine Lippen.

“Ich will dich zu nichts zwingen. Du bist frei. Tu, was du nicht lassen kannst.“

Heath lächelte noch immer. Wenige Worte, wie fast immer. Wenige Worte, die ihre Wirkung aber hoffentlich nicht verfehlten.


[bei Liv | denkt | betrachtet sie | geht | denkt | hört zu | redet]

Zeitlicht nicht ganz richtig, aber egal^^

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BeitragThema: Re: Den Tod im Genick   Di Mai 10, 2011 10:13 pm

Gleiches wird mit Gleichem vergolten. Das musste Liv unbehaglich feststellen als sie Heaths Blick auf sich spürte. Es war ein langer Blick, genauso lange wie ihrer gewesen war – vermutete sie zumindest. Denn es kam ihr viel länger vor. Das Mädchen war es nicht gewohnt, auf diese Art und Weise gemustert zu werden. Meistens waren es nur kurze abwertende Blicke, gefolgt von einem verächtlichen Kopfschütteln. Aber er schien sie wirklich nur auf eine Art anzublicken, wie man eben jemanden anderen mustert. Jemandem vom anderen Geschlecht, wie sie irgendwo in ihrem Hinterkopf zufrieden feststellen musste. Sie bemerkte aus dem Augenwinkel, dass er besonders lange eben genau dort mit seinem Blick verharrte. An ihrer Iris.
Sie musste selbst zugeben, dass sie ihre Augen, wenn sie sich im Spiegel sah, verwirrend fand. Sie würde sich selbst keine drei Sekunden direkt in die Iris sehen können. Doch anscheinend konnte Heath das problemlos. Sie musste ihm wirklich Respekt zollen, zumindest in diesem Punkt.

Livs Augen zuckten aufmerksam in jede Gasse. Jede Bewegung bemerkte sie und ihr Blick folge ihr, bis sie wusste, dass es nichts war, dass ihr gefährlich werden konnte. Trotzdem, dass ihre Iris ständig in Bewegung war während ihre Lider immer wieder zu einem Blinzeln nach unten zuckten – in etwa fünf sekündigen Abständen - wirkten ihre Augen starr und unbewegt. Es begann kühl zu werden. Eine leichte Brise kam auf und sie packte Liv an den Haaren und wirbelte die Strähnchen durch die Luft, sodass sie sich an ihrer Schulter kräuselten wie sich windende Schlangen.
Die Kälte machte ihr nichts aus, sie passte zu ihr. Und es war angenehm, dass die Sonne sich nicht so sengend blicken ließ.
Ein neuerlicher, diesmal kräftigerer Windstoß warf ihre Haare nach hinten, sodass sie vollständig über ihren Rücken vielen und keine Strähnen mehr über ihre Schulter hingen. An der Seite, an der Heath Stand, wurden ihm die Hälfte ihres Langen Schopfes gegen den Arm geworfen.
Liv hatte gut Lust, in den Wind zu schreien, dass er gefälligst ihre Haare in Ruhe zu lassen hatte. Das tat sie manchmal wirklich, in ihrer Einsamkeit. Aber jetzt wollte sie sich nicht aufführen wie ein kleines Kind und würde einfach die Strähnen wieder dorthin streichen, wo sie hingehörten, ohne einen Laut und ohne eine Äußerung dazu.
Die verlegten Haare waren schnell geordnet und sie konnte sich noch voll und ganz auf das Lachen konzentrieren, das über Heaths sich kräuselnde Lippen kam. Das Lachen war schön, es klang frei, als wäre es der Aufschrei, bevor ein großer Adler sich in die Luft erhob um der Sonne entgegen zu fliegen.
Sie stimmte ein, wenn auch nur leise. Ihr Lachen klang brüchig. Sie hatte lange nicht mehr gelacht. Es tat ihr beinahe in der Kehle weh und sie verspürte einen Hustenreiz, doch sie fühlte sich genauso frei wie ein Vogel, der durch die klare Morgenluft schoss. Liv hörte noch vor dem Blonden auf, leise zu kichern, auch wenn sie später angesetzt hatte. Ein seltsames Gefühl. Es war dumpf, aber trotzdem irgendwie vorhanden, hinter dem Schleier aus Taubheit.
Sie merkte erst, als sie ihn wieder ansah, dass sie beide stehen geblieben waren. Sie legte den Kopf leicht schief und lauschte auf seine Worte, die sie einerseits amüsierten und ihr andererseits eine tiefe Falte auf die Stirn malten.

Sie konnte das Misstrauen einfach nicht ablegen. Spielte er das jetzt nur? Sagte er sie wäre, frei, damit sie bliebe und er sie schließlich doch einsperren konnte? Sie wusste nicht, warum sie sich davor fürchtete. Er hatte keine bösen Absichten, dafür brachte sie keinen Argwohn auf.
Er wollte sie also, selbst wenn dieser Respekt nur vorgespielt war, trotzdem nur beschützen.
Sie schüttelte den Gedanken ab um ihn nicht damit zu Ende zu führen, dass es daher kommen könnte, dass sie früher keinen Schutz gehabt hatte und er sie jetzt einengen, oder gar erdrücken würde.

Stur versuchte das Mädchen sich einfach auf seine Sätze an sich zu konzentrieren, anstatt auf den Umstand ob sie nun wahr waren oder nicht. Außerdem erkannte sie Lügen und sie hatte keine Anzeichen dafür in seinen Zügen gesehen! Und sie redete sich einfach ein, dass auch Schauspieler keine perfekten Lügner waren. Perfekte Lügner gab es nicht, außer vielleicht sie selbst.

Leichte Zweideutigkeit hatte in seinen Worten gelegen, wie sie feststellen musste. Zumindest, wenn man sie auf ihren letzten Satz – die Sache mit dem BH bezog. „Tu was du nicht lassen kannst“´. Ob ihm das überhaupt bewusst war? Sie zuckte mehr zu sich selbst die Achseln und konzentrierte sich auf eine Antwort bis ihr mit einem Schlag klar wurde, dass man das nicht mit Worten beantworten konnte, zumindest nicht sehr gut. Liv war niemand, der gerne mit Gesten sprach. Normalerweise blieb sie reglos, kaum Mimik keine Bewegungen mit den Händen und Armen, außer vielleicht gelegentlichem Schulterzucken. Mit dieser Aalglattheit viel einem das Lügen leichter. Doch Liv wollte in diesem Moment nicht lügen und sie wusste auch gar nicht wie. Wo ihr doch normalerweise in jeder Situation tausend Geschichten durch den Kopf schossen, die sie ihrem Gegenüber auftischen konnte.

Liv stand in einem Abstand von etwa einem Meter zu Heath, vorher war sie dichter bei ihm gewesen, doch dadurch, dass er früher stehen geblieben war und sie sich noch umdrehen hatte müssen, hatte die Distanz sich vergrößert.
Die Schritte halten Liv in den Ohren, während sie zum ersten Mal auf jemanden zu ging, anstatt zurück zu weichen. Knapp vor ihm blieb sie stehen. Die Achzehnjährige musste den Kopf leicht in den Nacken legen, um ihn ansehen zu können, doch in diesem Moment machte es ihr nichts aus. Der Schleier blieb leider vor ihren Augen, sie hatte ihn schon zu oft vertrieben, als dass er seinen Platz noch einmal räumen würde, also starrte sie eher durch ihn hindurch.

„Heath, du bist schwer in Ordnung.“

Es waren keine großen Worte, mit großer Hinterbedeutung, sondern einfach nur das was sie sagte. Sie streifte mit den Fingern kurz seinen Daumen, einfach um ihm kurz näher zu sein und um eben ihre Taten sprechen zu lassen.
Nach ein paar Augenblicken, nach einem Blinzeln, wich sie wieder einen Schritt zurück, wie um auf Sicherheitsabstand zu gehen um keine Ohrfeige zu fangen. Alte Angewohnheit aus alten Zeiten, genauso wie das auf ihrer Lippe herum kauen.

„Holen wir uns Äpfel, auf das sie nicht von Hexen vergiftet wurden…“

Meinte sie mit nicht böse gemeintem Sarkasmus in der tonlosen Stimme.


[bei Heath || ärgert sich über den Wind || bleibt stehen || tritt zu Heath und spricht || berührt ihn kurz]
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Kjetil

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BeitragThema: Re: Den Tod im Genick   Do Mai 12, 2011 3:11 pm

Freaky like me
Freaky like me
Freaky like me-me-me…


Aus einem unerfindlichen Grund ging Kjetil das Lied durch den Kopf. Er hatte es sich mehrere Mal angehört, als er einmal das Handy irgendeines Typen mitgehen hatte lassen. Gestört hatte es den Kerl wohl kaum - weil er ziemlich tot gewesen war. Ziemlich tot. Diese Beschreibung konnte auch nur von ihm kommen. Dieser Ziemlichtote war ganz offensichtlich von irgendwelchen Pennern um sein Erspartes erleichtert worden (Gut, er WAR tot gewesen). Das Handy hatten sie aber übersehen. So war es in Kjetils Besitz gelangt, wo es blieb, bis der Akku verbraucht war und es sein neues Zuhause in einer Mülltonne gefunden hatte.
Bis dahin hatte er sich zwar den einen oder anderen Klingelstreich erlaubt, hatte einen der Kontakte angerufen und ihm fröhlich mitgeteilt, dass der Besitzer des Handys tot war, etwas in der Art. Nein, wirklich einfühlsam war er nicht (zu seiner Verteidigung muss gesagt werden, dass dieser Vorfall schon ziemlich lange her ist, in der Zwischenzeit würde er so was nicht mehr tun... Vielleicht auch doch).
Von diesen fraglichen Telefonstreichen abgesehen, hatte er sich aber auch die Lieder durchgehört, die auf dem Handy abgespeichert waren. Die meisten waren nichts für ihn, aber dieses eine… das war ihm bis heute im Gedächtnis geblieben und lief dort nahezu ununterbrochen, manchmal mehr und manchmal weniger deutlich, als Ohrwurm ab. Den Text verstand er selbstverständlich nicht, auch wenn er ein wenig Englisch beherrschte, doch hatte er sich nie die Mühe gemacht, bei den Strophen genauer hinzuhören. Dass das Wort freaky gut auf ihn passte, da war er sich allerdings sicher.

I know you like it when I put my hands like that
Whisper in your ear, tell me how you like that…

Wow. Ein klein wenig… anstößig, wie ihm plötzlich auffiel, wenn er den Text genauer durchging. Hm, vielleicht sollte er sich die ganze Übersetzung mal irgendwo besorgen…
Unsanft brachte Amber ihn ins Hier und Jetzt zurück. Was hatte sie gerade gesagt? Mist. So sehr schweifte Kjetil sonst nicht mit den Gedanken ab… Er bemühte sich um einen möglichst intelligenten Gesichtsausdruck, um sich nicht anmerken zu lassen, dass er für ein paar Sekunden nichts mitbekommen hatte.
Stopp, sie hatte irgendetwas gefragt.

    .oO(Großer Gott, lass es eine rhetorische Frage gewesen sein…)

Hey, Moment mal. Seit wann interessierte es ihn nochmal so, was jemand von ihm dachte? Sollte sie ihn doch für einen Freak halten. Freaky. So wie er eben war. Also zuckte er nur mit den Schultern - ha! Eine gute Antwort, die passte immer - und passte jetzt besser auf, was sie sagte.
Komm einfach mit. Schulterzucken war wirklich eine gute Antwort. Das musste er sich merken. Er warf einen kurzen Blick über die Schulter, als Amber ihm die Richtung wies. In dieser Richtung lagen die „richtigen“ Häuser - sprich Häuser, in denen wirklich jemand wohnte, der sogar noch mit der Miete nachkam.
Etwas streifte seine Hand, sein Blick zuckte zur Seite und blieb an Ambers Profil hängen. Kurz konnte er sie so betrachten, bis sie weiter schlenderte. Einen Moment ein wenig benommen schüttelte Kjetil den Kopf, dann schloss er zu ihr auf und grinste schon wieder. Dann ließ er den Blick aus reiner Gewohnheit nach links und rechts schweifen. Wenn man nicht Acht gab, nicht beobachtet zu werden, endete man irgendwann genauso wie der Typ, dem er das Handy abgenommen hatte. Und gerade im Augenblick war er ein klein wenig abgelenkt.
Mit jedem Schritt schien die Straße ein klein wenig heller, freundlicher zu werden. Kjetil fühlte sich aber wenn, dann eher unbehaglicher. Hier trafen die beiden Seiten aufeinander - Schatten und Licht, wenn man es ganz poetisch ausdrücken wollte. Und er merkte immer mehr, dass das hier nicht seine Seite war. Lange schon war er nicht mehr so weit an den Rand des Armenviertels vorgedrungen und obwohl er lange nicht so heruntergekommen und verwahrlost wirkte, wie die meisten in der Gegend, die er als sein Zuhause ansah, war er hier doch… irgendwie fremd. Seltsames Gefühl.

Als sie bei einem kleinen Haus ankamen, zuckte Kjetils Blick von Amber zu dem Häuschen und wieder zurück. Hier also wohnte sie. Na ja, was hatte er anderes erwartet? Auch wenn das Haus fast unscheinbar war, ging so etwas wie Geborgenheit davon aus. Etwas, das er nicht mehr gewohnt war, nicht in dieser Art. Für ihn war eine Mülltonne gemütlich und eine Katze ein guter Gesprächspartner. Das hier… hm. Er konnte es nicht genau erklären, doch war es ganz einfach nicht sein Leben. Würde es nie sein.
Gott, warum dachte er jetzt über so etwas nach?! Das Haus und die… Helligkeit würde ihn schon nicht auffressen. Er blieb ja nicht für den Rest seines Lebens hier oder so. Nur ein kleiner Besuch, etwas in der Art. Besuch? Eigentlich wollte er sie ja nur nach Hause bringen… Unschlüssig kaute Kjetil auf seiner Lippe herum, als er seinen Namen hörte und fragend zu Amber blickte. Einfach nur Kjetil.

    „Höchstpersönlich.“

Bestätigte er und lächelte schief.
Er hatte sich noch nie mit einem seiner Namen… identifiziert, wenn man es so nennen konnte. Es waren nur aneinander gereihte Buchstaben, die einen Klang ergaben, den manche als schön und andere als weniger schön empfanden, je nachdem, was sie damit assoziierten. Schwieriges Wort.
Am ehesten hatte er noch Chester als seinen „richtigen“ Namen gesehen… das war der erste gewesen, den er irgendwo aufgeschnappt hatte, kur nachdem er aufgewacht war. Damals. Irgendwie war er zu seinem Zweitnamen geworden, wobei sich der erste von da an immer verändert hatte. Aber man konnte sich erst dann mit einem Namen verbunden fühlen, wenn jemand ihn aussprach und einen dabei ansah.
Kjetil legte den Kopf leicht schief, wie es seine Angewohnheit war, während er nachdachte, ob er nachfragen sollte, ob er noch mit rein kommen konnte. Es war nie ein wirkliches Wort darüber gefallen, ob er sie nur begleiten durfte. Aber er hielt Amber durchaus für so konsequent, dass sie es sagen würde, sollte er verschwinden.

    „Ladies first.“

Mit einer Hand schob er die Tür auf und ließ Amber eintreten, bevor er sich noch einmal kurz auf der Straße umsah und ihr dann ins Innere des Hauses folgte.

Wie lange war es her, dass er sich in einer Wohnung befunden hatte, die noch halbwegs in Ordnung war? Gut, auch die hier war nicht völlig intakt, doch war es keine vollkommene Bruchbude. Aber im Ernst, wie oft hatte er überhaupt schon Gelegenheit gehabt, sich in einem halbwegs heilen Gebäude umzusehen? Da war dieses eine Mal auf der Polizeistation gewesen (dank seiner Künste im Herausreden und Treuherzig-schauen war es kein sehr langer Aufenthalt geworden), sowie die paar Male, in denen er irgendwo eingebrochen war. Das war aber auch nur am Anfang gewesen, als er sich noch nicht so gut auf der Straße zurecht fand. Mit der Zeit konnte er darauf verzichten, da er es als erniedrigend empfand, in Häuser von Fremden einzusteigen, die doch auch fast genau so wenig besaßen wie er.
Kjetils Blick wanderte kurz über die schlichte, nicht ganz unversehrte, aber teils richtig bequeme Einrichtung. Und hell. Er konnte nicht umhin, einen Moment das Gesicht zu verziehen. Nein, er mochte die Helligkeit nicht. Das war nichts Persönliches, das gegen Ambers Einrichtungsstil sprechen würde oder so, es war einfach seine Macke: Das Freundliche, in dem sich normale Menschen geborgen fühlten, ließ ihn unruhig werden. Normale Menschen. Da hatte man ja auch schon das Schlüsselwort. Auf die Schnelle konnte er zwei Türen entdecken, die wohl in Nebenzimmer führten. Davon abgesehen Tisch, Stühle, Regale, Sofa, … nichts Spektakuläres. Auf einen normalen Menschen hätte es wohl richtig anheimelnd gewirkt.
Während Kjetil das Zimmer begutachtete, streifte er sich die abgetragenen Schuhe von den Füßen und kickte sie nachlässig in eine Ecke. Dann blickte er zu Amber und schürzte die Lippen.

    „Jetzt hast du also den bösen Wolf ins Haus gelassen… Pass bloß auf, dass er dich nicht frisst.“


…freaky like me-me-me…



[geht mit Amber zu ihrem Haus | jetzt mit ihr in der Wohnung | mein kleiner Freak :’D]
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Freya

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Größe : 1,72 cm
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BeitragThema: Re: Den Tod im Genick   Do Mai 12, 2011 10:47 pm

Der schwarze Vogel saß auf einer Regenrinne und starrte auf die zwielichte Straße. Nur ein einzelnes menschliches Wesen war darauf zu sehen, die Sorte Mensch mit meist langen Haaren, weichen Gesichtszügen und welche meist kleiner waren als die anderen. Die die auch öfter mal Steine nach dem Vogel warfen und mit sämtlichen anderen Dingen. Der Vögel krächzte, schlug mit den Flügeln und der federlose Zweibeiner drehte sich um und blickte hoch, hoch auf zu dem Dach auf welchem der schwarze Vogel saß. Ihre blassen Lippen verzogen sich, der Vogel kannte diesen Ausdruck, wenn der Mund noch etwas breiter verzerrt wurde warfen die Menschen gleich mit etwas nach ihm, aber so war er meist wenn gleich etwas zu fressen herunter fallen würde. Aber dieser Mensch hob nur seine – leere – Hand bewegte diese leicht hin und her und ging weiter. Verdammtes Menschenpack! - mit diesem Gedanken erhob der Kohlrabe sich in die Lüfte.
Freya blickte dem schwarzen Sonnenbringer nach welcher zu selbiger auf flog. Immer noch zierte ein Lächeln ihre dünnen, fast weißen Lippen. Der Rucksack auf ihrem Rücken war leichter als das es vernünftig gewesen wäre. Die Schwedin dachte zurück an den Moment als ihr Vater sie am Flughafen abgeholt hatte.

Wie oft hatte sie sich diesen Augenblick erträumt, wie er sie in die Arme schließen würde und ihr sagen würde wie sehr er sie vermisst habe. In ihren Gedanken hatte er immer einen leichten Bart gehabt und seine Haare waren auf jeden Fall länger gewesen als ein Streichholzkopf. Pustekuchen! alles war anders gekommen.
Als das Mädchen, mit tiefen Ringen unter den Augen, aus dem Flugzeug gestiegen war, war ihr sofort ein Mann inmitten der Menge aufgefallen. Sein dunklen Haar war fast zu einer Glatze ab rasiert und dort wo bei jedem normalen Mann wenigstens der Ansatz eines Bartes gewesen wäre hatte er nur glatte Haut, mit ein paar dunklen Punkten. Der Mann hatte so grimmig drein geschaut das Freya nur derjenige Leid tun konnte welcher von diesem Mensch abgeholt werden würde. Sie wandte ihren Blick wieder ab um nach dem Mann zu suchen den sie in ihrer Erinnerung als Vater kannte, doch mit zielstrebigem Schritt, und einem Foto vor der Nase, kam der 'haarlose' Mann im Anzug auf sie zu, runzelte die Stirn und steckte ihr das Bild unter die Nase. „Freya Linnéa Talvik?“hatte er gefragt und sie hatte nur geschluckt und genickt. Er hatte sie mit seinen schiefer-grauen Augen angestiert, war auf dem Absatz umgedreht und hatte sie, als sie wie angewurzelt stehen blieb, verärgert hinter sich hergewinkt. Freya war ihrem Vater gefolgt, so als hätte sie einen Besen verschluckt. Im Haus wurde es nicht besser. Sie verspührte seitdem sie in diesem verdammten Flugzeug saß, dieses Ziehen in der Brust, welches sie schon seit so langem begleitete, so viel Stärker das sie erst einmal drei gesamte Tage in der Wohnung welche ihr Vater für sie mietete verbracht. Kaum geschlafen und fast nichts gegessen. Ebenso sah sie dann auch aus als sie das erste mal das riesige Anwesen ihres Politisch äußerst aktiven Vaters betrat. Schon jetzt verabscheute sie es. Es war eines dieser modernen, grauen Betonklötze die zu irgendeiner Zeit förmlich aus dem Boden geschossen kamen und welche man als Luxusvillen bezeichnete. Alles in dem Haus war blitzeblank und auf dem massiven Gestell aus Glas und Metall, welches ihr Vater als 'Tisch' betitelte, stand eine Schüssel mit unechten Früchten. Freya hätte es ohnehin nicht lange ausgehalten, doch das ihr Vater ihr eine Ohrfeige gab, als sie ihm auf irgendeine seiner Fragen keine Antwort gab, machte den Rest. Das Mädchen hatte sich ihren Rucksack geschnappt, ihren Schlafsack dran geschnallt und war mit einer Flasche Wasser, etwas zu Essen und knapp 500 Euro aus dem Haus geflohen.

In diesen Gedanken versunken, war das Mädchen die Straße weiter entlang gewandert und hatte sich darauf konzentriert sich nicht auf den Schmerz in ihrem Brustkorb zu konzentrieren. In der Ferne hörte sie den Raben schreien und überlegte sich wo dieser wohl gerade war, als sie über den Gitarrenkoffer eines Straßenmusikers stolperte. Wie man es so macht, wenn man stolpert, gelang ihr noch ein ungeschickter Schritt und schon machten ihre Knie und Handflächen Bekanntschaft mit dem harten Kopfsteinpflaster, des armen Viertels.
Der Musiker war aufgesprungen und begann sie wild zu beschimpfen, mit Schimpfwörtern, welche hier eindeutig nicht aufgelistet werden sollte. Es ging so in die Richtung 'Verdammte Bitch' und obwohl sich Freya immer wieder leise hauchend entschuldigte begann der Mann nach ihr zu treten. Er war wohl irgendwie schon vorher gereitzt gewesen, und das dieses, doch nicht gerade billig gekleidete Mädchen da gerade über seinen, noch vollkommen leeren Koffer stolperte, brachte das kochende Fass zum übersprudeln.


[allein | in gedanken | stolpert über gitarrenkoffer | wird, am boden liegend, getreten && beschimpft]

occ Drama, Baby, Drama *gg*
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Heath

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Gewicht : 82 kg
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BeitragThema: Re: Den Tod im Genick   Sa Mai 14, 2011 12:23 am

Heath Lächeln verblasste langsam. Auch Liv war stehen geblieben, jedoch etwas entfernt von ihm. Sie schien zunächst nicht bemerkt zu haben, dass der junge Mann nicht weiter laufen konnte. Bemerkenswert war, dass das Mädchen ebenfalls gelacht hatte. Nur leise und viel weniger als er selbst, doch Heath freute sich sehr darüber eine Gefühlsregung auf ihre Gesicht gezaubert haben zu können. Ihr Lachen klang eher so, als hätte sie es lange nicht benutzt. Wie verrostete Zahnräder, die zwar immer noch in einander fasse konnten, jedoch nicht mehr so geschmeidige wir früher und dann und wann mal stockten. Konnte man verrostete Zahnräder wieder reparieren, ohne sie zu ersetzten? Heath hoffte es. Für Liv. Sie sollte nicht mehr ein Schatten der Stadt sein. Irgendwie behagte es dem jungen Mann nicht so richtig. Meine Güte, sie war noch so jung! Er selbst nannte sich jung, obwohl er eigentlich schon viel, viel älter war! Das Äußerliche interessierte bei ihm nicht, aber bei Liv?! Sie schien innerlich und äußerlich gleich zu sein. Sie sollte doch ihr Leben in vollen Zügen genießen. Schließlich hatte sie nicht ewig Zeit, im Gegensatz zu Heath, der nach seiner langen Zeit auf Erden immer noch nicht alles entdeckt hatte. Der Krieg kam nun mal dazwischen und jetzt würde es noch länger dauern, bis er endlich anfangen konnte. Außerdem war er einer der Wissenden. Er musste noch so manch einen Begleiter zu seinen Menschen bringen. Ob Liv wohl davon wusste? Er glaubte nicht. Sie wirkte nicht so.

Das „schwarze Etwas“ – wie er sie liebevoll nannte – kam auf ihn zu. Irgendwie war das komisch. Irgendwie passte es nicht so ganz in die Situation. Irgendwie hätten sie die Plätze tauschen müssen. Er das männliche, dann das weibliche Wesen. So war es doch, oder nicht? Der Mann tat den ersten Schritt. Zur Abwechslung kam nun also die Frau. Besser so. Liv sollte aus sich heraus kommen. Heath wusste nicht, was in ihr vorging. Er kannte ihre Kindheit nicht. Er kannte sie allgemein kaum. Sie hatte schon so viel Ahnung über sein Leben. Er hatte nicht alles gesagt, aber genug. Sie wusste, dass er Schauspieler war, dass er klaute, wo er wohnte, dass er in seinen Beruf nicht mehr so ganz passte. Das war schon viel. Zu viel? Vielleicht, vielleicht auch nicht.
Liv war bei ihm angekommen, hatte den wenigen Abstand zwischen ihnen überbrückt und legte nun den Kopf leicht in den Nacken. Sie wollte Heath in die Augen sehen. Dieser sah seinerseits auf sie hinunter. Wenigstens war der Mann noch immer größer als die Frau, doch warum dachte er über so etwas nach? Schließlich kannte er Liv kaum und verliebt oder ähnliches war er noch lange nicht. Sie wirkte auch nicht so auf ihn.

Was sie sagte berührte Heath mehr, als sie es glauben mochte. Es war so lange her, dass ein Mensch mit ihm so richtig geredet hatte. Es war so lange her, dass jemand ihm sagte, dass er ihn mochte. Es war so lange her, dass man ihn berührte. Liv streifte nur kurz seinen Daumen. Wären ihre Augen nicht so matt, sondern so, wie er es gerne hätte – nämlich normal, ohne diesen Schleier – dann hätte er wohl aus dem Grinsen nicht mehr heraus kommen können. Jetzt jedoch beschenkte er Liv mit einem netten, sehr freundlichen Lächeln, welches nur kurz weilte. Er sollte nicht so verschwenderisch mit seiner Mimik sein!
Liv vergrößerte den Abstand zwischen ihr und Heath kurz darauf wieder. Vermutlich war sie es nicht gewohnt jemand anderem so Nahe zu sein. Heath hätte seinerseits etwas erwidern sollen, doch er wusste nichts. Er schwieg. So war er eben manchmal. Der Herr der wenigen Worte, aber wenn etwas kam, dann war es wichtig und ausdrucksstark.

Liv sprach wieder. Ihre Stimme beruhigte Heath ungemein. Sie zeigte, dass sie noch lebte, dass er noch lebte. Und, dass er nicht in irgendeiner Folterkammer in Ohmacht vor Schmerz gefallen war und nur ganz kurz bei Bewusstsein irgendetwas aufschnappte. Heath schüttelte den Kopf, als könnte er so seine „Gewaltphantasien“ verschwinden lassen.

“Lass uns gehen.“

sagte Heath nur. Ansatzweise war ein Lächeln zu erkennen. Weit entfernt, von dem sonst sehr strahlenden Verziehen des Mundes. Heath wollte Liv berühren. Er verspürte den Drang sie wieder am Arm zu nehmen, doch er konnte es nicht. Sie wirkte manchmal wie eine zerbrechliche, antike Puppe, die man nie, niemals anfassen durfte. Sonst würde sie zerfallen und weg wäre sie. Andererseits war sie auch eine Art Bärenfalle. Wenn man sie berührte, so zerfiel sie nicht, sondern sie verursachte Schaden, Blut und Schmerzen. Deswegen musste Liv kommen und nicht Heath. Letzter ging ein paar Schritte. Die Hände in den Taschen. Er dachte zurück. Zurück, an den Moment, als er Liv in der Tür gesehen hatte, als sie auf seine Matzratze viel, als sie ihn am Arm genommen hatte. Er rief sich das Bild in den Kopf, von dem Wind, welcher mit ihren Haaren gespielt hatte und sie so kindlich und freundlich hatte wirken lassen. Sie war wirklich verletzlich. So unheimlich verletzlich. Alle Menschen waren das. Und ihre Begleiter? Sie sollten sie schützen, doch wenn sie nur Schatten waren, so ging das nicht. Heath wünschte sich manchmal zu sehr, dass die dunklen Begleiter auch so helfen konnten, ohne, dass sie sich materialisierten. Aber das war nun mal nicht möglich.


[bei Liv | denkt nach | lächelt | sieht zu Liv | redet | geht und denkt]

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BeitragThema: Re: Den Tod im Genick   Sa Mai 14, 2011 9:50 pm

Amber beobachtete Kjetil. Mal wieder! Sie seufzte leise. Wurde er jetzt etwa zu so etwas wie ihrer ganz privaten Droge oder was? Unwillig verzog sie das Gesicht, hörte aber nicht auf ihn anzusehen. Er schien in Gedanken, denn sein Blick war in die Ferne gerichtet und er reagierte nicht wirklich auf ihre Frage. Sein Versuch intelligent zu gucken, das leichte Zucken der Achseln… Als ob sie nicht wüsste dass er ihr nicht zugehört hatte. Sie grinste kurz, dann wanderte ihr Blick über die Hauswände. Warum war sie nochmal hier? Sie wusste es nicht. Warum war sie nicht in ihrem Haus? Kopfschüttelnd blickte Amber zu Boden.
Jeder Schritt in die Richtung ihrer Wohnung war ein Schritt in das Licht. Es tat gut etwas Bekanntes zu sehen, zu wissen wo man war, und warum man hier war. Sie war hier um nun nach Hause zu gehen, sie war hier weil Kjetil hier war. War hier um die trüben und grausamen Gedanken zu vertreiben, um nicht alleine zu sein.

Als Amber bei ‚ihrem‘ Häuschen ankam bemerkte sie, dass Kjetil sich nicht wohl zu fühlen schien. Unsicher sah sie ihn an, in ihren Augen lag eine stumme Frage, die stumme Angst etwas falsch gemacht zu haben, oder etwas verpasst zu haben. Die stumme Frage, die sie nicht aussprechen würde. Beinahe lag Sorge in ihren Augen. Zögernd berührte sie seinen Arm mit ihrer Hand, sah ihm in die Augen. Ein Schauer lief über ihren Arm. Verdammt fühlte es sich komisch an einen Typen so zu berühren, wenn man es scheinbar ewig nicht getan hatte.
Als er die Tür öffnete, etwas von ‚Ladies first‘ redete und wartete dass sie eintrat nahm sie ihre Hand weg, blickte ihn einige Sekunden lang an, bevor sie durch die Tür trat. Die Einrichtung war gewöhnlich, normal, hell, vollkommen in Ordnung. Das Beste an ihrer Wohnung war das Sofa, wie sie fand. Und natürlich das Bett. Sie ging Richtung Sofa, zog sich auf dem Weg dorthin die Lederjacke aus, legte sie auf den Tisch. Dann folgte sie Kjetils Beispiel, kickte die Schuhe mitten in den Raum. Als sie am Sofa angekommen war ließ sie sich darauf plumpsen, stellte die Füße auf die Sofakante und schlang ihre Arme um die Beine. Abwartend sah sie Kejtil an, lächelte bei seinen Worten kurz.

„Wie würde der böse Wolf mich denn fressen werden..?“

Ein freches Lächeln umspielte ihre Lippen, in ihren Augen lag allerdings eher ein fragender Ausdruck. An was er genau dachte wusste sie nicht, daher hatte sie ja auch gefragt. Ein paar Sekunden lang sah sie ihn an, dann öffnete sie den Mund, dachte kurz nach bevor sie begann abermals zu reden.

„Ich weiß nicht genau was du tun willst.. wenn du müde bist kannst du gerne hier schlafen oder so… wenn du magst kannst du auch ein paar Tage hierbleiben.. Das ist vollkommen dir überlassen“

‚Aber eigentlich wäre es schöner wenn du etwas bleiben würdest, die schatten vertreibst‘

Ihre Augen leuchteten sanft, in ihnen könnte er sehen dass sie nicht alleine sein wollte, dass sie froh war ihn getroffen zu haben. Amber wollte nicht dass er es sah, legte den Kopf auf die Knie, vermutlich aber zu spät. Fall er geguckt hatte, hatte er den Ausdruck in ihren Augen gesehen, wusste dass sie ihn irgendwie brauchte.


[Kjetil // ist zu Hause, zieht Schuhe und Jacke aus, setzte sich aufs Sofa , redet und denkt , hofft dass er nicht weiß, dass sie ihn irgendwie braucht ]
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Merle

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BeitragThema: Re: Den Tod im Genick   So Mai 15, 2011 5:00 pm

Es war empörend. Er war skrupellos und total unkultiviert. Mal ganz von seinen Manieren zu schweigen, die Merle gar nicht gefielen. Er lachte sie aus. Machte sie damit runter und der Spott, der in seinen Worten mit Rang, war eine Blöße die ihr nicht gefiel. Böse funkelte sie ihn an. Was fiel ihm ein, so mit ihr zu reden? Was nahm er sich überhaupt heraus? Sie war zu erst da, also durfte sie auch zuerst böse sein und Beleidigen! Sie mochte ihn nicht. Ein wenig Hass legte sich noch mehr auf ihre Augen, als er in einen Lob einen erneuten Seidenhieb versteckte. Es tat weh. Doch sie ließ sich nichts anmerken. Erst empfand sie es als stolz, etwas anderes zu sein, als ein normaler Mensch. Es stimmte. Sie war etwas besonderes, doch diesen Stolz vertrieb er indem Moment, als er ruckartig ihre Hand schnappte und Merles Handflächen darbot. Wieder war Hohn und Spott in seinen Worten zu hören und die junge Dame reagierte so, wie sie es für richtig hielt. Vergraben unter einer Maske aus bösen Blicken und zusammen knirschenden Zähne, schmerzte es ihr, das er davon musste. Rasch zehrte sie ihre Hand von seiner Weg. Woher wusste er das? Was dachte er jetzt? Verurteilte er sie? Stellte er sie als Politikerin hin? Wenn er das machen würde, so schwor sie sich, würde sie das nächste beste Glas schnappen und ihn über sein Gesicht schütten. Abrupt stand sie auf. Der Stuhl flog in hohen Bogen um und landete laut auf dem Beton. Sie waren auf einmal Gesprächsthema Nummer eins, doch das interessierte Merle nicht. Sie musste hier weg. Weg von diesem Typ.

"Was fällt dir ein, du eingebildeter Egoist. Wir kennen uns gar nicht und trotzdem sagst und tust du sowas. Es geht dir einen feuchten Dreck an, warum das bei mir so ist und wenn schon, dann würde ich es dir auch nicht sagen. Also gehe mir nicht weiter auf die Nerven. .... Geh und kaufe dir ach so tolle Dinge, die DU DIR kaufen kannst. Es gibt nun mal auch Leute, die nicht so angeberisch sind wie du. Solche Leute müssen sich durch kämpfen, doch das würdest du e nie verstehen, auch wenn man es dir noch so viele Male erklären würde."

Merle war sauer und außer sich vor Zorn. Er redete mit ihr als wäre sie ein Kind. Als wäre sie sonst wie jung und sowas mochte sie einfach nicht. Sie wollte gleich behandelt werden, auch wenn sie manchmal nicht so rüber kam. Sie sollten sie gefälligst respektieren und wenn dieser so weiter machen würde, würde sie dasselbe machen wie vorher mit Specki und seiner Mutter. Egal wie edel und gebildete er wäre. Das wäre ihr doch am Ende egal. Das hatte sie noch nie zuvor interessiert!


[bei cian, ist stinksauer]

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BeitragThema: Re: Den Tod im Genick   So Mai 15, 2011 11:59 pm

Ob er sich wohl jemals wohl fühlen könnte, in einem Haus… einem Zimmer… hier? Von Wänden eingesperrt, den Blick in den Himmel versperrt? Er wusste es nicht. Und er wusste genauso wenig, ob er es herausfinden wollte. Eingesperrt. Wie ein Tier in einem kleinen Käfig.

    .oO(Ach was. Du wirst schon klaustrophobisch.)

In letzter Zeit verwendete er in seinen Gedanken irgendwie gerne schwere Wörter. Wörter, die man von einem, der auf der Straße lebte, eigentlich nicht erwarten würde. Aber er wirkte auch nicht wirklich wie ein Obdachloser. Er war einfach irgendwo dazwischen, hatte durchaus vor allem mit denjenigen zu tun, die von der „nobleren Gesellschaft“ als Abschaum abgetan wurde, verachtete diese Leute jedoch genau so wenig, wie die andere Seite. Es war ihm völlig egal, ob jemand dreckverschmiert war, oder sich mit einer Wolke von Parfüm umgab, für das mehr Geld aus dem Fenster geworfen worden war, als manch einer jemals in seinem ganzen Leben ausgeben würde. Dieses Spiel, das Leben genannt wurde, war nun einmal ungerecht. Und man hatte zwei Möglichkeiten: Das Beste daraus machen… oder aufgeben und verlieren.
Genug philosophiert!
Kjetils Blick folgte Amber, die den Raum durchquerte, sich im Gehen Jacke und Schuhe entledigte und sich schließlich aufs Sofa fallen ließ. Der Bezug war nicht mehr ganz sauber, aber die Cremefarbe hatte etwas Einladendes, wie eine Aufforderung, sich zu setzen.
Jetzt dachte er schon über die Botschaft von Farben nach.
Amber zog die Beine an und schlang die Arme herum, blickte ihn an. Lächelte. Und ging auf seine Bemerkung ein. Bis jetzt hatte das noch nie jemand getan, hatte über seine Vergleiche und Sprüche entweder die Augen verdreht oder ihn verunsichert angestarrt wie einen Geisteskranken. Sie jedoch ging auf seine aus der Luft gegriffene Metapher ein. Und auf einmal schien die Farbe des Sofabezugs nicht mehr das einzig einladende.
Erwartete sie jetzt etwa wirklich eine Antwort von ihm? War die Frage überhaupt… Wie meinte sie das? War sie wirklich so naiv, oder… Plötzlich war sich Kjetil nicht mehr sicher, was hier gespielt wurde. Gerade er war sich über das Spiel nicht im Klaren. Es kam ihm nur so vor, als würde er es langsam nicht mehr unter Kontrolle haben. Hatte er das je gehabt, seit diese Augen auf ihn gefallen waren? Die Augen, die jetzt einen seltsamen Ausdruck angenommen hatten… Fragend. Fast unsicher. Ach ja, sie wartete immer noch auf eine Antwort. Doch noch bevor er sich für eine entschieden hatte, sprach sie wieder.

    .oO(Ein paar Tage hierbleiben?)

Kurz dachte er darüber nach, wie er das auffassen sollte. Irgendwie war es kränkend - als wäre er auf ein Dach über dem Kopf angewiesen. Als würde er Hilfe brauchen. Aber… er beschloss, es einfach als nettes Angebot zu betrachten. Kjetil sah Amber in die Augen, um sicherzugehen, dass sie wirklich nicht glaubte, dass er irgendwie hilflos war oder so. Und da bemerkte er etwas Merkwürdiges in ihrem Blick.
Er konnte es nicht benennen, nicht zuordnen. Aber es gab ihm das Gefühl, dass es gut war, dass er hier war. Dass er… wichtig war. Das erschreckte ihn mehr, als er gedacht hätte. Wann hatte ihn jemand - gebraucht? Nein, das tat sie nicht. Sie brauchte niemanden. Sie war ein selbstständiges Mädchen, das so großzügig war und sich ein wenig um ihn kümmerte, wie um einen Hund, den sie auf der Straße aufgelesen hatte.
Amber hatte den Blick gesenkt, den Kopf gegen die Knie gelehnt. Vergeblich versuchte Kjetil, ihr noch einmal in die Augen zu sehen.

    „Ich… bin nicht müde, danke.“

Sagte er schließlich und rieb sich den Nacken.

    „Aber wenn ich das vortäuschen muss, um hierzubleiben… dann werde ich das wohl tun.“

Der Anflug eines leisen Lächelns umspielte seine Lippen, während er durch den Raum schritt und zum Sofa trat. Er ließ sich neben Amber sinken, hielt jedoch einen erkennbaren Abstand ein. Sollte sie sich in irgendeiner Weise bedrängt fühlen, würde er wieder aufstehen, deshalb beobachtete er sie aufmerksam von der Seite.
Gott. Wann hatte er zuletzt so etwas… Weiches unter sich gespürt?
Mit einem leisen Seufzen ließ er sich zurücksinken und verschränkte die Arme hinter dem Kopf. So weich… Langsam fühlte er sich hier schon wohler. Es war richtig gemütlich hier, wenn man sich nur darauf einließ. Und er konnte gehen, wann immer er wollte… Auch wenn er das nicht tun würde. Zumindest nicht so bald.
Immer noch blickte er zu Amber hinüber und hoffte einfach, dass sie sich nicht unwohl dabei fühlte, dass er da war. Dass sie es vielleicht sogar ein wenig als… angenehm empfand. So wie er.
Kjetil streckte sich und gähnte übertrieben.

    „Wenn ich es mir recht überlege, bin ich doch müde. Sehr sogar. Ich glaube, ich schlafe echt gleich ein. Aber nein, das wäre unhöflich…“

Der schläfrige Tonfall war nur ein klein wenig überzogen. Wenn es wirklich sein müsste, dann würde er wirklich den Todmüden spielen, nur damit er… ein bisschen länger bleiben konnte. Er hatte Ambers Blick vorhin gesehen, sie hatte bemerkt, dass er sich unwohl fühlte. Ohne Fluchtweg. Es war absurd, aber er war es einfach so gewohnt. Das Versteckspiel in den Schatten, immer wachsam. Das war hier nicht nötig und das verwirrte ihn. Es waren eben zwei Welten. Und er war irgendwo dazwischen.



[neben Amber am Sofa || redet || spielt den „Todmüden“ ^^]
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BeitragThema: Re: Den Tod im Genick   Mo Mai 16, 2011 9:21 pm

Liv betrachtete das Lächeln des blonden Mannes. Lächeln. Lächeln was für Liv immer ein Zeichen für Lügen gewesen. Bei Verwandtenbesuchen, an wichtigen, beruflichen Treffen ihres Vaters hatte es immer geheißen, sie solle lächeln und den Mund halten. Lächeln und zeigen, dass sie glücklich mit ihrer Familie wäre. Lächeln und jede ihr vorgesagte Lüge brav rezitieren. Einfach immer lächeln.
Aber Heaths Lächeln war anders, nicht gezwungen, aber auch nicht so, dass man sich unwohl fühlte. Es schien wie das natürlichste auf der Welt, doch Liv konnte dieser Natur nicht folgen. Sie konnte jetzt nicht einfach den Mundwinkel nach oben verziehen und das Lächeln erwidern, sie hatte heute schon genug gegrinst, gelacht, gelächelt, jetzt war mal wieder Schluss. Sie verzog stattdessen die Lippen zu einer abschätzenden Schnute, während sie versucht Heaths Mimik zu deuten. Geizig war er damit nicht, in seinem Gesicht regte sich viel. Lippen, Augenbrauen, die Falten auf seiner Stirn, die sich nur bei bestimmten Gefühlsregungen zeigten und natürlich als wichtigsten Punkt seine Augen – all das zeigte, was in ihm vorging, oder was nicht in ihm vorging. Sie musste sich erneut ins Gedächtnis rufen, dass er ein Schauspieler war und sie sich nicht sicher sein konnte, dass er sie nicht in diesem Moment täuschte. Vielleicht wollte er sie ja nur in Sicherheit wiegen um sie in eine Falle zu locken. Sie fand jetzt zwar keinen Grund, warum das so sein könnte, aber man musste immer auf alles gefasst sein.

Heath sagte nichts dazu, dass sie ihm gestanden hatte, dass sie ihn gar nicht so schrecklich fand. Sie fand ihn sogar sympathisch. Aber sie fand, er musste auch nichts dazu sagen, das hätte sie an seiner Stelle auch nicht. War es denn ein Kompliment, wenn jemand wie sie sagte, dass sie einen mochte? Oder war das ein Grund, warum man darüber nachdenken musste, was mit einem nicht stimmte?
Liv verzog die Lippen zu einer nachdenklichen Schnute, während sie dem schweigsamen Heath noch einen kurzen Blick zuwarf.

Verwirrt bemerkte Liv Heaths Kopfschütteln. Es schien nicht so, als würde er sich über ihre Märchenanspielung empören, es schien eher so, als wäre er gerade aufgewacht und wollte einen Albtraum abschütteln. Liv fragte nicht nach. Auch sie war gut, was das Still sein anging. Der blonde Mann schien sich auch schnell von seiner kurzen Unaufmerksamkeit zu erholen, da er einen Moment später schon wieder mit einem Lächeln verkündete, dass sie gehen konnten.

Sie kamen aus den dunklen, tristen Gassen hinaus. Bald würden sie im Park ankommen. Die fahle Morgensonne fiel ihnen entgegen und Liv schaute an die Stelle wo eigentlich ihr Schatten neben dem von Heath – Moment, auch der blond gelockte Mann hatte keinen Schatten. Liv zog verdutzt beide Augenbrauen hoch. Es gab also auch andere wie sie. Andere, die ebenfalls keine Schatten auf ihre Umgebung warfen, sei die Sonne auch noch so prall. Irgendwie fühlte Liv sich… besser. Es war nicht nur ein Zeichen ihrer Unscheinbarkeit, dass sie kein dunkles Ebenbild hatte, das ihr auf Schritt und Tritt folgte. Aber sie fühlte sich dadurch nicht nur besser, sondern sie fühlte sich Heath irgendwie auch näher. Ihr Blick huschte aus dem Augenwinkel zu ihrem verstummten Begleiter und ohne, dass sie es wollte blieben ihre Augen an ihm hängen. Ihre Augen wirkten groß, da sich eine gewisse Überraschung hineingeschlichen hatte und dann wurde der Ausdruck… ja er wurde beinahe weich. Hatte sie vielleicht jetzt endlich jemanden gefunden, an dessen Seite sie passte?

Moment mal! „An dessen Seite sie passte“?! Sagte man das nicht bei verliebten Pärchen, die sich fanden, nachdem sie schon oft in der Liebe gescheitert waren? Na, da sollte man sich noch einen besseren Ausdruck überleben, wie sie das Zugehörigkeitsgefühl zu Heath beschreiben konnte. Zugehörigkeitsgefühl… das war eine schöne Bezeichnung. Gott sei Dank hatte sie es gleich so gedacht und nicht ein Wort wie „Zuneigung“ oder so benutzt. Bei dem Gedanken lief ihr ein Schauer über den Rücken. Wah! Sowas durfte sie nicht einmal denken, wenn sie darüber nachdachte, dass sie es nicht gedacht hatte! Sie wollte schon zu einem Aber – trotzdem – Argument ansetzen, aber sie bremste sich ein. Nichts „Aber trotzdem“. Zugehörigkeitsgefühl. Punkt.
Sie zog schnell einen Schlussstrick unter diesen Gedanken und wandte den Blick von Heath und seinem nicht vorhandenen Schatten ab.

Sie waren am Park angekommen. Er war nicht wunderbar grün, aber er war farbenfroher als die Viertel. Hier konnte man sehen, das Frühling war und sogar ein paar Blumen ließen sich blicken, auch wenn diese matt wirkten – was nicht ausschließlich an Livs grauem Schleier vor den Augen lag.
Tja, manche Leute trugen rosarote Brillen und Liv trug eben eine graue. Das machte eben nicht alles zuckersüß sondern Misstrauen erweckend. Nun gut, nicht alles erweckte ihren Argwohn. Sie war NICHT so paranoid und dachte, dass die Eichhörnchen, oder gar die Blumen sie vielleicht angreifen könnten.
Außerdem hatte sie jetzt keine Aufmerksamkeit für Blumen übrig, denn sie sah zwischen den Blättern eines Apfelbaumes eine noch ziemlich grüne Frucht baumeln. Liv legte den Kopf in den Nacken und linste zwischen das Laub. Verbissen bohrte sie ihre Zähne in ihre Lippe und sprang vom Boden ab. Fast erwischt. Sie versuchte es noch einmal und ja, sie hatte den Apfel mit den Fingern gestreift und er schwankte ein wenig. Noch einen kräftigen Sprung und ja! Sie konnte die Finger um die Frucht schließen und sie herunter reißen. Doch sie hatte zu viel Schwung gehabt und landete etwas unsanft – wenn man es freundlich ausdrückte. Ihre Stöckel waren unter ihr weggeknickt und so war sie im feuchten Gras unfreiwillig zum sitzen gekommen. Mit einem leisen „Autsch“ rieb sie sich kurz den Knöchel, aber dann ignorierte sie das leichte Brennen, setzte sich ein wenig auf und widmete sich lieber ihrer Errungenschaft – dem Apfel.
Sie biss in das sauer schmeckende Obst und verzog leicht das Gesicht.

Tja, manchmal muss man eben in den sauren Apfel beißen…

Murmelte sie und blickte zu Heath. Aus irgendeinem Grund musste sie lachen. Sie selbst war einem sauren Apfel doch sehr ähnlich, irgendwie. Sie war nichts in das man gerne hineinbiss – im übertragenen Sinne gemeint, und nicht im perversen Sinne. Aber natürlich gab es Leute, die saure Äpfel mochten. Es gab schließlich auch Leute, die freiwillig Broccoli aßen und das schmeckte tausendmal scheußlicher.
Das Lachen wurde zu einem leichten Lächeln, während sich ihre Wangen von dem sauren Geschmack röteten und ihr die Farbe wieder Leben einhauchte.
Sie leckte sich den Fruchtsaft von den Lippen, immer noch lächelnd. So viel zu dem Thema, dass sie genug dieser Gefühlsregung gezeigt hatte.


[geht neben Heath her || im Park || schnappt sich einen Apfel || sitzt am Boden und isst]
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BeitragThema: Re: Den Tod im Genick   Di Mai 17, 2011 10:44 pm

Als Schauspieler musste man dem Publikum so deutlich wie möglich machen, wie es einem ging, allerdings durfte man dabei nicht zu theatralisch wirken. Doch es gab eine Mine, die jeder Schauspieler, welcher lange in seiner Branche arbeitet verlernen würde. Die neutrale Mine. Heath hatte es irgendwie verlernt. Er konnte einfach nicht ganz neutral gucken. Immer zogen sich die Mundwinkel nach obern oder nach unten. Immer blitzen die Augen, in denen die Gefühle schlummerten und hinaus wollten. Immer stellten sich die Augenbrauen so, dass man aus ihnen lesen konnte, was in ihm vorging. So war das eben. Neutralität war tabu. Das ging nicht. Heath wüsste auch nicht, wie er eine Fassade aufbauen sollte. Dazu hatte es bisher keinen Grund gegeben. Warum er genau in diesem Moment daran dachte, wo er doch nur mit einer jungen Frau Äpfel pflücken wollte? Weil diese junge Frau ihn nachdenklich machte. Weil sie diese Fassade irgendwie erschaffen konnte. Es war eine dunkle, schwarze Wand, welche da zwischen ihr und Heath stand. So wirkte sie. Dunkel, düster, böse und doch konnte man nicht erkennen, wie sie sich fühlte.

Verwundert musste Heath feststellen, dass er und Liv wie ein altes Paar wirkten. Nicht etwa vom Aussehen her, aber wie sie miteinander umgingen. Keiner von Beiden fand es peinlich, dass sie schwiegen. Keiner von Beiden redete überhaupt viel. Und sie ergänzten sich! Was Liv nicht konnte, dass konnte Heath. Nämlich Gefühle ausdrücken. Sie waren zwar Beide distanziert, aber trotzdem schafften sie es immer wieder zueinander. Als würden sie sich schon Jahre kennen. Als wäre es immer wieder das selbe Spiel, dass sie da spielten, der selbe Tanz, den sie da tanzten. Und es klappte. Sie kannten die Spielregeln, sie kannten die Tanzschritte.
Das Paar ging um eine Ecke, wodurch die Morgensonne ihnen direkt entgegen strahlte. Blinzelt hob Heath den Kopf und genoss die leichte Wärme auf seiner Haut. Das würden die letzten warmen Strahlen sein, die er demnächst empfangen konnte. Der Herbst rüttelte an seiner Tür und der Winter ließ nicht lange auf sich warten, wie so oft. Der kälteste Monat schien immer der Längste zu sein. Er kam zu früh und ging zu spät. Verdammter Winter!
Heath senkte den Blick auf seine nackten Füße. Jap, verdammter Winter! Der Blonde hoffte, er würde dieses Jahr nicht ganz so kalt werden. Ansonsten zweifelte er wieder an seiner Einstellung zu Schuhen und Socken. Er wollte die Natur spüren und mit ihr verbunden sein. Deswegen durften seine nackten Füße jederzeit den Dreck schmecken und küssen.

Heath spürte Livs Blick auf sich ruhen. Er sah auf, zu ihr. Überrascht blinzelte er. Hatte die Sonne sie etwa erweicht wie Butter oder hatte sie so eben die Erkenntnis getroffen, dass sie lieber nicht so einen komischen Gesichtsausdruck haben sollte? Heaths Augenbrauen zogen sich leicht zusammen. Er war verwirrt. Der junge Mann fühlte sich unheimlich beobachtet und knabberte auf seiner Unterlippe herum. Was wollte sie von ihm? Weil er merkte, wie die Hitze ihm von Kragen an hoch lief senkte Heath erneut den Blick. Er kannte diese Gegend. Schließlich war er hier fast jeden Tag. Er könnte blind umher laufen und alles finden. Sie würden bald am Park ankommen und tatsächlich: Schon bald sah man eine grüne Wiese. Das war der Park. Die Wege waren überwuchert und kaum zu erkennen, die Blumenbeete... nun, sagen wir, sie sahen nett aus, doch mittlerweile hatten sich die bunten Pflanzen über die gesamte Wiese ausgebreitet, ohne, dass sie jemand daran hinderte. Drei Äpfelbäume waren zu sehen. Die restlichen Bäume sahen schwarz und zerstört aus. Keiner hatte sich nach dem Krieg die Mühe gemacht die Flora in diesem Park zu erneuern. Das machte man nur in dem von den Reichen. Der war nun aber übertrieben schön!

Liv ging vor, Heath setzte sich etwas ab, er blieb stehen. Das feuchte Gras kitzelte an seinen Füßen und ließ ihn leicht rutschen. Der junge Mann legte den Kopf in den Nacken, schloss die Augen und genoss nochmals die Strahlen, welche sein Gesicht nur minimal erwärmten. Heath atmete tief ein, als ein Luftzug um ihn strich und leicht an einen Haaren und an seinem Hut zerrte. In ihm lag der Duft von Tau, von Äpfeln, von Blättern. Er roch ungewöhnlich sauber. In der Stadt stank die Luft erbärmlich.

Als Heath die Augen wieder öffnete und weiter ging sah er Liv, welche versuchte einen grünen Apfel aus einem Baum zu erhaschen, in dem sie sprang. Sie erreichte die Frucht, knickte jedoch am Boden leicht um und landete unsanft im Gras. Heath lächelte. Sie war unheimlich schön, so in der Sonne. Nicht, dass er viel mehr als Freundschaft für sie empfand. Nein, nicht einmal das. Dafür kannte er sie zu kurz, aber man konnte auch Menschen schön finden, obwohl man sie nicht liebte oder in sie verliebt war. Heath ging weiter auf Liv zu, welche zu reden begann. Sie lachte und der Blonde musste unwillkürlich mit einsteigen. Als wäre es ein Heulen, wie es die Wölfe taten, um den Zusammenhalt im Rudel zu stärken und zu zeigen, dass es ihr Revier war, in welchem sie sich befanden. Heath sah zu Liv herab. Er stand nur noch circa einen Meter von ihr entfernt. Sie lächelte und leckte sich den Fruchtsaft von den Lippen. Heath zog die Hände aus den Taschen und ging zum Baum. Er schob ein paar Blätter beiseite und suchte etwas. Nach einiger Zeit fand er einen Apfel, der halbwegs rot war und auch weiter untern hing. Der junge Mann streckte die Hand aus, umklammerte die Frucht und zog an ihr. So trennte er das Kind von seinem Elternteil. Heath drehte sich zu Liv um, ließ sich ins Gras plumpsen und schmiss den Apfel ein mal in die Höhe, bevor er in ihn hinein biss. Ein saurer Geschmack breitete sich in seinem Mund aus, das Fruchtfleisch fühlte sich hart an. Heath kaute ein paar mal, bevor er schluckte. Er legte sich ganz ins feuchte Gras, die eine Hand hinter den Kopf verschränkt, mit der Anderen immer noch den Apfel fest haltend. Durch das Liegen löste sich der Hut von Heaths Kopf und fiel zu Boden. Der junge Mann biss erneut von seinem Apfel ab. Er hatte nicht wirklich Hunger.

“Mhm... na ja, schmecken wirklich noch nicht super, aber was will man machen?! Wenn man wartet, dann kommen die Nächsten und schon hat man gar nichts mehr davon.“

Heath drehte den Kopf zu Livs Nacken. Er konnte nur ein bisschen von ihrem Gesicht sehen. Ihre langen Haare fielen über ihre Schultern und glänzten im Sonnenlicht. Nur der Schatten... Moment! Wo war ihr Schatten? Viel zu hektisch richtete Heath sich wieder auf. Sein Hut blieb auf dem Gras liegen. Er legte den Apfel neben sich. Heath sah zum Baum. Er guckte auf den Schatten, wohin er fiel und zurück zu Liv. Nein, da war nichts. Der junge Mann schluckte hart. Ihre Hand. Er musste ihre Hand sehen! Vorsichtig langte Heath nach Livs Hand, nahm sie und legte sie so, dass ihre Handflächen nach oben zeigte. Linien durchzogen ihr Fleisch, wie Flüsse die Landschaft. Ein Mensch ohne Schatten. Ein Mensch, dessen Begleiter – vermutlich völlig ahnungslos – irgendwo herum streifte. Heath zog mit dem Zeigefinger eine Linie nach. Völlig Gedankenverloren murmelte er:

“Und du hast keine Ahnung...“

Erst danach bemerkte er, dass er etwas gesagt hatte, dass er gerade Liv berührte und sie nicht ihn. Sofort zog er die Hände weg, langte nach seinem Hut, platzierte diesen wieder an die richtige Stelle und schnappte sich den Apfel, um nachmals zuzubeißen, als wollte er so verhindern, dass er weiter reden konnte.


[bei Liv | geht mit ihr mit | denkt | bemerkt ihren Blick | erreicht Park | sonnt sich | guckt Liv zu | holt sich Apfel | legt sich neben Liv | isst | legt sich hin | bemerkt Livs „Schattenlosigkeit“ | richtet sich auf | nimmt Livs Hand | denkt | murmelt etwas | nimmt Hut und isst weiter]

Es ist Herbst, nicht Frühling, Liv (:
Tut mir leid, leicht Power Play, aber ich konnte nicht anders^^

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BeitragThema: Re: Den Tod im Genick   Mi Mai 18, 2011 8:57 pm

Amber hatte das Gefühl ihn gekränkt zu haben, als sie ihn fragte ob er müde war, bleiben wollte. Sie hatte das Gefühl einen Fehler gemacht zu haben. Hatte sie ihn etwa.. beleidigt oder so? Unsicher hob sie den Kopf von den Knien, blickte ihn an, hörte seine Antwort, seinen darauf folgenden Satz.

„Ich wollte dich nicht kränken oder so.. Sorry. Ich dachte nur.. weil.. ich bin so froh nicht mehr alleine zu sein und…“

Sie brach ab, sah ihn an als er auf das Sofa zu schritt. Er lächelte beinahe, schien nicht unbedingt unglücklich oder ähnliches zu sein. Aufmerksam studierte sie seine Gesichtszüge, versuchte zu erkennen was in ihm vorging. Als er sich hinsetzte, oder besser gesagt sich hinplumpsen ließ, lächelte sie. Er seufzte leise, machte es sich bequem. Es tat sehr gut zu sehen dass es ihm wohl doch gut tat zu sitzen, es sich bequem machen zu können. Wie lange er wohl schon nicht mehr bequem gesessen hatte? Amber konnte es sich kaum vorstellen ohne eine Wohnung zu leben, ohne ein Bett, ein Sofa, ein Heim in das man sich flüchten konnte. Sie konnte es sich einfach nicht vorstellen. Wie schrecklich es sein musste wenn man nirgends leben konnte, wenn man niemanden hatte zu dem man konnte…
Sie schüttelte den Kopf, verscheuchte die lästigen Gedanken und blickte zu Kjetil. Er saß so entspannt, gähnte übertrieben, meinte er wäre doch müde, doch Amber wusste dass er übertrieb. Sie hörte den Ton in seiner Stimme, die leichte Ironie. Sie lachte. Dass er neben ihr saß empfand sie eher als angenehm, es war nur so komisch dass er so weit weg saß. Es war so komisch so zu sitzen. Sie waren in einer Wohnung, kannten sich kaum, saßen auf einem Sofa, doch zwischen ihnen war dieser dumme Abstand. Sie blickte ihn an, bemerkte dass er ein wenig verwirrt war. Verdammt, wie viel sie in seinen Augen sehen konnte, wie viel er ihr zu zeigen schien. War es Absicht, oder wollte er in Wahrheit nicht dass sie seine Gefühle sah..?
Diesmal nur zögernd sagte sie:

„Wenn du so müde bist.. dann schlaf ruhig, das ist kein bisschen unhöflich und… naya.“

Dann lachte sie. Natürlich hatte die Braunhaarige bemerkt dass er übertrieben hatte als er gesagt hatte, er wäre müde, doch das war ja egal, sie konnte ja trotzdem darauf eingehen, oder etwa nicht?
Ein unsicherer Ausdruck lag in ihren Augen, dann fragte sie abermals:

„Was sollte der Wolf in der Wohnung des Lämmchens denn anstellen können..?“

Kurz lachte sie. Es war eine naive Frage, so voller kindlicher Naivität, außerdem war das mal wiederetwas, was man zweideutig verstehen konnte. Verdammte Zweideutigkeit.
Sie spürte seinen Blick auf sich, lächelte vorsichtig.

„Alles.. okay?”

Es war angenehm jemanden neben sich zu haben. Sie fühlte sich so wohl wie schon lange nicht mehr. Natürlich traute sie sich nicht ihm zu sagen was sie empfand, was sie dachte. Wie hätte sie es auch tun sollen? Es war schmerzlich zu wissen, dass er nicht das empfand was sie fühlte, dass er vermutlich nicht so dachte wie sie.
Sie blickte weg, legte abermals den Kopf auf den Knien ab, schloss sie für einige Augenblicke. Wie erschöpft sie war… Ein kleines bisschen bloß sackte sie in sich zusammen, versuchte gegen die Müdigkeit zu kämpfen.

„Entschuldige.. ich bin so müde..“

Für einige Sekunden bloß hatte sie die Augen offen gehabt, schon fielen sie ihr wieder zu. Nicht einschlafen, sie durfte jetzt bloß nicht einschlafen..!! Erstens war das peinlich und zweitens unfreundlich, jawohl. Es war verdammt nochmal unfreundlich. In Gedanken kämpfte sie mit der Müdigkeit, mit der Kraft die sie in die endlose Weite des Schlafes ziehen wollte.


[bei Kje //redet und sooo, ist unendlich müde]
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BeitragThema: Re: Den Tod im Genick   Mi Mai 18, 2011 11:05 pm

Spielte sie da etwa ernsthaft mit ihren Haaren?! Liv starrte entrüstet auf ihren Finger, um den sie eine dunkelbraune, dünne Strähne gewickelt hatte. Fasziniert drehte sie ihre Hand hin und her, sodass der Haarstrang einmal mehr, einmal weniger eingedreht war. Schließlich knickte sie den Finger ab und zog ihn aus der Schleife aus feinen Härchen. Ein kleiner Knoten blieb in der Strähne zurück, aber das störte Liv nicht wirklich. Sie pustete die Strähne zurück. Verdammt, sie hatte seit Langem nichts mehr gemacht, ohne, dass es ihr wirklich bewusst gewesen war und jetzt spielte sie wie ein kleines Mädchen mit ihren Haaren, weil sie… Ja, warum tat sie das eigentlich? War sie nervös? Weil sie sich von Heath ablenken wollte, den sie vorher immer wieder hatte anschauen müssen?

Bekam man nach so kurzer Zeit in der warmen Sonne schon einen Hitzschlag? Das wagte das Mädchen zu bezweifeln und außerdem hatte es nicht annähernd die Wärme, um einen Kreislaufkollaps zu bekommen oder überhaupt nur einen Sonnenbrant. Sie versuchte nicht dahinter zu kommen, weshalb sie plötzlich ihre Gewohnheiten auf den Kopf stellte, größtenteils weil ihr Magen sich meldete, der noch mehr von dem Apfel wollte.

Langsam, beinahe andächtig grub sie die Zähne in das noch recht harte Fruchtfleisch. Es war schwer ein Stück von dem Kerngehäuse und dem Restlichen Obst zu trennen, da der Apfel eigentlich noch nicht reif war. Gott sei Dank schaffte sie es schließlich, doch das Stück war zu groß in ihrem Mund und es stopfte ihre Mundhöhle regelrecht aus, sodass kein Platz mehr war. Sie wusste nicht, wo sie die Zunge hintun sollte. Jetzt bloß nicht lachen, sonst würde ihr das angesabberte Apfelstück in den Schoß fallen. Verbissen kämpfte sie das Stück Fruchtfleisch in eine Schräglage, sodass es in Richtung ihres Gaumens lag, so konnte sie es in der Mitte durchbeißen und ein wenig Platz schaffen. Nach ein paar Bissen war das Stückchen dann so zerkleinert, dass es ihr nicht mehr schwer fiel, es zu Brei zu verarbeiten, damit sie es runterschlucken konnte.
Jetzt taten ihr aber Mundwinkel und Wangen weh. Grummelnd betrachtete sie den Apfel. Sie hatte nichts gegen den sauren Geschmack und sie war sowieso dankbar über jedes Essen, aber so ein Gekämpfe musste wirklich nicht sein. Na gut, sie war selbst schuld. Sie war ja auch zu dämlich. Sie tat sich ernsthaft mit Obst weh!

Heath hatte sich neben sie gelegt, sein Kopf war hinter ihr, also konnte sie ihn nicht anblicken, ohne sich umzudrehen. War vielleicht ganz gut, so konnte sie ihn nicht ständig anstarren – tat sie sowieso zu viel. Aus dem Augenwinkel konnte sie jedoch ein paar seiner blonden Locken dabei beobachten, wie sie in der Luft tanzten. So wirkten sie beinahe so wie Weizen. Sie reflektierten die Sonne ein wenig und blitzen hin und wieder verspielt während sie sich hin und her kringelten. Der Wind war nur mehr sacht, nicht mehr als ein sanftes Streicheln, dass über Livs Arme kroch.

Saurer Fruchtsaft breitete sich wieder in Livs Mund aus, als sie erneut in den Apfel hineinbiss. Sie widmete sich ganz ihrer Mahlzeit, während sie Heaths Worten lauschte. Es war nicht mehr als Small talk – schlechter Small talk wohl angemerkt. Sie waren beide anscheinend nicht sehr gut darin, immerhin unterhielten sie sich über den Geschmack von Äpfeln, die sie im Park gepflückt hatten. Dabei gab es bestimmt andere, interessantere Themen, auch wenn Liv im Moment keines einfiel, über das sie jetzt wirklich sprechen wollte. Sie könnte ihn nach seinem nicht vorhandenen Schatten fragen, nach ihrem fehelenden schwarzen Ebenbild, aber irgendwie spürte sie, dass das nicht passend war und sie wollte diese ruhige Entspanntheit, die sie beide umhüllte um keinen Preis der Welt zerstören. Es war angenehm und sie wollte nie wieder von hier Weg und nie wieder von Heaths Seite weichen. Sie verschwendete keine Gedanken an Misstrauen dem jungen Mann gegenüber- nicht mehr und sie hatte auch keine Zeit für gehässige Gedanken oder düstere Überlegungen über das Ende der Welt. Es war schlicht und ergreifend perfekt.

Plötzlich schreckte sie durch eine hektische Bewegung hinter sich zusammen. Heath hatte sich mit einem Ruck aufgerichtet. War etwas passiert? Mussten sie aufspringen und fliehen? Wegrennen? Was war los? Unsicher schielte sie zu dem jungen Mann, wagte es aber nicht, sich umzudrehen. Sein Blick huschte hin und her. Vom Baum zu ihr, wieder zum Baum und zurück zu ihr. Sie konnte sich keinen Reim darauf machen. Vielleicht ja doch ein Angriff der Killereichhörnchen? Sie hätte wohl doch paranoider sein müssen. Erneut fuhr sie leicht zusammen, es war nur eine kurze Bewegung, als würde sie unter einem Peitschenhieb zusammenzucken. Heath berührte sie. Seine Finger machten sich an ihrer Hand zu schaffen. Er drehte die Innenfläche nach oben und zeichnete die Linien nach. Oft hatte sie in Büchern gelesen, dass jemanden bei solchen Berührungen heißes Feuer durchlief, Verlangen, dass man näher rutschen wollte, weitere Berührungen fordern wollte. All das…

… traf nicht ein. Es zog sich zwar ein leichtes Kribbeln über ihre Handfläche nach oben und die Wärme schlich ihren Arm hinauf, wobei sich jedoch eine leichte Gänsehaut aufzog. Nein, es war lange nicht das Gefühl, von dem sie gelesen hatte, aber es fühlte sich nicht falsch an, auch nicht schmerzhaft oder so, dass sie ihn gleich wegstoßen wollte. Während sie auf den Finger starrte, der über ihre Handlinien tanzte vernahm sie in weiter Ferne Heaths Murmeln. Es schien nicht an sie gerichtet zu sein, genauso wenig wie ihr Genuschel über Schauspieler und Lügnerinnen an ihn. Er hatte nichts dazu gesagt, dass sie ihre Gedanken laut ausgesprochen hatte, also würde sie sich jetzt revanchieren und ebenso schweigen. Auch wenn es sie schon interessieren würde, von was sie keine Ahnung hatte…

Bedauernd blickte sie weiter auf ihre Hand, auf der jetzt aber Heaths Finger fehlten. Einige Herzschläge verharrte sie so, bevor sie sich umdrehte und sich ihm gegenüber im Schneidersitz hin und legte den Apfel zur Seite. Sie wusste nicht wirklich, was sie jetzt machen sollte, aber naja. Dann würde sie ihn eben schweigend in Grund und Boden starren!! Haha, genau…
Liv beobachtete, wie der Blonde von seinem Apfel abbiss, sie legte den Kopf leicht schief und fuhr mit der Zunge über ihre Zähne. Zwischen ihren Schneidezähnen hing noch ein Stückchen Apfel, das sie so nicht herausbekommen würde. Neben ihnen lag ein alter Zaun, der bereits umgefallen und halb von Moos bewachsen war. Liv tastete danach und riss ein halbwegs trockenes Holzstückchen heraus. Sie zupfte es zurecht, sodass es eine Art Zahnstocher ergab, mit dem sie in der Lücke zwischen ihren Zähnen herumwühlen konnte. Nachdem der fetzten Apfelhaut heraus war, behielt das Mädchen das Holzstück zwischen den Zähnen. Alter Western… Sie mit Zahnstocher, er mit Strohhut.

Zögernd streckte sie die Hand aus und schnappte sich den Hut, den er sich gerade wieder aufgesetzt hatte, von Heaths Kopf. Sie setzte ihn sich auf und lächelte ihn an.

Hast du mal in einem Western mitgespielt, Cowboy?

Wow, sie hatte ein unverfängliches Thema gefunden, über das sie reden konnten. Jetzt musste sie nur noch hoffen, dass sie kein Fettnäpfchen gefunden hatte, dann war alles gut.


[kaut an ihrem Apfel rum || dreht sich zu Heath um || setzt sich den Hut auf || führt Small-talk]


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Jack

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BeitragThema: Re: Den Tod im Genick   Do Mai 19, 2011 12:13 pm

Jack öffnete die Augen, auf einmal. Es war seltsam. Etwas hat ihn geweckt. Nicht, dass er sonderlich gut geschlafen hatte. Nein. Sein Schlaf war nie sonderlich gut. Aber er hatte geträumt, irgendetwas, etwas was ihn doch innerlich mehr aufgerüttelt hatte, als er angenommen hätte. Doch was? Jack kniff die Augen ein wenig zusammen und versuchte sich erinnern.
Aber es war unmöglich. Er kam nicht mehr dahinter.
Was sollte es schon. Kurz streckte er sich und kratzte sich an seinem Krauskopf. Warum hatte er überhaupt geschlafen?
Ah, es fiel ihm wieder ein. Er hatte nichts besseres zu tun gehabt.
Sollte sich das jetzt ändern? Wollte ihn sein Traum animieren, sich ein wenig umzusehen, durch die Gegend zu schlagen?
Genau das würde er jetzt tun, es wurde Zeit für Taten. Vielleicht konnte er irgendwo endlich mal wieder ein neues Buch auftreiben.
Jack rappelte sich auf und zog sich an, wie immer dezente, leichte aber dunkle Kleidung. Unauffällig. In die Stiefel und los.
Vorher noch ein paar Wrackteile über die sauberen Anteile der Wohnung werfen, die Bretter vor den Fenstern ein wenig lockern, damit es nicht wie ein Versteck aussah und dann durch den Keller in den Garten raus. Und auch da noch ein paar zerstörte Möbel über den “Eingang”.
Routine.
Seit ein paar Monaten lebte er hier. Es war gemütlich, wenn man es sich machte und es war ruhig, wenn man es sich machte.
Jack stahl sich erstmal ein wenig durch ein paar Bäume hindurch, weg von dem Haus, dann wieder zur Straße. Er hatte zwar keinen Verfolgungswahn, aber trotzdem wollte er sein “Territorium” schützen. Er lebte hier, ein wenig.
Nun schlenderte er, mit offenem Blick durch die Straßen. Ab und an wagte er einen Blick in die Fenster, so langsam waren sogar ein paar beleuchtet, er kam in die bessere Gegend.
Nun kam wieder ein Haus das keine beleuchteten Fenster hatte, aber auch nicht ganz eingefallen war. Gefährlich, begehrt.
Ein Blick links, ein Blick rechts. Links von ihm war ein Gitarrenspieler, ein Straßenmusiker der vor sich hin spielte, aber sich nicht weiter umsah.
Also sprang Jack schnell auf den Fenstersims und öffnete schnell das bereits gekippte Fenster. Noch ein Sprung und er war drin, schaute sich noch mal um, aber er war allein.
Nun schlenderte er langsam durch den Raum und schaute sich um. Ein Haufen Schrott, Müll und alte Möbel. Aber ab und an ein paar Schätze - jedenfalls für ihn.
Er fand zwei Bücher die noch komplett intakt waren, ein paar Seiten waren rausgerissen aber noch drin. Jack war glücklich. Ein wenig jedenfalls.
Plötzlich hörte er ein paar Geräusche, ein kleiner Knall, ein paar Münzen die fielen und ein fast unterdrückter Schrei.
Er lief zum Fenster und schaute heraus.
Anscheinend war ein junges Mädchen, in Gedanken, über den Gitarrenkoffer gefallen und nun wurde der Spieler aggressiv.
Das konnte doch nicht wahr sein! Er trat doch nicht wirklich auf das Mädchen, dass nur hingefallen war, ein?!
Jack sprang aus dem Fenster und lief in die Richtung des Getümmels. Ironischerweise hörte er einen Raben schreien, während er lief.
Mit einem Tritt hievte Jack den Spieler von dem Mädchen runter, zog das Mädchen an der Hand hoch und lief dann wieder zu dem “Arschloch” und schlug noch mal richtig zu. Er merkte, dass ihm die Nase brach.
Dann wandte er sich ab, sammelte die wenigen Münzen ein, legte sie in den Koffer, stellte den Koffer wieder auf die Straße und drehte sich dann um.

”Komm.”

Sagte er nur und zog das Mädel mit sich.


[streift durch die Gegend, findet Bücher, freut sich drüber, findet Freya und “rettet” sie.]
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Freya

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BeitragThema: Re: Den Tod im Genick   Do Mai 19, 2011 10:38 pm

Freya krümmte sich zusammen, versuchte aufzustehen, doch jeder neue Tritt vereitelte ihre Versuche. Sie unterdrückte einen Schmerzensschrei als der Gitarrenspieler sie an den Oberkörper trat und ihr die Luft aus der Lunge presste. „Rippenbrüche sind etwas eckliges.“ stellte sie fest, als sie die Hand abwehrend ausstreckte, natürlich vollkommen zwecklos. Würde es Sinn machen wenn sie um Hilfe rufen würde? Nein... wahrscheinlich nicht.
Der Typ erwischte ihre Schläfe welche aufplatzte und stark zu bluten begann, als er nach hinten taumelte – von einem Tritt getroffen. Freya krümmte sich schon noch mehr zu einer Kugel zusammen, da sie befürchtete nun von jemand anderem angegriffen zu werden, doch wie um ihr das Gegenteil zu beweisen griff ihr 'Retter' nach ihrer Blut beschmierten, schwitzigen Hand und zog sie hoch. Die Schwedin stöhnte auf, ihre Rippe schmerzte stechend, und als Jack ihr ihren letzten Halt nahm indem er ihre Hand los lies krümmte sie sich zusammen, kurz davor Blut zu spucken, dessen metallischen Geschmack sie schon im Mund hatte. Sie schlang die Arme um ihren Oberkörper – Bauch und Brust – und hörte, hinter dem Rauschen des Bluts in ihren Ohren, das charakteristische Geräusch einer brechenden Nase. Sie wollte aufsehen, doch der junge Mann war schon wieder bei ihr und zog sie mit sich. 'Komm'.
Sie taumelte hinter ihm her, biss sich auf die Wangen um nicht zu schreien oder mindestens zu stöhnen, allein schon bei dem Gedanken an Blutergüsse am ganzen Körper. Ihr eigentlich sehr hübsches hellbaiges, knielanges Kleidchen war beschmutzt und zerissen und gab so ihre zahlreichen Schrammen, blauen Flecken und offenen Wunden frei. Ihr dunkles Haar war zerzaust, als sie zu ihrem, ungefähr zehn Jahre älteren Retter von unten, durch ihre dichten, schwarzen Wimpern anblickte. Sie versuchte zu erkennen ob es wirklich schlau war hinter ihm her zu taumeln. Ob er wohl noch schlimmere Dinge mit ihr vorhatte als....?? „Nein! Das glaube ich nicht, das kann ich nicht glauben.“ sie verkrampfte ihre sehr zur Mitleidenschaft gezogene Hand und stöhnte nun doch auf, da sich ihre Fingernägel in eine Wunde drückten. Der Schmerz ihrer Rippen war nun auch so stark das sie sehr viel langsamer wurde und schließlich nur noch vorwärts stolperte, nur weil Jack sie mit sich zog.
Schließlich berührte sie die Hand des Mann's sanft und schob sie von ihrem Oberarm herunter. „Wo gehst du hin?“ fragte sie noch als sie vom Ende der Straße einen wütenden Aufschrei hörte und als sie den Blick zurück warf sah sie wie der Gitarrenspieler, das nagelneue Handy – wahrscheinlich gestohlen - am Ohr, erschien. Ihre Augen weiteten sich als sich hinter ihm langsam ein paar Leute sammelten. Freya's Augen weiteten sich immer mehr als sie sich Fluchtartig umdrehte, ihre langen Haare flogen um den Kopf herum, und aufstöhnte. Ihre verdammte Rippe schmerzte wie Messerstiche. Trotzdem nahm sie ihren Retter am Jackenärmel.
Sie sah abermals zu ihm auf „Åh nej, Entschuldige.“


[wird von Jack 'gerettet' | angebrochene Rippe | bemerkt hinter sich den Gitarrenspieler mit noch weiteren drei Männern]
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Kjetil

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BeitragThema: Re: Den Tod im Genick   Fr Mai 20, 2011 9:23 pm

Mit einem versteckten Lächeln auf den Lippen blinzelte Kjetil zu Amber hinüber; beobachtete sie aufmerksam, was man bei dem leicht schläfrigen Blick kaum vermuten würde. Sie war froh, nicht allein zu sein… Kurz musste er überlegen, ob er dieses Gefühl kannte. Nein. Nicht wirklich. Manchmal musste er einfach allein mit den Schatten sein. Auch wenn er dann manchmal mit ihnen sprach. Aber oft konnte man mit Katzen besser reden, als mit Menschen. Amber jedoch war da eine angenehme Ausnahme. Das Mädchen sah die Welt so ähnlich wie er. Vielleicht ein wenig heller, vielleicht ein wenig schöner, als sie wirklich war. Vielleicht auch ein ganz klein wenig naiv. Na und? Wozu sollte man sich so runterziehen lassen, wenn es auch anders ging?
Dabei hatten sie beide Dinge gesehen, Dinge erlebt, die ihr beider Weltbild eigentlich in die Dunkelheit rücken sollte. Er sah es jeden Tag und manchmal stimmte es ihn nachdenklich, manchmal traurig, manchmal wütend. Doch eine Einstellung, mit der man etwas begegnete und die Gefühle, die man dabei verspürte, waren etwas Grundverschiedenes. Gefühle konnten sich ändern und wurden unbewusst ausgelöst. Eine Lebenseinstellung konnte man sich selbst bilden. Man konnte entscheiden, ob man lächelte, aber nicht, ob man sich wirklich gut dabei fühlte. Das Schlimme war nur, wenn man es irgendwann selbst vergaß.
Gefühle waren ohnehin etwas… Verwirrendes. Man konnte einfach jemanden sehen und sich dabei gut fühlen.

Gedankenverloren betrachtete er das Mädchen neben sich aus halb geschlossenen Augen, sah sie den Kopf schütteln, wie um sich selbst zurechtzuweisen, weil sie sich bei einem Gedanken ertappt hatte, den sie eigentlich nicht haben wollte.
Sie hatte die Schatten der Welt auch gesehen. Verrückt. Er kannte sie erst so kurz und doch wusste er schon von dem Schlimmsten, was ihr jemals widerfahren war. Wie alt sie damals wohl gewesen war? Die meisten zerbrachen an so etwas, Kjetil konnte es ihnen nicht verdenken. Amber aber… sie nicht. Sie konnte noch lachen. Das verwirrte ihn, zauberte aber gleichzeitig dieses Lächeln auf sein Gesicht, das irgendwie anders war.
Kjetil legte den Kopf leicht schief, als sie halb auf seine Worte einging und meinte, dass er ruhig schlafen könne, dann lachte und trotzdem fast verunsichert wirkte. Und dann wieder diese Metapher mit dem Wolf und dem Lämmchen. Sie war kein Lamm und sie war auch nicht Rotkäppchen. Und er wollte nicht der Wolf sein, wie ihm plötzlich bewusst wurde.
Alles okay?
Die wohl meistgestellte Frage auf der ganzen Welt und es gab keine Antwort darauf. Alles - wirklich alles - war niemals „okay“… oder war dies nur auf die Situation bezogen? „Okay“ war dann ganz bestimmt nicht das richtige Wort. Viel zu nichtssagend.

    „Natürlich ist alles okay.“

Er lachte leise, da das Gesagte im kompletten Gegensatz zu seinen Gedanken stand, doch wollte er nicht weiter darüber nachdenken, wie das alles sonst war. Wenn nicht okay.

Amber wandte den Blick ab, lehnte den Kopf wieder an die Knie. So sah sie beinahe verletzlich aus und Kjetil spürte den Beschützerdrang in sich aufsteigen. Verwundert blinzelte er. Das war selten bei ihm. Es war diese Art von Instinkt, bei der man sich entscheiden muss, ob man sich davon einnehmen lässt und ihm nachgibt, oder ob man einen klaren Kopf behält. Unschlüssig für welche Möglichkeit er sich entscheiden sollte, kaute Kjetil auf seiner Lippe herum.
Sie war wirklich müde, das war keine Ironie und eigentlich hätte sie es wohl lieber überspielt. Bis jetzt hatte er Amber die Erschöpfung auch nicht angemerkt, jetzt wirkte sie schläfrig und auch ein wenig abgespannt.

Früher oder später würde sich dieser Instinkt, dieser Drang ohnehin durchsetzen. Vorsichtig rückte Kjetil ein Stück zu Amber und berührte sie an der Schulter.

    „Das ist in Ordnung. Ich möchte nicht, dass du wach bleibst, nur weil du glaubst, es würde mich kränken oder so. Auch wenn ich hoffe, dass ich nicht so einschläfernd bin.“

Setzte er noch mit einem schelmischen, schiefen Lächeln hinzu. Und doch war es anders als sonst, vielleicht sanfter.
Kurz zögerte er noch, dann zog er Amber behutsam zu sich heran, schloss sie leicht in die Arme. Kjetil schloss die Augen, lehnte die Stirn an ihren Hinterkopf.

    „Ruh dich aus.“

Murmelte er und wartete darauf, dass sie sich anspannen würde, weil ihr die Nähe unangenehm war. Dann… würde er sie freigeben. Nahm er sich zumindest vor.



[bei Amber am Sofa | redet | schließt sie vorsichtig in die Arme]
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Heath

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BeitragThema: Re: Den Tod im Genick   Sa Mai 21, 2011 5:07 pm

Heath hatte den Blick gesenkt. Er starrte auf die grüne Grasfläche, welche sich zwischen seinen Beinen auftat. Kein Schatten. Als gäbe es so etwas gar nicht. Nur das Gras selber hatte lange, dunkle Begleiter. Er war allein. Ohne jemanden, der bei ihm war. Schon immer. Neidisch war Heath deswegen nie gewesen. Ohne Schatten konnte man sich besser tarnen. Nur bei seiner Schauspielarbeit war das etwas seltsam. Er wunderte sich noch immer darüber, warum ihn niemand darauf ansprach. Aber gut, Regisseure und überhaupt das ganze Drehteam zählten ja zur oberen Schicht. Da gab es schon hier und da einen Schattenlosen. Man hatte einfach angenommen, Heath gehöre irgendwie zu den Politikern oder so. Wissen konnte man nie. Und wenn man nicht wusste, dann passte das schon. „Wer nicht fragt bleibt dumm“ hatte eine alte Kindersendung gesungen. In der Welt der Reichen galt das wohl nicht mehr.
Heath biss nochmals in seinen Apfel. Der Saure Geschmack erfüllte seinen Mund. Er strich mit der Zunge über die glatte Seite seiner Mahlzeit. Die Haut eines Apfels war hauchdünn. Eine Schutzschicht, welche nur Dreck und Regen stand halten konnte. Selbst Wespen konnten sie durchdringen. Wie die Haut eines Menschen. Es war so lächerlich einfach jemanden zu töten. Als hätte man den Menschen allen dazu geschaffen zu sterben. Und doch gab es Begleiter. Lächerlich einfach war es zu schneiden und Blut herauf zu beschwören, aber noch lange nicht zu töten, wenn es um die ehemaligen Schatten ging. Heath begann sich unwillkürlich zu fragen, ob es irgendwo auf der Welt auch Begleiter gab, welche aus dem Mittelalter stammten, aus dem antiken Griechenland, welche einst zu den Hunnen gehörten. Waren die Hunnen deswegen so stark? Konnten sie deswegen Rom besiegen? Weil sie Begleiter unter sich hatten? Heath merkte, wie er immer mehr mit seinen Gedanken abdriftete. Er war eigentlich schon so alt und doch wusste er so wenig. Die ganzen verschwendeten Jahre. Er konnte schreiben, lesen, rechnen und wusste so einiges über die Welt, die Geschichte. Über Chemie, Physik und Biologie und doch war sein Wissensschatz so begrenzt und klein. Heath nahm sich vor, irgendwann einmal die Bücherei zu besuchen und ein bisschen zu lesen. Vielleicht verbargen sich hinter so manchen Namen auch Begleiter, welche Pseudonyme benutzen.

Heath sah erst auf, als Liv sich aus einem recht modrigen, alten Zaun ein kleines Holzstück nahm und dieses zu einer Art Zahnstocher verarbeitete, mit welchem sie dann ihre Zähne säuberte. Heath zog leicht angewidert die Stirn kraus. Eigentlich hätte es ihn gar nicht anekeln sollen. Schließlich war er Dreck und Armut gewohnt und doch hatte er noch einige Privilegien und Grenzen. Ganz verwahrlosen wollte er ja auch nicht. Liv war da wohl anderer Meinung. Oder sie hatte sich einfach schon mit ihrer Situation abgefunden, was man von Heath nicht sagen konnte. Der junge Mann sah Liv dabei zu, wie sie den Zahnstocher im Mund behielt und sich den Hut von ihm schnappte. Er ließ es einfach geschehen. Sie lächelte und allein dafür würde er so manches tun. Wurde Heath etwa unbewusst zu ihrem neuen Beschützer, ihrem Vater? Warum zum Teufel wollte er, dass Liv ein glückliches Mädchen wurde und nicht so schwarz blieb? Woher wollte er wissen, ob sie nicht genau so sein wollte? Sie konnte doch ihre eigenen Entscheidungen fällen! Sie war alt genug! Er sollte aufhören über ihre Zukunft nachzudenken und lieber mal überlegen, was er selbst machen konnte. Heath schüttelte innerlich über sich selbst den Kopf, bis ihm wieder klar wurde, dass sie eine Schattenlose war. Er wusste über Dinge bescheid, die sie ebenfalls wissen musste. Er müsste es ihr erzählen... irgendwann... außerdem lenkte Liv gerade wieder ab.

Heath lächelte nun auch. Er streckte die Hand nach dem Hut aus und zog ihn runter, sodass er Liv die Sich versperrte, aber weiterhin auf ihrem Kopf lag. Heath sah durch die einzelnen Löcher hindurch auf Livs Augen. Kein Schatten. Warum verdammt noch mal hatte sie keinen Schatten! Er hätte einen netten Tag mit ihre verbringen können und wäre dann abgehauen, aber nein, sie musste ja zu seinesgleichen gehören. Nein, nicht ganz, sie war ein Mensch, aber trotzdem. Jetzt musste er sich um sie kümmern. Er musste die Verantwortung für sie übernehmen. Ohne es zu wollen. Er hasste das. Sie ging ja noch, aber wenn bald noch mehr von seiner Art auftauchten, dann wüsste er auch nicht mehr. Besonders diese fröhlichen Leute, die die Welt mit ihrem Sonnenschein voll kotzen. Igitt! Heath räusperte sich. Er mochte die Sonne. Er war jetzt in der Natur. Nicht in der Stadt. Er war jetzt wieder die freundliche Person. Und weder Liv noch sonst jemand würde etwas daran ändern.

“Mhm... wenn du das so nennen willst... obwohl... nein, eigentlich nicht. Schließlich heißt es nicht gleich, dass man in einem Western spielt, wenn man einen Cowboy verkörpert. Tja... aber weißt du, ich rede nicht gerne über meine Filme. Ich rede gerne über die Schauspielerei, aber nicht über meine Filme. Ich war nie so berühmt und außerdem...“

Heath hielt inne. Sollte er es ihr einfach unverblüht sagen. Am liebsten hätte der junge Mann jetzt seinen Apfel weg geschmissen und einfach geschrieen, dass sie keinen Schatten hatte, weil dieser ihr abhanden gekommen war und sie jetzt ihren Begleiter suchen mussten, aber das würde nur verwirren. Trotzdem schmiss Heath seinen Apfel gen Baum. Zurück zu seiner Mutter. Er war wütend. Wie hatte er nur auf Liv eingehen können? Wie hatte sie ihn nur verwirren können? Wie eine Spinne hatte sie ein Netz um ihn erschaffen, aus welchem er nun, wo er wusste, was sie war nicht mehr raus konnte. Er hätte schon früher die unsichtbaren Fäden zerstören sollen, dann wäre er nicht hier, in dieser Situation. Er musste es ihr sagen, weil er über sie bescheid wusste. Er gehörte zu der Gruppe der Wissenden und diese hatten nun mal ausgemacht, dass sie jedem ihrer Art die Wahrheit sagen mussten. Und nur, weil Liv ein Mensch und kein Begleiter war hieß das nicht gleich, dass Heath schweigen durfte. Er rieb sich das Kinn. Er dachte zu viel nach. So viel Zeit hatte er gehabt, um zu denken und genau jetzt musste er das tun. Als wollte er in wenigen Minuten etwas nachholen, dass eigentlich Jahre in Anspruch nahm.


[bei Liv im Park | isst | denkt | zieht den Hut runter | redet | denkt]

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BeitragThema: Re: Den Tod im Genick   Sa Mai 21, 2011 10:14 pm

Ungeschickt versuchte Liv nach Heaths Fingern zu schlagen, als er ihr den Hut ins Gesicht zog, aber sie war mehr oder weniger blind. Zwischen den Lücken in dem verwobenen Stroh konnte sie zwar schemenhaft erkennen was um sie herum geschah, doch genau ausmachen konnte sie nichts. Es gab Leute, die hatten Angst im Dunkeln, über solche Leute machte Liv sich lustig, denn sie war die Dunkelheit selbst. Es gab Leute, die sich vor den Schatten fürchteten, die sich in der Finsternis verbargen, Liv machte sich über sie lustig, denn sie kannte keine Schatten.

Liv ließ sich nach hinten sinken, nachdem sie einige Zeit lang in die unglaublichen Augen des blonden Mannes geblickt hatte. Den Hut ließ sie auf ihrem Gesicht liegen, linste aber unter der Krempe hinaus. Das konnte sie, wenn sie auf dem Rücken lag. Sie hatte keine Angst im Dunkeln, aber sie wollte ihr gegenüber keine Sekunde aus den Augen lassen, das könnte ins Auge gehen, auch wenn sie nicht glaubte, dass Heath auf sie losgehen würde. Aber der Schein konnte trügen. Sie war selbst eine Meisterin dieses Faches. Sie verfälschte das Bild, das man von ihr bekam mit eben jener Finsternis, die andere fürchteten und genau das war ihr Vorteil. So konnte sie für andere das Grauen sein, obwohl sie innerlich nur… kaputt war. Wie eine dieser alten Porzellanpuppen, die in den Gästezimmern bei den Großeltern der reichen Kinder standen. Dichte Wimpern, die leere Augen umrahmen, von blasser Haut umgeben. Diese Püppchen waren von Spinnweben umgeben, Spinnweben die Livs Kleidung und die dunkle Schminke darstellten. Man durfte diese alten Darstellungen junger Mädchen nicht anfassen, nicht einmal schief anblicken, sonst vielen sie auseinander. Sie waren zu nichts zu gebrauchen. Liv… war zu nichts zu gebrauchen… Gott sei Dank konnte Heath ihren Gesichtsausdruck nicht sehen. Tränen glänzten in ihren Augen. Genau das hatten ihre Eltern ihr immer gesagt und jetzt musste sie feststellen, dass das vielleicht die Wahrheit gewesen war… Nein. Nein. Sie durfte ihnen nicht Recht geben. Zu irgendetwas war sie sicher zu gebrauchen. Verbissen presste sie die Lippen zu seinem Strich zusammen und schüttelte kurz den Kopf um die Gedanken zu verscheuchen.

Die Hälfte von Heaths Worten hatte Liv nur unterbewusst wahrgenommen. Aber sie musste darauf auch nichts sagen, also war es ziemlich egal. Der erste Teil war nur die Antwort auf ihre Frage gewesen, der Rest war eher etwas, das Liv sich durch den Kopf gehen lassen würde. Er sprach nicht gerne über seine Filme… damit also über seine Vergangenheit… Sie fand darin schon wieder etwas, das sie gemeinsam hatten. Naja, Liv konnte nicht über irgendwelche Filme sprechen und schon gar nicht über ihre – sie war keine Schauspielerin aber sie sprach nicht über ihre Vergangenheit. Sie schwieg sie tot, als könnte sie sie dadurch auslöschen. Tja, von wegen. Gedanken konnte man nicht zum Schweigen bringen und das war eben, nett ausgedrückt, Pech für Liv. Das Vergangene machte die Menschen zu denen, die sie waren, könnte man sie einfach vergessen, so konnte man ganz anders werden. Würde Liv alles einfach verdrängen, könnte sie vielleicht ein normales Mädchen sein.

Erneut musste Liv einen Schlussstrich ziehen. Sie dachte wirklich zu viel nach und sie hatte schon gemerkt wie ihre Grübelei wieder in die Frage übergehen wollte, was denn eigentlich normal wäre. Aber nein, sie konnte ein andermal in ihrem eigenen Bewusstsein versinken, wenn sie alleine war. Jetzt war sie bei Heath, der seinen Satz unterbrochen hatte und ihn mit einem „Außerdem…“ am Ende in der Luft schweben ließ. Liv zog sich den Hut vom Kopf und legte ihn sich auf die Brust. Es musste an die typische Haltung erinnern, mit der man beerdigt wurde. Sie nahm das Holzstück aus dem Mund und warf es achtlos weg. Würde eh verrotten.

Mit einem Ruck fuhr Liv auf, als Heaths Apfel gegen den Baum knallte, sie war halb auf die beine gesprungen und war zurück gewichen. Sie ging in die Hocke, sie war bereit, wegzulaufen, wenn es darauf ankam. Oder? Sie war sich nicht sicher, ob sie das tatsächlich tun würde, sie hatte gerade angefangen die Gesellschaft eines anderen zu genießen, das wollte sie nicht aufgeben. Worüber auch immer er sich geärgert hatte – und sei es sie gewesen. Sie würde nicht gehen. Sollte er sie doch wegzuschicken versuchen, sie würde sich nicht von der Stelle rühren und wenn er sie mit dem Dolch angriff, nun dann würde sie wohl hier an dieser Stelle sterben.

Sie beobachtete noch einige Momente, wie Heath sich wieder halbwegs beruhigte – zumindest äußerlich. Sie musste sich jetzt irgendwie beschäftigen, damit sie nicht anfing irgendwelchen Mist zu stammeln. Worüber regte er sich denn so auf? Vielleicht wollte er doch nicht in Gesellschaft eines „schwarzen Etwas“ sein und sie nervte ihn in Wirklichkeit nur mit ihrem schlechten Small-talk. Plötzlich fühlte sich ihr Schutzpanzer aus dunklen Farben schwer an. Er drückte sie förmlich zu Boden und sie ließ sich wieder vollständig ins nasse Gras sinken. Sie wandte sich halb von ihm ab. Ihre Finger fuhren durch die nassen Halme, damit sie ihre Hände beschäftigen konnte.
Nachdenklich betrachtete sie die Tropfen, die auf ihrer Handfläche glänzten. Heath konnte ihr Gesicht im Moment nicht sehen. Vielleicht konnte sie ja…? Sie legte zwei Finger auf den Lidstrich unter ihren Augen und wischte über die dunkle Farbe. Es ging ab, alles ging gut ab. Kein Wunder, das war nur billiger Kram. Ihre Finger waren dafür jetzt schwarz, aber auch das war mit Hilfe des Grases leicht beseitigt

In solch einer Situation griff natürlich auch die schlechte Angewohnheit und Liv grub die Zähne in die Kerben in ihrer Unterlippe. Vorsichtig erhob sie die Stimme. Sie hatte ihre Ruhe nicht verloren, ihre Tonlage war immer noch nahezu monoton.

Was ist denn los…?

Sie drehte sich ihm wieder zu. Sie wirkte jetzt älter. Vielleicht lag es daran, dass sie nicht mehr wie ein rebellischer Teenager geschmickt war, vielleicht lag es daran, dass sich Sorgenfalten auf ihrer Stirn abzeichneten…


[legt sich hin || schreckt wegen Heaths Ausbruch auf || wischt sich die Schminke aus dem Gesicht || fragt etwas]
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BeitragThema: Re: Den Tod im Genick   So Mai 22, 2011 10:56 pm

Amber sah nicht was Kjetil machte. Sie sah nicht was er tat, was er wohl dachte. Ihre Augen waren halb geschlossen, ihre Gedanken flogen durch die Luft wie Wolken.
Seine Stimme riss sie aus den ‚Träumen‘. Erschrocken riss sie den Kopf hoch, ihre Augen waren offen, klar. Sein Lachen ließ sie den Kopf wenden. Es war.. alles okay?! Achso!

“Ich dachte nur.. weil du da so saßt…“

Sie blickte ihn an, ihre Augen glänzten schwach.
Als Kjetil näher an sie ran rückte, etwas sagte, da konnte sie nicht anders. Ein Lächeln schlich sich abermals auf ihre Lippen.

„Nein.. es liegt nicht an dir.. ich war nur irgendwie die ganze Nacht weg und.. habe wenig geschlafen“

Ihr Lächeln vertiefte sich. Als er sie mit dem Arm umfasste, sie an sich heran zog und seine Stirn an ihren Kopf lehnte, überlief ein Schauer ihren Körper. Entspannt schloss sie die Augen, lehnte sich sanft gegen ihn. Ihr ganzer Körper entspannte sich, auf ihren Armen breitete sich eine leichte Gänsehaut aus. Einige Sekunden lang lag sie entspannt in seinen Armen, lehnte sich gegen ihn, die Augen immer noch geschlossen. Einige Sekunden fiel sie in einen leichten Schlaf, träumte von der verdammten Nacht, dann, ohne wirklich zu wissen warum, spannten sich ihre gesamten Muskeln an und sie schreckte aus dem Schlaf.
Vielleicht lag es an seinem Arm, der sich um ihre Schultern gelegt hatte, vielleicht an etwas anderem. All ihre Muskeln rissen sich zusammen, es tat beinahe weh. Sie stöhnte leise, versuchte sich ein wenig von ihm wegzuschieben, doch er hielt sie zu fest, obwohl der Griff so locker erschienen war.
Ihre Augen waren weit geöffnet, ihr Körper zitterte und ihr Puls beschleunigte sich. Sie blickte ihn an, Panik in den Augen.

„Bitte.. NICHT!”

Ihre Stimme war leise, verunsichert, beinahe ängstlich. Sie wünschte sich nichts mehr, als dass er sie nicht loslassen würde, sie fester in den Arm nehmen würde und ihr sagen würde dass alles in Ordnung war, doch die Angst wollte nicht vergehen.
Panik und Angst blitze in ihren Augen, dennoch lag dahinter der Wunsch e würde nicht gehen, nicht loslassen.
Warum musste das jetzt passieren, jetzt wo sie sich doch bis ebenso gut gefühlt hatte? Kjetil hatte ihr Sicherheit gegeben, Sicherheit und das Gefühl nicht allein zu sein, und jetzt hatte ihr dummer Traum alles zerstört. Ihre mühsam aufrecht gehaltenen Fassade von Wachsamkeit brach blitzschnell zusammen, die Wachheit und die Angst verschwanden nicht, dafür stiegen ihr Tränen in die Augen.

oO(Bitte nicht nochmal)Oo

War ihr einziger Gedanke. Sie war so müde… So müde..
Die Panik verebbte, die Angst aber blieb. Wie konnte sie nur so dumm gewesen sein, zu glauben dass alles gut war, dass er sie halten und beschützen würde wenn die Angst sie überkam?

oO(Bitte lass nicht los!)Oo

Einige Tränen glitzerten in ihren Augen.



[bei Kj // bricht vollkommen zusammen ] (Drama (: )
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Jack

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BeitragThema: Re: Den Tod im Genick   Mo Mai 23, 2011 12:24 pm

Was hatte er sich nur dabei gedacht? Sein Leben war bis jetzt unendlich einfach, schlicht und schön gewesen. Jedenfalls in dem Sinne, wie man es nennen konnte.
Aber auch langweilig.
Jack schüttelte den Kopf, während er in Gedanken mit sich selbst stritt und mit einer Hand das Mädchen mit sich zog.
Sie war verletzt, schwer verletzt, ihr Kleid war zerrissen, im Gesicht Blut, eigentlich überall Blut, sie hatte sichtlich Schmerzen und er zog sie noch hinter sich her.
Doch was sollte er tun?
Gerade als er wieder überlegte, wie dumm er doch gewesen ist, als er sich einmischte, sprach sie ihn an.
Wo er hinwollte? Wo KONNTE man hier denn hin?
Jack überlegte gerade noch, was er auf eine solch überflüssige und doch wichtige Frage antworten sollte, als er ein unterdrückten Schluchzer und einen Schrei wahr nahm. Ersteres kam von seiner Begleitung, zweiteres von dem wohl äußerst wütenden Gitarrebspieler, der anscheinend allein nicht wirklich bestehen konnte.
Mindestens 3 oder mehr Leute hatte er sich zusammen gerufen, die nun, seinem Ruf folgend, sich hinter ihm zusammen rotteten.

”Scheiße.”

Sagte er nur und schaute wieder auf seine Begleitung runter.
Viele Möglichkeiten hatte er nun nicht, jetzt hieß es abwägen und die beste raus filtern. So schnell wie möglich. Ziemlich schnell!
Entweder er ließ das Mädel zurück und rettete sich selbst.
Schlechte Idee. Scheiß Idee.
Das Mädel zurück lassen, ins Getümmel werfen.
Sie würden dich platt machen, und sich dann sie vornehmen. Allein schafft sie es nicht.
Es blieb also nur eins übrig.
Ablenken, abhauen.

Jack runzelte die Stirn, dachte kurz nach und hatte dann eine Idee von einem Plan. Er wandte sich mit dem Mädel schnell um, zu einem Haus das beleuchtet war. Selbstbewusst ging er zur Tür und klopfte laut.

”Hey Leute, macht auf, wir müssen da schnell was klären.”

Sein erster Plan ging auf, die Meute hielt an und beobachtete erstmal, was da jetzt passierte und ob der Nasenbrecher wirklich Hilfe bekam.
Für den zweiten Akt musste er kurz hoffen, doch das Glück war auf seiner Seite.
Ein Unbedarfter, der nicht durch den Spion geschaut hatte, öffnete die Tür und war dann sichtlich geschockt.
Doch Jack handelte schnell und schob Freya in die offene Tür, ins Haus und kam gleich hinterher, ohne das Pöbeln des Menschen im Haus zu beachten.
Jack schmiss die Tür zu, schaute sich schnell um, ignorierte alle schreienden Menschen und zog Freya in den Keller des Hauses, das dem von ihm schon etwas ähnelte. Er hoffte,… und fand, was er gehofft hatte zu finden. Einen Hinterausgang zum Garten. Ohne Rücksicht und ohne zu Fragen zog er das Mädel immer weiter, nun den Hinterausgang heraus und in den angrenzenden kleinen Wald.
Immer wieder hielt er kurz inne und lauschte.
In Sicherheit waren sie noch lange nicht, nicht so lange sie auf der Straße beziehungsweise draußen waren. Sie mussten in sein Versteck.
Doch Jack glaubte, dass das Mädel eine kurze Pause brauchte.



[sorry etwas PP.]
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Heath

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BeitragThema: Re: Den Tod im Genick   Di Mai 24, 2011 10:33 pm

Heath starrte den Baum an. Der Apfel prallte an der Rinde ab, als würde sie aus Beton bestehen. Das Holz wankte minimal und die grünen Blätter, von denen sich einige schon leicht golden färbten zitterten. Nicht nur, wegen der Schwingung, die ihnen ihr Angreifer zubereitet hatte, sondern auch durch den Wind. Heath schloss die Augen. Die Wut loderte noch immer in ihm und er war sich sicher, dass Liv es ihm ansehen konnte. Er wollte das nicht. Nicht jetzt. Nicht hier. Es war zu früh. Er kannte sie doch kaum! Und sie ihn auch nicht. Heath atmete tief und geräuschlos ein. Die kühle Luft stieg in seine Lunge und biss ihm in die Nase. Der Wind war schon kühl, aber ansonsten war es recht warm. Der Winter wartete nicht lange. Leider. Heath strich mit der einen Hand über das Gras. Er hatte die Augen noch immer geschlossen und den Blick von Liv abgewandt. Die grünen Halmen betasteten weich seine Hand. Ohne Linien. Glatt wie Marmor. So widerlich glatt. Warum konnte er nicht einfach normal sein? Er wäre liebend gerne gestorben. Damit hatte er nie ein Problem gehabt. Vielleicht lag es auch nur daran, dass er nicht sterben konnte und es ihm somit relativ egal sein. Aber nein, er musste anders sein. Er musste ja unbedingt derjenige sein, der hier saß und einem Mädchen die Wahrheit über es selbst sagen musste. Heath musste grinsen. Automatisch öffnete er die Augen. Die helle Sonne stach in ihnen und er musste sich zunächst wieder an das Licht gewöhnen, bevor er seinen Gedanken weiter führen konnte.
War es so, wenn Mädchen erwachsen wurden? Wenn sie das erste mal erfuhren, dass die Möglichkeit Kinder zu bekommen bei ihnen bestand? Wenn Mütter ihnen sagen mussten, dass sie jetzt wirklich eine Frau waren? Fühlten diese sich dann so? Heath kicherte. Die Wut war noch immer da, aber er konnte einfach nicht anders. Seine Gedanken gingen in eine falsche Richtung, die mehr als intim war.
Er sah wieder zu Liv. Sofort erstarb das Kichern und eine düstere Mine legte sich auf sein Gesicht.

Liv hatte sich hingehockt. Heath musterte sie. Sollte er es ihr wirklich erzählen? Er konnte einfach nicht. Es machte ihn wütend. Sollte sie doch ihr unbeschwertes Leben weiter führen. Ob sie sich je gefragt hatte, was dieses Ziehen in ihrer Brust sollte? Hatte sie sich auch so leer gefühlt, so, als wäre ihr etwas abhanden gekommen? So wie Heath damals? Doch sie hatte die schöne Seite der ganzen Geschichte. Sie war das Cover und nicht der Buchrücken. Sie war das Bild, nicht der Text. Sie musste nicht irgendwo aufwachen und feststellen, dass etwas nicht stimmte und man sich nur vage an manches erinnern konnte. Sie hatte einfach nur irgendwann gemerkt, dass in ihrem Leben etwas nicht stimmte, etwas zu fehlen schien und das dann ignoriert. Wenn sie erst einmal ihrem Begleiter begegnete, so würde sie schnell fest stellen, dass Ziehen aufhörte, welches mit der Zeit in den Hintergrund getreten war und zurück blieb die Erfüllung, als wäre ihr Geist, ihr Körper, alles wieder vollständig. Bis die Zwei sich trennten. Und dann ging das Katz-Und-Maus-Spiel los. Ja, so war es immer... es sei denn, Heath sagte einfach frei heraus, dass sie nicht die war, die sie zu sein glaubte. Dann könnten sie zusammen suchen, finden und sich trennen. Keine Ahnung, was sie dann machen würde. Liv war jung. Sie könnte schon was finden. Mit ihrem Begleiter. Und wenn es nun ein schäbiger Typ war? Oder eine egoistische Göre? Was dann? Sollte er sie einfach gehen lassen? Wäre es nicht viel klüger mitzukommen? Heath seufzte. Er rieb sich wieder das Kinn. Verdammt, konnte das nicht einfach aufhören?!

Als Heath endlich wieder bei Sinnen war hatte Liv sich in das Gras fallen lassen. Seinen Hut hatte sie noch nicht rausgerückt. Wenn er in seiner Gedankenwelt war – da war sich Heath sicher – so konnte sie ihn den Hut bestimmt aufsetzten, ohne, dass er es merkte. Liv richtete sich wieder auf. Ihre Schminke war verschwunden. Nur einige schwarze Rückstände, doch es wirkte nicht so, als hätte sie geweint. Und wenn doch? Wenn sie sich mit ihren eigenen Tränen das Make-up weg gewischt hatte? Wenn sie soeben Schwäche zeigte und damit bewies, dass sie nicht stark war, wie Heath es sich erhoffte? Heath legte die Hände auf die Knie und krallte sich mit den Fingernägeln fest, als könne er so den Gedankenfluss stoppen. Er wollte nicht mehr, dass er sich für Liv verantwortlich fühlte, obwohl er es nun war. Aber so sollte es einfach nicht sein.

Doch als Heath sah, wie Liv die Stirn runzelte und in ihren Augen kurz Sorge aufblitzte wurde ihm klar, dass er sehr wohl für das „schwarze Etwas“ verantwortlich war. Sein „schwarzes Etwas“. Er würde für sie sein, was sie wollte. Eine Vaterfigur, ein Mensch, ein Freund, ein Wissender. Solange sie in Sicherheit war, bis sie dann ihren Begleiter hatte. Und wenn dieser nicht so war, wie sie es sich erhofften, so würde Heath bleiben. Irgendwann konnte dieser sich ändern. Heath überlegte kurz. Liv wollte wie eine Erwachsene behandelt werden. Aber er konnte ihr nicht einfach so sagen, was sie war, ohne, sie als ein kleines Kind zu sehen. Weil sie nun mal so unschuldig und dumm wie ein kleines Kind wirkte, wenn er ihr alles erklärte. Es ging einfach nicht anders.

Sie fragte was los war. Monoton. Ohne Sorge. Doch ihr Blick sprach für sich. Und so stand Heath auf. Das Gras, auf welchem er gelegen hatte war platt. Er spürte, wie der kühle Wind über seine leicht feuchte Hand strich. Heath drehte Liv den Rücken zu. Er zog seinen Dolch heraus – oh Wunder, er hatte es lange ausgehalten seinen Freund in Ruhe zu lassen! Die Nervosität und Wut stieg in Heath. Er ließ den Dolch durch die Luft gleiten und fing ihn immer wieder am Griff auf. Die Klinge glitzerte in der Sonne. Zu gerne hätte er jetzt in irgendetwas reingestochen. Etwas, dass nicht blutete. Zumindest kein rotes Blut. Harz. Das Blut des Baumes. Das würde er jetzt gerne sehen. So schön klebrig. Vielleicht konnte er damit seinen Mund zukleben und nie, nie wieder sprechen. Dann wäre so einiges besser. Was für ein verrückter Gedanke.
Heath steckte den Dolch zurück. Er seufzte laut. Die Hände wieder in den Taschen. Wütend murrte er:

“Scheiße, dann sag es doch einfach!“

Es war an ihn gerichtet. Einfach an ihn. Fluchen tat er für sich und nicht unbedingt vor anderen. Heath drehte sich zu Liv um. Er streckte die Hand aus. Sie konnte diese nehmen oder es so interpretieren, dass er seinen Hut zurück haben wollte. Es war ihre Entscheidung.

“Komm, lass uns einen Spaziergang machen.“

sagte Heath tonlos und irgendwie erschöpft. Als wäre er soeben einen Marathon gelaufen. Das traf es sogar recht gut. Einen Marathon der Gefühle. Leider herrschte die Wut war. Warum hatte man ihn erschaffen? Hatte Gott so einen Spaß daran ihn zu nerven? Das größte Geschenk, welches Gott einen jedem machte war der freie Wille. Und Begleiter wurden menschlich, weil sie zweifelten und ihren eigenen Willen haben wollten. Und dieses Geschenk wurde einen immer wieder zum Verhängnis. Denn sie waren nicht alle Maschinen. Und leider gab es genug Lebewesen, die genau deswegen sterben mussten. Weil sie nicht alle Maschinen waren, die die Welt mit Regenbögen bemalten und immer lächelten. So war das nun mal. Da konnte auch Gott nichts dran ändern.


[bei Liv | denkt viel | ist abwesend | wütend | steht auf | spielt mit Dolch | redet]

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Kjetil

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BeitragThema: Re: Den Tod im Genick   Di Mai 24, 2011 10:41 pm

I walk a lonely road
The only one that I have ever known.
Don't know where it goes
But it's home to me and I walk alone.



Auf der Straße lernte man, mit den verschiedensten Situationen klar zu kommen, die verschiedensten Unannehmlichkeiten auszuhalten, auf die verschiedensten Dinge angemessen zu reagieren. Man lernte, wie man unerkannt blieb, wie man sich zu essen beschaffte, wie man überlebte. Man lernte, sich zur Wehr zu setzen, wenn man in eine kritische Lage geriet; den Hunger auszuhalten, wenn es mal nichts zu Beißen gab; mit der Einsamkeit fertig zu werden, sie zu seinem Freund zu machen.
Das einzige, was einem die Straße nicht lehrte, war… sanft zu sein, wenn es darauf ankam. Kjetil jedoch - nun, man konnte nicht sagen, dass dieser Charakterzug an ihm besonders ausgeprägt war, diese Stellung nahmen andere Eigenschaften ein (die hier nicht näher genannt werden müssen), aber er spürte es, wenn es von ihm verlangt wurde.
So stark hatte er dieses Verlangen aber noch nie in sich gefühlt. Diesen… Beschützerinstinkt, man konnte es einfach nicht anders beschreiben. Und doch wusste er, dass er sie loslassen musste, wenn sie nicht beschützt werden wollte. Das musste sie auch nicht - beschützt werden. Sie brauchte keinen Schutz und wenn… dann vor ihm.
Doch es schien ihr nicht unangenehm zu sein. Oder? Nein… nein. Sie entspannte sich, ließ sich leicht gegen ihn sinken. Er könnte ihre Wärme fühlen und die Ruhe, die sie schützend und sanft umgab.

Verwundert blinzelte er. Ein seltsames Gefühl… jemandem so nahe zu sein und es als angenehm zu empfinden. Ambers Hinterkopf ruhte an seiner Stirn, ihre leicht gewellten, braunen Haare fielen über seine Brust. Ein kaum wahrzunehmender, undefinierbarer Duft ging von ihnen aus und Kjetil atmete tief ein.
Die meisten Gerüche auf der Straße waren eben… schlicht und ergreifen abstoßend. In den meisten Fällen sah man lieber nicht allzu genau nach, woher der Gestank kam, aber mit der Zeit gewöhnte man sich auch daran… wie an so vieles. In diesem Augenblick jedoch konnte er mit der Gewissheit einatmen, dass ein leichter, süßer Duft durch seine Lungen streichen würde. Es war kein Parfum, nicht künstlich aufgetragen. Er war einfach da.


I walk this empty street
On the boulevard of broken dreams.
Where the city sleeps
And I'm the only one and I walk alone.


Eigentlich war er immer allein gewesen. Und es hatte ihm niemals auch nur das Geringste ausgemacht. Ihm reichten die Schatten, mit denen er reden konnte und er ging seinen Weg, ohne jemanden an seiner Seite.
So war es schon immer gewesen - er hatte sie nie ein anderes Leben gewünscht. Wenn, dann waren diese Wünsche schon früh zerschlagen worden… Vielleicht ganz einfach von der Tatsache, dass so gut wie jeder, den er sah, sich nach einem anderen Leben sehnte und dann doch wieder mit knurrendem Magen und mit Drogen zugedröhnt in einer dreckigen Gasse einschlief. Alleine.
Kjetil ging es da noch verhältnismäßig gut und alles hätte so bleiben können. Und jetzt? Er wusste es nicht.


My shadow's the only one that walks beside me,
My shallow heart's the only thing that's beating.
Sometimes I wish someone out there will find me.
'til then I walk alone.


Mist. In was war er da nur hinein geraten? In irgendetwas, das sich gleichzeitig richtig und… falsch anfühlte. Es tat zu gut, Ambers Entspannung zu spüren, als dass er sich in diesem Moment ernsthaft darüber Gedanken gemacht hätte. Doch gerade da merkte er, wie etwas ihren Körper zu durchzucken schien.
Sie spannte sich an, verkrampfte sich richtiggehend, zitterte. Erschrocken blinzelnd öffnete Kjetil die Augen. Reflexartig hielt er Amber fest, registrierte kaum, dass sie sich loszumachen versuchte. Bis die Angst in ihren Augen und der panische Ausruf ihn zur Besinnung brachten. Er löste die Umarmung, ließ die Hand jedoch an ihrer Schulter ruhen und versuchte, Amber in die Augen zu sehen.
Das leise, trotzdem fast geschriene „Nicht“ ließ ihn leicht zusammenzucken und das Wort hallte in seinem Kopf wieder.
Hatte er etwas falsch gemacht? Nein, er hatte sich kaum gerührt, hatte nur vor sich hinsinniert… glaubte er zumindest. Vielleicht hatte sie nur schlecht geträumt? Doch Kjetil sah die Angst in ihrem verstörten Blick, die Verzweiflung, die nicht kurz nach dem Hochschrecken von ihr gewichen war. In ihren Augen schimmerten Tränen, während langsam das Flackern der Panik darin verschwand. Eine tiefer sitzende Furcht blieb jedoch, eine Furcht, deren Ursprung er nur erahnen konnte.
Kjetil biss sich auf die Lippe, weil er sich nicht zurückzog, sie freigab. Doch was war in diesem Fall besser? Wenn er jetzt zurückwich - wie würde sie das auffassen? Außerdem war lag noch etwas anderes in den dunklen Augen. Wie eine leise Bitte, den lautlosen Wunsch nach Sicherheit. Nichts wollte er ihr mehr geben, als das Gefühl, sicher zu sein. Aber konnte er das? Schwer zu sagen. Jetzt war improvisieren angesagt.

Sacht strich er ihr über die Schulter, hielt sie behutsam, aber bestimmt auf seinem Schoß fest, während er ihren Blick suchte.

    „Amber.“

Sprach er sie leise an, sagte einfach nur ihren Namen. Möglichst beruhigend. Nur, dass er das noch nie gemacht hatte. Seine Stimme fiel jedoch ganz automatisch in die richtige Tonlage. Ruhig und trotzdem fest, eindringlich.

    „Alles in Ordnung.“

Hatte er diesen Gedankengang nicht schon einmal zu Ende geführt? Dieses Alles in Ordnung, alles okay… Auf wie viele Dinge das bezogen sein konnte. Wirklich alles war nie in Ordnung. Trotzdem murmelte er es noch einmal:

    „Alles in Ordnung… Ich bin da.“

Das war nicht beruhigend. Resigniert schüttelte er den Kopf und setzte noch einmal an:

    „Und ich werde nichts tun, was du nicht willst. Ich verspreche es.“

Erst in diesem Moment fasste er wirklich den Entschluss. Egal, was genau er vorhin noch vorgehabt hatte, er würde das Mädchen nicht anrühren. Würde immer zuerst sicher gehen, dass sie damit einverstanden war. Menschen waren zerbrechlich… Es war ein Wunder, dass Amber nicht völlig ängstlich und in sich zurückgezogen war. Doch verstand er jetzt, dass diese Angst tief saß und manchmal hochstieg.
Und er wollte nicht derjenige sein, der sie wieder heraufbeschwor wie einen Dämon, der nur schlief und jederzeit geweckt werden konnte.
Kjetil senkte den Blick, ließ auch die Hand sinken. Vielleicht war es besser, wenn er einfach ging. Dieses Mädchen auf seinem Schoß hatte ein Leben und er durfte es nicht zerstören. Kurz noch sah er Amber wieder an, beugte sich vorsichtig vor und hauchte ihr einen Kuss auf die Stirn.

    „Wenn du willst, dass ich bleibe… dann werde ich das tun. Wenn nicht, werde ich gehen.“

Immer noch ruhig, beschwichtigend, doch schaffte er es nicht mehr, ihr in die Augen zu sehen. Sein Blick glitt zur Seite und verharrte irgendwo in der Leere.


Sometimes I wish someone out there will find me.
'til then I walk alone.



[mit Amber auf dem Schoß auf ihrem Sofa || versucht, sie zu beruhigen || gibt ihr einen Kuss auf die Stirn || zweifelt daran, ob er bleiben soll]
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BeitragThema: Re: Den Tod im Genick   Mi Mai 25, 2011 10:41 pm

Let the rain wash away all the pain of yesterday
I know my kingdom awaits and they’ve forgiven my mistakes


Amber spürte wie Kjetil zusammenzuckte. Sie spürte wie seine Muskeln sich anspannten, bekam Angst. Es tat weh zu wissen dass sie ihn verunsicherte, es stach ins Herz, wie Nadeln so fein und spitz war der Schmerz. Sie sah wie er sich auf die Lippen biss. In seinen Augen meinte sie Unsicherheit zu sehen vielleicht war er sogar etwas verwirrt. Natürlich, er verstand sie nicht. Er wusste nicht was geschehen war, zumindest nicht im Detail. Er verstand einfach nicht was passiert war, konnte es nicht nachvollziehen.
Sie war ihm so dankbar dass er blieb, sie war so dankbar dafür dass er nicht ging, nicht losließ.
Seine Stimme, so sanft aber bestimmt, so leise und deutlich zugleich. Er traf die Töne perfekt, sprach beinahe melodisch. Es tat so gut ihn zu haben, es tat so gut gehalten zu werden. Sie blickte in seine Augen, diese Augen die die ihren suchten, sie hielten.


I feel like there’s nothing that I can’t try
and if you with me put your hands high
If you ever lost a light before, this ones for you
and you, the dreams are for you


„Danke…”

Flüsterte sie. Ihre Stimme war heiser, leise. Amber bemerkte dass Kjetil sich nicht sicher war ob er die richtigen Worte fand, dachte anscheinend dass sie sehr unpassend waren, doch sie war sehr dankbar für seine Worte.

„Ich .. glaube dir.. Du würdest nichts tun..”

Ein Schauer lief über ihren Rücken, sie stöhnte leise. Riss die Augen auf. Die Angst saß in ihren Augen, wollte einfach nicht verschwinden. Sie saß so tief, hinterließ beinahe einen dunklen Schatten in ihren dunklen Augen.
Für einige Sekunden schloss sie die Augen, entspannte sich für einige Sekunden. Als seine Lippen ihre Stirn berührten öffneten sich ihre Augen wieder, sie blickte ihn an, schaute ihm in die Augen, schon wieder. Seine Worte berührten sie, hinterließen einen Fleck von Sehnsucht in ihrem Herzen. Er würde für sie bleiben, nur für sie. Ein sanftes Lächeln verzog ihre Lippen, ein zartes, vorsichtiges Flackern verbreitete sich in ihrem Blick.

„Bitte … bleib.. wenn du willst.”

Als sein Blick plötzlich zur Seite glitt, sie nicht mehr hielt, da hatte Amber das Gefühl zu fallen. Sie fiel, fiel und fiel. Das Flackern verschwand aus ihren Augen, wurde durch eine gähnende Leere ersetzt. Er durfte nicht gehen, nicht jetzt!


it’s what made me, saved me, drove me crazy
drove me away than embraced me
forgave me for all of my shortcomings
welcome to my homecoming
yeah it’s been a long time coming


Es war verrückt wie ihre Welt zusammen brach als er wegschaute, wie sie selbst zusammenbrach nur weil er sie nicht mehr anblickte. Sie war eine psychisch gestörte Irre die auf die Hilfe anderer angewiesen war, das war sie nicht mehr und nicht weniger, das dumme daran war das viele Leute schnell genervt waren. So würde es auch mit Kjetil sein. Ihre seltsame Angst würde ihn stören, ihn nerven und dann würde er gehen, sie in ihrem dummen Haus alleine lassen.

“A house is Not a Home“, I hate this song
is a house really a home when your loved ones is gone
- No -


Zögernd griff sie nach Kjetils Hand, setzte sich vorsichtig auf, lehnte sich aber immer noch gegen ihn, dann drehte sie sich so, dass sie mit dem Gesicht zu ihm saß, ließ seine Hand nicht los, hielt sie aber auch nicht richtig fest, damit er sie wegziehen konnte wenn er wollte.
Einige Sekunden saß sie so vor ihm, blickte ihm in die Augen, versuchte seinen Blick zu fangen. Ihre Lippen waren leicht geöffnet, ihre Haare fielen ihr offen über die Schulter, wellten sich leicht. Nicht lange saß sie so vor ihm, denn nach einigen Augenblicken beugte sie sich vor, legte ihren Kopf gegen seine Brust, lehnte sich wieder gegen ihn, nur irgendwie andersrum.
Langsam und kräftig schlug sein Herz gegen ihr Ohr. Doum – Doum – Doum. Es schien seinen Rhythmus nicht zu verlieren, den ewigen Rhythmus den ein Herz schlagen sollte.


I hear your heartbeat, heartbeat


[bei Kjetil // macht viel dummes Zeug]
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Kjetil

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BeitragThema: Re: Den Tod im Genick   Sa Mai 28, 2011 2:23 am

Do you know where your heart is?
Do you think you can find it?
Or did you trade it for something, somewhere, better just to have it?



So war er doch sonst nicht drauf. Der Tag hatte so schön unkompliziert angefangen, wie jeder andere Tag in seinem einfachen, aber auf chaotische Art und Weise einigermaßen geregelten Leben. In einer Mülltonne aufgewacht, noch nichts im Magen, aber das Knurren geflissentlich ignoriert… Vielleicht war es nur der Hunger, der ihn so missmutig machte. Nein, es war keine Gereiztheit, keine Unlust. Eher eine Art Beklemmung, die er einfach nicht abzuschütteln vermochte. Und sie nervte ihn mit jedem Moment mehr. Es war doch nicht seine Art, mit trübem Blick ins Nichts zu starren. Das war das, was er immer vermeiden wollte und bei anderen nicht leiden konnte.
Ein lautloses Seufzen kam ihm über die Lippen. So fühlte es sich wohl an, wenn man… Verantwortung trug. Damit kam er nicht zurecht, ganz eindeutig. Das, was er tat, hatte sonst nie oder kaum Auswirkung auf andere. Diesmal jedoch würde sein nächster Schritt schwerwiegender, weitrechender sein, würde einen anderen Menschen berühren - auf gute oder schlechte Art. Dafür war er jetzt verantwortlich. Und das gefiel ihm nicht.

Kjetil riss sich zusammen, ließ sich das durch den Kopf gehen, was Amber gesagt hatte. Es hallte richtiggehend in seinen Gedanken nach und verwirrte ihn.
Danke.
Wofür dankte sie ihm? Dass er blieb? Er verstand es nicht.


Do you know where your love is?
Do you think that you lost it?
You felt it so strong, but nothing's turned out how you want it.

Ich glaube dir.
Er hatte sich schon immer darauf verstanden, eine Lüge so umzuformen, dass sie zu einer Wahrheit wurde - oder sich zumindest danach anhörte. Irgendetwas hatte er an sich, dass ihm die Leute schnell glaubten. Dieses Mal jedoch war es nicht gelogen, kein Wort.
Und dann wieder die Angst, die auch er nicht vertreiben konnte. Vielleicht machte er es in Wirklichkeit auch nur schlimmer. Löste die Erinnerung immer wieder aus, ohne dass Amber das selbst wahrnahm.


Well, bless my soul
You're a lonely soul
'Cause you won't let go of anything you hold.


Trotzdem würde er bleiben. Oder? Was sprach dafür, was dagegen. Ach verdammt. Er hasste solche Entscheidungen, die man nicht aus dem Bauch heraus treffen konnte. Berechnung hin oder her, normalerweise brauchte er ein paar Momente, dann hatte er den schnellsten, sichersten Weg vor Augen und brauchte ihn nur mit der gewohnten Lässigkeit zu gehen.
Bis jetzt war er diesen Weg immer allein gegangen. Das war der große Unterschied. Okay, diese Überlegungen führten zu rein gar nichts. Er sollte es lieber aufgeben und zu seiner alten Art zurück finden. Unbekümmert. Er war schon viel zu sehr davon abgewichen.

Gedankenverloren nickte Kjetil, bevor er einen leichten Druck um seine Hand spürte. Sein Blick huschte zur Seite und er betrachtete Amber fragend, die seine Hand leicht festhielt und ihn ansah. So gut er Gesichtsausdrücke sonst definieren konnte… er wusste den ihren nicht zu beschreiben. Unsicher? Ängstlich? Ruhig? Kjetil legte den Kopf leicht schief, unwillkürlich fasziniert. Ihr Blick schien leer und trotzdem lag so viel darin, doch kein Gefühl ließ sich wirklich deuten. Ein paar Sekunden lang verharrten sie beide bewegungslos, wie in einem schlechten Liebesfilm, wenn die beiden es minutenlang hinauszögerten, bis -
Moment mal, was?!
Das war kein Liebesfilm. Bitte nicht. Das machte alles nur noch viel komplizierter. Reglos erwiderte Kjetil Ambers Blick, bis sie sich weiter zu ihm beugte und… -
…den Kopf an seine Brust legte.


Do you know what your fate is?
Are you trying to shake it?

Well, all I need is the air I breathe
And a place to rest my head…

Vorsichtig legte er ihr die Hand auf den Rücken, nur sacht. Lauschte auf ihre Atemzüge. Und fühlte sich zerrissen. Grr.

    .oO(Unbekümmert, Trottel. Sag was Witziges oder zumindest was Blödes.)

Doch das tat er nicht. Er blieb einfach still so sitzen.
Schließlich nahm er Amber sanft bei den Schultern und schob sie ein Stück zur Seite, sodass sie neben ihm am Sofa lag. Er war sie nicht sicher, ob sie noch wach war, doch überprüfte er es auch nicht. Sie sollte sich jetzt erst einmal ausschlafen.


Whenever the end is
Do you think you can see it?
Well, until you get there
Go on, go ahead and scream it…

All I need is the air I breathe
And a place to rest my head.

    .oO(„Rest my head“... „Meinen Kopf freikriegen“. Klingt gut.)

Außerdem war es für sie wohl das Beste. Doch wartete er noch ein wenig, um sicherzugehen, dass sie möglichst fest schlief. Vielleicht glaubte sie ja, dass es nur ein Traum gewesen war, wenn sie aufwachte? Ein dummes Klischee, aber egal. Und wenn - würde sie froh sein, dass es nur ein verwirrender Traum gewesen war oder würde sie wünschen, er hätte vielleicht noch ein bisschen länger gedauert…?



[bei Amber || legt sie aufs Sofa, damit sie schlafen kann]
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BeitragThema: Re: Den Tod im Genick   Mo Jun 13, 2011 2:25 pm

-Butterfly, Early Summer
It's playing on repeat, Just like when we would meet
Like when we would meet -


Es tat so gut seine Hand auf ihrem Rücken zu spüren. Sein Herz schlug kraftvoll, rhythmisch. Es gefiel ihr dem Klang des Herzens zu lauschen. Doum – Doum – Doum. Gleichmäßig, ruhig. Kraftvoll und sanft, stetig und dennoch nicht ganz regelmäßig.
Schwer.. ihre Lider wurden so schwer. Einige Male noch hörte sie das Klopfen seines Herzens, dann verschwand der Klang, wurde übertönt von dem süßen Lied des Schlafes.
Weiter, immer weiter in die Welt des Traumes.


-Cause I was born to tell you I love you
and I am torn to do what I have to, to make you mine
Stay with me tonight -


Es ist komisch was man alles sieht, denkt und fühlt wenn man schläft. Einmal träumte ich von einem Schaf. Einem Schaf so rein und weiß wie die Unschuld. Aber ist die Unschuld wirklich so rein? Verbirgt sich dahinter nicht meist das wirklich.. Schlimme..?
Weiter, immer weiter in die Welt des Traumes.


-Cause every breath that you will take
when you are sitting next to me
will bring life into my deepest hopes, What's your fantasy? -


Sie war sich nicht sicher ob sich um sie herum etwas verändert hatte, war er gegangen? Er. Kein Name, nur er. Wie hieß er noch gleich..?

„Kjetil..“

Flüsterte sie, die Lippen so schwer vom Schlaf. Es war egal. Es war alles egal, Hauptsache der Traum ging nicht. Der Traum durfte nicht gehen, es war hier so friedlich, so ruhig. Ein kleines Schaf flog über ihr durch eine Wolke, weiß und weich wie die Unschuld.
Unschuld. Schon wieder dieses Wort. Im Schlaf kräuselte sich ihre Stirn, sie drehte sich auf die Seite.
Weiter, immer weiter in die Welt des Traumes.


Konnte man denken während man schlief? Ja? Nein? Es war egal. Der Traum war so friedlich, so ruhig…
Träumen, für immer Träumen. Vielleicht war das das Beste. Für immer Träumen, ohne Ängste und Sorgen, ohne Schmerzen. Für immer. Wie ein Ende. Ein Ende ohne neuen Anfang. Für immer.
Eine Hand an ihrer Schulter, der Geruch nach Alkohol und Zigaretten in der Luft. Die Stimme eines jungen Mannes. Er wusste ja gar nicht was er tat, was er zerstörte. Ein erstickter Traum, ein totes Schaf. Raus, raus aus diesem Traum, hinein in den Frieden, den unendlichen Frieden. -Doum - Doum - Doum. Schlage Herz, schlage. Ich gehe nicht.



[bei Kj - schläft]
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Kjetil

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Gruppe : Unwissend
Alter Charakter : 19
Größe : 1,70 cm
Gewicht : 60 kg
Besonderheiten : Narbe am Kinn

BeitragThema: Re: Den Tod im Genick   Sa Jun 18, 2011 1:32 am

I'm not looking for us
And neither should you
Absolutely gorgeous
That nothing I say is true.
You won't find yourself in these guilty eyes…



Hier saß er also, Kjetil Norris - unter anderem -, und starrte dieses Mädchen an. Auf eine leicht nachdenkliche, leicht niedergeschlagene, leicht gedankenverlorene Weise. So, wie er sonst eigentlich nie jemanden ansah. Hm. Hatte nichts zu bedeuten. Er konnte beispielsweise eine leere Coladose minutenlang betrachten und sich Gedanken machen. Aber Amber war keine Coladose.

    .oO(Du spinnst doch.)

Tja, das war wirklich nicht zu bestreiten. Das war einer jener Momente, in denen seine Gedankengänge ihm fast selbst ein bisschen Angst machten. Fast. Ganz kurz.

Aber das war nicht der richtige Augenblick, um sich Sorgen um seinen Geisteszustand zu machen. Aber für was war es dann der richtige Augenblick? Kjetil kaute auf seiner Lippe herum, während sein Blick auf Amber ruhte. Sie schlief ganz offensichtlich bereits tief und fest. Ob sie wohl träumte? Und wenn… was? Von wem? Er ertappte sich dabei, dass er sich jene Frage stellte, mit der sich ausnahmslos verliebte Trottel herumquälten:

    .oO(Träumt sie… von mir?)

Resigniert fuhr sich Kjetil durch die dunklen Haare und versuchte, den Blick von Amber zu lösen, schaffte es jedoch nicht. Seine Fingerspitzen ruhten noch an ihrem Rücken, ohne dass seine Hand sie wirklich berührte. Es war, als könne er durch seine Finger ihren Herzschlag spüren und vor seinem inneren Auge sehen, was sie träumte. Kj schloss die Augen, ließ sich weiter ins Sofa sinken und lauschte.
Es war niemals vollkommen still. Doch konnte man sich auf ein einziges Geräusch so sehr konzentrieren, dass man nichts anderes mehr hörte oder sonst wie wahrnahm. Kjetil zumindest konnte es. Er hörte nur mehr Ambers Atemzüge, leise und gleichmäßig. Einfach nur dieser Klang, der ihn schläfrig machte und mit dieser warmen Ruhe ausfüllte, die man spürt, wenn man sich geborgen fühlt.
Wow. Er fühlte sich in einem hellen Haus geborgen, in einer Wohnung, die im völligen Gegensatz zu den im Schatten versteckten Gassen stand. Dort konnte er sich ganz leicht geborgen fühlen, doch war es eine andere Geborgenheit. Vielleicht fühlte sich in den Schatten einfach der dunkle Teil von ihm zu Hause. Den hatte er zweifelsohne. Es war vielleicht keine düstere Seite in dem Sinne, dass er kalt gewesen wäre. Aber dieser makabere Humor, die Lügerei, der Gleichmut, der an Gleichgültigkeit und völliges Desinteresse an anderen grenzte...

    .oO(Verdammt noch mal, Schluss jetzt damit!)

Er war vielleicht sorglos, aber nicht teilnahmslos oder abgestumpft. Ganz im Gegenteil. Das konnte ihm wohl jeder bestätigen. Überhaupt wollte er doch eigentlich nicht Psychologe bei sich selbst spielen. Da kam immer nur Unsinn heraus.

Während all diese Gedanken seinen Geist vernebelten, lauschte er. Auf diese beruhigenden Atemzüge. Und dann… hörte er einen Namen. Seinen Namen.
Verwirrt blinzelnd öffnete er die Augen. Hatte er sich das nur eingebildet? Amber hatte die Stirn gerunzelt, drehte sich im Schlaf herum. Schnell zog er die Hand weg und bettete sie in seinen Schoß. Jetzt träumte sie eindeutig… und es war kein guter Traum. Also kein Traum von ihm. Oder?
Unruhig beobachtete Kjetil sie und zögerte kurz bei dem Gedanken, sie zu wecken. Dann ließ er es bleiben. Sie musste sich ausschlafen und außerdem… ja, außerdem musste er weg, bevor sie wach wurde. Und er würde nie mehr auch nur in ihre Nähe kommen, damit sie ihn einfach vergessen konnte.


Cause I love anybody
Who's fool enough to believe.
And your just one of many
Who broke their heart on me.

Nein, ihr Herz würde es nicht brechen. Wahrscheinlich würde es sie nicht einmal so sehr stören. Irgendwo hoffte er dass. Auch wenn er… sie wohl nicht so schnell vergessen konnte. Vielleicht mit ein paar anderen Mädchen. Er hatte gerade ein bisschen Geld…
Er empfand keine Scham bei dem Gedanken. Das war hier völlig normal. Wie Ich geh’ mal eben zum Supermarkt eben Ich such mir mal ein kleines Bordell. Makaber, aber so war es eben.


I will wrap my body
In another women's arms.
Make love in a hurry
Feel better then I am.

Ja, es war besser, wenn er ging.
Vorsichtig beugte er sich zu Amber, zögerte noch einen Moment, bevor er ihr einen Kuss auf die Stirn hauchte. Leise wie ein Schatten erhob er sich vom Sofa, sah nicht mehr zurück. Er schlüpfte in seine Schuhe und huschte lautlos zur Tür hinaus.


Hope you find yourself
In someone else's eyes…

Nichts hatte sich verändert, als er nach draußen trat. Die Sonne blinzelte stellenweise zwischen den Wolken hervor und Kjetil blinzelte zurück in den Himmel. Dann besann er sich und streifte alle Gedanken ab.
Nächster Punkt der Tagesordnung: Futtersuche.
Sein Magen war ziemlich leer, wie er jetzt erst wieder bemerkte. Seine Taschen dafür nicht. Er hätte wirklich noch etwas weiter gehen und ins nächste Lebensmittelgeschäft latschen können. Doch nein, das war nicht sein Stil. Er war für seinen Geschmack schon viel zu weit ins helle, freundliche Stadtviertel vorgedrungen. Also wieder zurück.
Kjetil ließ sich die Haare von einem leichten Windstoß zausen, steckte die Hände in die Hosentaschen und schlenderte los. In Richtung „böses Viertel“, mit all seinen Gassen und Schatten. Dorthin, wo er eigentlich auch hingehörte.



[zuerst noch bei Amber || macht sich sehr viele Gedanken || haut ab, jetzt auf dem Weg Richtung Armenviertel]
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